Les Sables Les Açores

Burkes Zwischenbilanz: "Damit habe ich nicht gerechnet"

Er ist erst 21 Jahre alt, mischt aber schon das Spitzenfeld der Mini-Besten auf: Lennart Burke kämpft im modifizierten Mini-Klassiker um einen Podiumsplatz

Tatjana Pokorny am 17.08.2020
Lennart Burke
Alexander Champy-McLean /Lennart Burke Sailing

Der Stralsunder Mini-Steuermann Lennart Burke segelt auf Erfolgskurs

Das hat Lennart Burke trotz Intensiv-Vorbereitung und einer ordentlichen Portion Ehrgeiz nicht erwartet: Nach zwei von drei Etappen im Mini-Rennen Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix liegt der Stralsunder auf Platz drei! Vor der letzten, mit knapp 900 Seemeilen längsten Etappe des im Jahr der Corona-Pandemie anders als sonst ausgetragenen Rennens ist demnach noch alles drin. Zu Platz zwei in der Gesamtwertung der Seriensegler fehlen dem Skipper der Pogo 3 "Vorpommern" nur sieben Minuten und 32 Sekunden. Der französische Spitzenreiter Leo Debiesse hat rund eineinhalb Stunden Vorsprung vor den Verfolgern. Über das bislang so eindrucksvolle Ergebnis ist der Norddeutsche selbst "erstaunt". Burke sagte: "Damit habe ich nicht gerechnet. Meine Vorbereitungen waren so gut wie nur denkbar. Ich habe mit Tanguy Leglatin den bestmöglichen Trainer, und ich segele ein erfolgreiches Boot. Aber es gibt auch den Punkt zu beachten, dass ich erst 21 Jahre alt bin. Segeln ist ein Erfahrungssport, und ich habe noch sehr viel zu lernen."

SAS en Baie de Morlaix

Lennart Burke und seine Pogo 3 "Vorpommern"

Lennart Burke

Lennart Burke und Quentin Riché, der in der Gesamtwertung nach dem Sieg auf Etappe zwei an zweiter Position liegt

Lennart Burke bereitet sich erst seit diesem von Ausfällen geprägten Corona-Jahr intensiv auf die Teilnahme am Mini-Transat 2021 vor. Bis zum Start des aktuell laufenden Dreiteilers hatte er auf seinem Boot trotzdem schon rund 2000 Seemeilen absolviert. Weitere rund 1500 Seemeilen kommen nur dazu. Der Erfahrungsschatz wächst täglich. Trotzdem weiß Burke: "Die Leute in Lorient sind mir teilweise noch weit voraus." Für seinen Traum, als Profi mit dem Segelsport sein Geld zu verdienen, hat der segelnde Botschafter der Region Vorpommern seinen Lebensmittelpunkt nach Lorient in die Bretagne verlegt. Dort lebt der von der Sparkasse Vorpommern und dem Stralsunder Autohaus Dürkop unterstützte Sportler bislang im eigenen Pkw, um alle verfügbaren Mittel in sein Projekt und ins Boot stecken zu können. "Meine Eltern überweisen Geld fürs Essen, und ich habe starke Sparringspartner wie Quantum, Helly Hansen oder Gotthardt, deren gute Unterstützung mir viel Geld spart." Burkes Leistungen in den ersten beiden Etappen des Corona-bedingt neu gestalteten französischen Mini-Klassikers in drei Akten sind mehr als nur eine Andeutung seines Potenzials: Mit Platz zwei in Etappe eins und Platz fünf in Etappe zwei hat sich der hochgewachsene Skipper in der traditionell von Franzosen dominierten Mini-Welt seine Podiumschance erfolgreich selbst erarbeitet.

