Mini-Transat 2019

Brutale Premiere: Bogacki Elfter nach Autopiloten-Versagen

Die beiden deutschen Mini-Transat-Solisten Morten Bogacki und Hendrik Witzmann sind im Ziel. Ihre Premiere hatten sich beide allerdings anders vorgestellt…

Tatjana Pokorny am 15.10.2019
Mini-Transat 2019
Breschi/Mini-Transat 2019

Mini-Transat 2019: Ambrogio Beccaria hat die erste Etappe in der Serienwertung auf "Geomag" gewonnen

Manchmal kommt es dicker, als man es sich vorstellen kann: So war es für Morten Bogacki bei seiner Mini-Transat-Premiere. Der 33-jährige Arzt war auf dem Proto "Lilienthal" für das Offshore Team Germany in den französischen Solo-Klassiker gestartet. Sein Boot ist bekannt: Jörg Riechers erzielte damit vor zwei Jahren als Zweiter das historisch beste deutsche Ergebnis im Mini-Transat. Damals war "Lilienthal" ein neues Geschoss. Inzwischen hat das immer noch schnelle und solide Boot ein paar mehr Meilen auf dem Buckel. Dennoch hatte Bogacki sich mit einer Top-Fünf-Platzierung ein bewusst ehrgeiziges Ziel für seine erste Teilnahme am Transatlantik-Einhandrennen in zwei Etappen gesteckt.

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Morten Bogacki auf "Lilienthal"

Dass er seine Möglichkeiten damit durchaus richtig eingeschätzt hatte, bewies Bogacki in den ersten Tagen der ersten Etappe, in denen er sich bis auf Platz vier vorgekämpft hatte. Da widmeten ihm die notorisch national orientierten Veranstalter sogar einen eigenen Absatz in einer Pressemitteilung. Darin hieß es unter anderem: "Der deutsche Arzt genießt ein krachendes Rennen in diesem Mini-Transat La Boulangère." Und genau so war es. Doch dann bremsten Bogacki ab der Nacht auf den 10. Oktober Materialbruch und – noch schlimmer – das doppelte Versagen seiner Autopiloten jäh aus. Er musste das Rennen – aufmerksame Beobachter konnten es in den vergangenen Tagen anhand der Daten im Live-Tracker schon vermuten – über die letzten fünf (!) für ihn so brutalen Tage des Abschnitts von La Rochelle nach Gran Canaria ohne Autopiloten bestreiten.

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Axel Trehin im Glück: Der "Project Rescue Ocean"-Skipper beendet die erste Etappe als Erster im Ziel und Gewinner der Proto-Wertung

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Proto-Etappensieger Axel Trehin

Für den erfahrenen Segler bedeutete das eine Nonstop-Qual. In 120 Stunden hat er insgesamt nur zwölf geschlafen. "Da halluziniert man dann irgendwann auch ein bisschen", berichtete er über die schwersten Phasen. Dass er unter diesen Umständen das Ziel noch als Elfter der Proto-Wertung erreichte, ist einem außergewöhnlichen Kraftakt und auch der Tatsache zu verdanken, dass alternative Nothäfen für ihn kaum leichter anzulaufen gewesen wären als der offizielle Zwischenstopp-Hafen auf der Kanaren-Insel. Die Ziellinie kreuzte Bogacki nach 9 Tagen, 10 Stunden, 22 Minuten und 28 Sekunden auf See, die er so schnell nicht vergessen wird. Gewonnen hat die erste Etappe in der Proto-Wertung Axel Trehin auf "Project Rescue Ocean" in 8 Tagen, 17 Stunden, 58 Minuten und 28 Sekunden vor François Jambou ("Team BFR Marée Haute Jaune") und Tanguy Bouroullec ("Cerfrance").

Vor dem Start in die zweite Etappe am 2. November stehen nun in der Pause statt dem geplanten Heimflug für Morten Bogacki einige Reparaturarbeiten, die Fahndung nach dem Elektronik-Problem seiner Autopiloten und die möglicherweise schnell notwendig werdende Order von Ersatzteilen an. "Das Boot muss für die zweite Etappe über den Atlantik verlässlich fit sein", sagte der Skipper, der für den Düsseldorfer Yacht-Club und den Kieler Yacht-Club segelt, am Dienstagmorgen in Las Palmas.

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Nach der ersten Etappe im Hafen von Las Palmas wieder vereint: die beiden deutschen Skipper Morten Bogacki (r.) und Hendrik Witzmann. Im Vergleich zu den "Vorher"-Bildern sieht man ihnen die überstandenen Strapazen durchaus an. Beide fühlten sich aber nach der ersten Nacht an Land schon wieder besser

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Ambrogio Beccaria

Gemeinsam mit dem Berliner Hendrik Witzmann saß er zu dem Zeitpunkt in einem Hafencafé und analysierte die Ereignisse. Der "Sunnovation"-Skipper erreichte die Ziellinie als 16. der Serien-Wertung mit insgesamt 65 Booten, von denen drei aufgegeben hatten. "Es war krass", sagte Witzmann in einer ersten Reaktion, "aber manchmal auch krass schön. So hatte ich es mir gar nicht vorgestellt." Die erste Etappe gewann in der Wertung der Serienboote der italienische Favorit Ambrogio Beccaria ("Geomag") mit einer gesegelten Zeit von 8 Tagen, 19 Stunden, 52 Minuten und 7 Sekunden vor Félix De Navacelle ("Youkounkoun") und Matthieu Vincent ("L'Occitane En Provence"). Die Französin Amelie Grassi segelte nach starkem Endspurt als beste Solistin der Serienwertung auf Platz fünf. Bei den Protos erkämpfte sich Marie Gendron als beste Steuerfrau auf "Cassiopée – SNCF" Platz vier.

Hier geht es zum Klassement nach der ersten von zwei Etappen.

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Erleuchtet ins Ziel: Beccarias "Geomag" gewinnt die erste Etappe in der Serienwertung

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"Sunovation"-Skipper Hendrik Witzmann kommt als 16. der Serienwertung ins Etappenziel

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Tatjana Pokorny am 15.10.2019

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