Les Sables Les Açores

Bretonischer Segel-Krimi mit verkürztem Finale

Der in Corona-Zeiten in einen küstennahen Dreiteiler verwandelte Mini-Klassiker geht ab Sonntag mit Podiumschancen für Burke und Rixgens’ Comeback-Kampf zu Ende

Tatjana Pokorny am 21.08.2020
SAS En Baie de Morlaix 2020
blond.sign

Ihre Aufholjagd im SAS en Baie de Morlaix 2020 startet am Sonntag: "Avanade"-Skipperin Lina Rixgens will mehr, als sie bislang zeigen konnte

Am Freitag hat die Rennleitung des Mini-Dreiteilers Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix den verkürzten neuen Kurs für die dritte und letzte Etappe bekanntgegeben: Von den ursprünglich geplanten 870 Seemeilen sind noch 500 geblieben. Gestrichen wurde unter anderem die Nordschleife zum Wolf Rock vor der Küste Cornwalls. Stattdessen geht es für die kleinere Proto- und die größere Serienbootflotte küstennäher von Roscoff zurück nach Les Sables-d'Olonne. Nach der Startverschiebung um vier Tage, die einem kräftigen Tief geschuldet ist, werden die Miniisten nun am Sonntag um 10 Uhr in die dritte und finale Etappe geschickt und bis Freitag zurückerwartet.

Für Lennart Burke steht viel Gutes auf dem Spiel: Der erst 21 Jahre alte Stralsunder liegt nach bislang starker Leistung auf Platz drei. Zum zweitplatzierten "Eliott"-Skipper Quentin Riche fehlen dem in die französische Dominanz einbrechenden Norddeutschen gerade einmal sieben Minuten und 32 Sekunden. Der "Vorpommern"-Skipper kämpft mit guten Chancen und viel Fan-Rückenwind aus Deutschland um einen Podiumsplatz. Vor dem Viertplatzierten Fabrice Sorin ("Jules") hat Burke fast 40 Minuten Vorsprung. Ob Quentin Riche und Lennart Burke Spitzenreiter Leo Debiesse auf "Kelyfos" noch gefährden können, muss sich angesichts dessen rund eineinhalbstündigen Vorsprungs erweisen. Die Meeresbühne ist für einen packenden Mehrkampf bereitet. "Es sieht nach Wind aus und wird mehr als spannend", lautet Lennart Burkes Prognose. Er selbst wäre stolz, ein drittes Top-Fünf-Ergebnis einfahren zu können, "weil das eine wirklich gute Leistung wäre". Sicher ist aber auch: Er wird mit allen seinen Kräften ums Podium kämpfen.

Geschafft: 1000-Meilen-Solo-Qualifikation von Lennart Burke

Gute Aussichten für "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke vor der finalen dritten Etappe

SAS En Baie de Morlaix 2020

Hatten gemeinsam viel Spaß bei einer Parade auf Rixgens' Mini "Avanade": die Skipperin mit Lennart Burke (M.) und Melwin Fink

Melwin Fink startet mit der "Sunovation" einen Platz hinter dem österreichischen Mixed-Offshore-Europameister Christian Kargl vom Candidate Sailing Team als 21. ins Rennen. Im Feld der Prototypen will sich Lina Rixgens mit ihrer Wevo 6.5 deutlich verbessern und endlich zeigen, was in ihr und diesem Boot wirklich steckt. Rixgens sagt, dass ihre Batterien nach zwei zehrenden und zuletzt vom Versagen des Autopiloten geprägten Etappen vor dem Endspurt "wieder voll aufgeladen" seien. Die in Hamburg lebende "Avandae"-Skipperin startet ihre Aufholjagd am Sonntag als 15., hat aber deutlich mehr im Sinn als das bisherige Resultat. Ihr Autopilot funktioniert wieder reibungslos. Nicht einmal die Technik-Experten vor Ort konnten sich erklären, wie es zu dem Ausfall auf Etappe zwei in Winden um 25, 30 Knoten gekommen war. Der hatte der Ärztin langes Handsteuern und alle physischen Reserven abgefordert. Und damit waren die Leiden der Lina R. noch nicht ausgestanden, denn ihre zweite Etappe endete mit einem letzten garstigen Ausrufezeichen: Die hartnäckige Flaute vor der Ziellinie ließ Gedanken an Rixgens' künftigen Wirkungsbereich der Anästhesie aufkommen – in dem auch mental für sie brutalen zweiten Durchgang benötigte Rixgens für die finalen drei Seemeilen bis ins Ziel sieben Stunden (!) und hätte ihr Boot kurz danach "am liebsten in die Ecke gefeuert".

SAS En Baie de Morlaix 2020

Gut drauf vor dem Start ins Finale: Lina Rixgens auf der "Avanade"

Inzwischen ist ihr Frust längst der neuen Lust auf ein gelungenes Finale gewichen. Lina Rixgens sagt angriffslustig: "Das war bislang nicht, was ich mir vorgestellt hatte. Ich hoffe, ich kann unser Potenzial jetzt zeigen." Im Vergleich zur Konkurrenz fehlt es der sympathischen Seglerin nicht an Mini-Erfahrung: Bis zu 15.000 Seemeilen hat sie bereits gesammelt, rund 2000 auf dem aktuellen Boot. Was ihr aber nach eigener Aussage noch fehlt, ist das für Herbst und Winter geplante Intensiv-Training mit den anderen, "sodass ich meine Erfahrung besser ausspielen kann".

Zum Tracker des Rennens geht es ab Sonntag (10 Uhr) hier.

SAS En Baie de Morlaix 2020

Bilderbuch-Impression von der Mini-Flotte vor Château Taureau

Tatjana Pokorny am 21.08.2020

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