Geschafft: 1000-Meilen-Solo-Qualifikation von Lennart Burke

Gute Aussichten für Lennart Burke

Die Marschroute vor der finalen dritten Etappe des Rennens, das als wichtige Qualifikation für das Mini-Transat gilt, ist klar: "Natürlich will ich weiter Gas geben und vorn angreifen. Ich kann am meisten lernen, wenn ich an meine Grenzen und die des Schiffes gehe." Das hat Burke schon in den ersten beiden Etappen getan. Im zweiten Durchgang fragte er sich am Rande der totalen Erschöpfung infolge von Schlafmangel mitunter: "Müssen Franzosen überhaupt schlafen?" Nach gutem Auftakt in der Mitteletappe hatte Burke eineinhalb Tage auf Rang zwei gelegen. "Die Franzosen haben mich gejagt. Ich weiß auch nicht, wie die das ohne Schlaf machen. Ich bin bei durchschnittlich etwa eineinhalb Stunden Schlaf in 24 Stunden irgendwann am Steuer eingeschlafen. Und das gleich eine halbe Stunde. Das war leider ein bisschen viel. Genau in der Zeit kam ein Winddreher mit Segelwechsel. Alle anderen haben ihren Code Zero gesetzt…" Und weg waren sie. Nicht nur diese Situation hat Burke den Satz "Flautensegeln ist die Hölle" gleich mehrfach aussprechen lassen. Den sich so unglücklich eingefangenen Rückstand glich er im weiteren Verlauf der zweiten Etappe allerdings mit viel Kampfgeist und einer formidable Aufholjagd wieder aus. Im Ziel hatte sich Burke Platz fünf erobert und damit das Fundament für einen vielversprechenden Endspurt gelegt.

Umso mehr, weil die am 13. Januar von Burkes Schwester Hanna getaufte "Vorpommern" die Etappe im Bilderbuchzustand absolviert hat. "Technisch ist alles heil", vermeldete Burke nicht ganz ohne Stolz. "Ich habe das Boot drei Wochen intensiv auf dieses Rennen vorbereitet und mich sehr gründlich gekümmert." Das hat sich gelohnt und soll auch fürs Finale so bleiben. Die dritte Etappe führt die beiden Mini-Felder der Prototypen und der Serienboote ab Mittwoch von Roscoff hinauf zum Südwestzipel Englands, wieder nach Süden zu einem Wegepunkt vor der spanischen Hafenstadt Gijon und zurück nach Les Sables-d'Olonne. Ob der Start pünktlich erfolgen kann, ist noch offen, weil ein nahendes Tiefdruckgebiet die Veranstalter möglicherweise zu einer Vorverlegung des Starts bewegen wird. Lennart Burke, von seinen Partnern als "Junger Mann aus der Region für die Region" begeistert beflügelt, ist so oder so bereit für die letzte Prüfung im Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix. Sie markiert einen weiteren wichtigen Schritt auf Kurs Mini-Transat, in dem der Hamburger Segelprofi Jörg Riechers 2017 als Zweiter das bislang beste deutsche Ergebnis erreicht hat.

Taufe Vorpommern

Der glückliche Moment der Taufe: Burkes Schwester Hanna taufte das Boot in Greifswald auf seinen neuen Namen "Vorpommern"

Lennart Burkes meist ausgesprochener Satz ist aktuell dieser: "Ich muss noch viel lernen." Tut er das weiterhin im vorgelegten Tempo, dürfte noch einiges von ihm zu erwarten sein. Seine eigene Prognose für den Endspurt: "Ich würde sehr gern ein weiteres Top-Fünf-Ergebnis erreichen. Wenn ich das schaffe, bleibt das Podium möglich." Dass die Schlussetappe deutlich länger sein wird als die bisherigen beiden Etappen, nimmt Burke ernst: "Das Ganze wird noch einmal zwei Tage länger dauern. Also habe ich noch mehr Respekt. Wir segeln über weite Strecken so eng an eng, klauen uns den Wind. Das ist echt hart. Die Geschwindigkeitsunterschiede sind nicht sehr groß. Man muss also ständig situationsbedingt agieren." Sein Motto ist deswegen klar definiert: "Durchhalten, stark bleiben, schnell segeln."

Tatjana Pokorny am 17.08.2020

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


    ANZEIGE

    Weitere News und Angebote

Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online