Sailing World Cup

Buhls Ein-Mann-Show schönt die Bilanz

Philipp Buhl hat der deutschen Segel-Nationalmannschaft Platz sechs in der Nationenwertung beschert. Doch das gute Team-Ergebnis täuscht

Tatjana Pokorny am 01.02.2015
Isaf Weltcup vor Miami 2015

Philipp Buhl katapultierte sich schon zu Saisonbeginn auf den höchsten Podestplatz, gewann Weltcup-Gold vor Nick Thompson (r.) und dem Australier Mathew Wearn

Nationen-Wertungen werden anhand gewonnener Medaillen und Platzierungen ermittelt. Deswegen hat die deutsche Segel-Nationalmannschaft mit dem überragend agierenden Philipp Buhl vor Miami einen sehr guten Platz sechs in der Länderwertung erreicht. Dazu trugen auch die Strander Zwillingsschwestern Jule und Lotta Görge mit Platz acht im 49er FX bei. So konnte das DSV-Team etwa die österreichischen Segler knapp abfangen, die mit Gold im 49er durch Nico Delle-Karth und Nikolaus Resch sowie Platz neun im 470er der Frauen in der inoffiziellen Nationenwertung auf Platz sieben segelten.

Isaf Sailing World Cup Miami 2015

Kämpfte, agierte taktisch klug und siegte: Philipp Buhl führte Team Germany vor Miami auf Platz sechs in der Nationenwertung

Isaf Weltcup vor Miami 2015

Beste deutsche 49er-FX-Crew auf Platz acht: Jule und Lotta Görge aus Strande

Doch das gute Ergebnis der DSV-Athleten täuscht und ruht auf den Schultern von Philipp Buhl. Seiner Ein-Mann-Show verdankt das Team die vorerst nur scheinbar gute Bilanz. Der Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz und die Einzelanalyse der deutschen Leistungen verraten, dass die DSV-Flotte vor Miami noch auf Formsuche segelte und vielfach vergeblich um Beständigkeit rang. 

Nationensieger Großbritannien glänzte mit 14 Teams in den Medaillenrennen der zehn olympischen Disziplinen und konnte aus dem Vollen schöpfen. Die Briten gewannen drei Gold- und drei Silbermedaillen und präsentierten sich damit zu Saisonbeginn wieder einmal als stärkste olympische Segelnation. Platz zwei in der inoffiziellen Länderwertung erkämpften sich die Neuseeländer mit zwei Goldmedaillen und insgesamt fünf Finalteilnehmern vor den Niederlanden mit einmal Gold, einmal Silber, einmal Bronze und insgesamt acht Teams in den Medaillenfinals. Australien verpasste eine bessere Platzierung in der Länderwertung nur, weil die Teams aus Down Under keine Goldmedaille gewannen. Mit zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen und insgesamt fünf Finalteilnehmern präsentierten sich auch die Australier stark.

Die Zusammenfassung der Höhepunkte vom letzten Tag der Weltcup-Regatta vor Miami

Im DSV-Team hatten sich neben Buhl nur die Strander Zwillingsschwestern Jule und Lotta Görge für das Medaillenfinale qualifizieren können. Weitere Leistungsträger agierten beim Saisonauftakt in amerikanischen Gewässern deutlich unter ihren Möglichkeiten. So etwa die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel (12.), die beim Weltcup mit einem gecharterten Boot antraten. "Die schlechten Ergebnisse haben wir aber selbst zu verantworten", so Erik Heil, "es fehlte noch an Überblick und Speed." Weder der Olympia-Vierte Toni Wilhelm, der bei den RS:X-Surfern das Finale als 14. verpasst hatte, noch Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger (29.) konnten mit ihren Starts in die Saison zufrieden sein. Starke Leistungen hatten hingegen die 470er-Segler Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski gezeigt, die bis zu einem Crash als Fünfte in der Weltspitze mitsegelten, das Finale dann aber als Elfte knapp verpassten.

Weitere Höhepunkte vom letzten Tag der Weltcup-Regatta in der Zusammenfassung

Isaf Weltcup vor Miami 2015

Der "Fliegende Holländer" Dorian van Rijsselberghe gewann Gold bei den RS:X-Surfern. Der Olympia-Vierte Toni Wilhelm dagegen verpasste das Medaillenfinale als 14.

Vielen deutschen Teams ging es ähnlich wie den 49er-FX-Seglerinnen Leonie Meyer und Elena Stoffers, die sich mit teilweise herausragenden Leistungen und sogar einem Tagessieg zunächst bis auf Platz fünf vorgearbeitet hatten, ein besseres Gesamtergebnis dann aber mit schwacher Schlussphase verpatzten. Elena Stoffers berichtete: "Wir sind zwar oft gut an der Luvtonne angekommen, konnten die Platzierungen aber nicht halten. Alle Teams hatten Probleme, konstante Ergebnisse einzufahren, da der Wind extrem unvorhersehbar war. Am Ende haben uns die zu vielen schlechten Platzierungen nach hinten geworfen. Der Ausblick auf die Zukunft schreit auf jeden Fall nach einer taktischen Weiterbildung."

Es bleibt viel zu tun für das Team, das 2016 in Rio de Janeiro endlich wieder olympische Medaillen gewinnen will und sich dabei nicht auf Buhls-Ein-Mann-Show verlassen darf. Philipp Buhl traut der Mannschaft den Kraftakt jedoch zu: "Die üblichen Verdächtigen werden sicher bald zu Form auflaufen. Für mich zählen dazu auf jeden Fall Erik und Thomas, Toni Wilhelm und die 49er-Mädels. Es braucht jetzt nur ein wenig Zeit und Geduld." Zu den ersten Gratulanten Buhls zählte der neue DSV-Cheftrainer David Howlett, der aufgrund älterer Verpflichtungen in Miami noch nicht dabei sein konnte: "Gratulation an Philipp für diesen großartigen Start in die Saison! Glückwünsche auch an seinen Coach Thomas Piesker, seinen Trainingspartner Tobi Schadewaldt, den Physiotherapeuten Tobias Puck und alle, die mit Philipp gearbeitet und gekämpft haben. Ich freue mich auch für Thomas, dass das innovative Vorregatta-Training so gut funktioniert hat."

Isaf Sailing World Cup Miami 2015

Philipp Buhl nach seinem Sieg: "Dass das Hängen so früh in der Saison schon so gut funktioniert hat, war ein Grund für meinen Erfolg"

 

Isaf Sailing World Cup Miami 2015

Bild mit Symbolcharakter: Buhl jagt Thompson. Am Ende konnte der Allgäuer den Briten tatsächlich abfangen und auf Platz zwei verweisen

 

 

Tatjana Pokorny am 01.02.2015

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