Route du Rhum

Boris Herrmanns Worte zu einem Sonntag unter Vollzeug

In zwei Tagen von Platz 1 auf 5, das könnte ihn zum Verzweifeln bringen. Der Hamburger aber genießt die Route du Rhum – und kündigt seine Aufholjagd an

Jochen Rieker am 11.11.2018
Bilder von Bord Malizia Sonntag Route du Rum 2018
Malizia/B. Herrmann

Bilder von Bord Malizia Sonntag Route du Rum 2018

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Gute Bordlektüre ist ja so wichtig ;-)

Die aktuelle YACHT-Ausgabe, in der der Vorabdruck des ersten Kapitels seines neuen Buchs "Nonstop – Süchtig nach Segeln" zu lesen ist, hängt unter "Malizias" Deckshaus zum Trocknen. Der Atlantik leuchtet in sattem Ultramarin, und Boris Herrmann kann genießen.

Dass er im Ranking heute Früh noch einmal einen Platz zurückgefallen ist, auf Position 5 hinter Yann Ellies, hat er kommen sehen. Deshalb lässt er sich davon nicht irritieren. Im Gegenteil: Er hat ganz offensichtlich seine Freude am Champagnersegeln, das vor ihm liegt. 

Hier sein aktueller Bericht:

»Sonntag. Ein 200 Meter langer Schwell rollt unter Malizia durch, jede halbe Minute oder so, wie ein sehr langer Atem des Meeres. Wir beschleunigen. Manchmal kommen wir mit dem scheinbaren Wind, der dabei entsteht, ins Surfen und verlangsamen uns dann langsam wieder, während die nächste Welle unter uns rollt. 

Bilder von Bord Malizia Sonntag Route du Rum 2018

Kann genießen: der "Malizia"-Skipper nach einer Woche Einsamkeit

Die Fantasie wandert zu den kleinen mittelatlantischen Inseln, wo diese Seen für beste Surfbedingungen sorgen. Fast kein Wind und kräftiger Wellengang – wie aus einem anderen Ozean. Dieser Schwell und einige der Blessuren und feuchten Ecken an Bord sind die einzigen Erinnerungen an den großen stürmischen Rennstart, der mir vorkommt wie aus einem anderen Leben, eine vage Erinnerung, über die ich gelesen habe.

Zum ersten Mal zeigt "Malizia" ihre ganze Garderobe her. Der neue Code0 und die Fock 3 stehen. Unsere Segel haben alle schon die Vendée bestritten (unter Voreigner Seb Josse, als das Boot noch "Gitana" hieß; die Red.). Nur zwei Tücher sind neu, und der Code 0 ist einer von ihnen – bin sehr stolz darauf. Zwei Segel vor dem Mast zu haben macht sich gut, finde ich. In gewisser Weise ist es wie bei den Rahseglern vor 150 Jahren. Wir fahren heutzutage manchmal sogar drei Vorsegel auf einmal, "tripleheaded".

Die Bedingungen passen zu einem Sonntag: tiefblauer Ozean, eine tropische Sonne, die schon in der ersten Stunde des Tages stark brennt, dazu kleine Passatwind-Wolken am Horizont. Nichts Fieses. Nichts, das die Falle anzeigen würde, vor der wir Angst haben könnten.

Wir gleiten mit etwa 12 Knoten bei 8 Knoten Wind dahin. Zeit für mich zu genießen, den Blick über den Horizont schweifen zu lassen und alle Energie fürs Trimmen und das Wetterrouting zu verwenden.

Bilder von Bord Malizia Sonntag Route du Rum 2018

"Malizia" ist aktuell nicht das schnellste Boot in der Spitzengruppe, segelt aber kein bisschen langsam bei der Passage des Hochdruckkeils

Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag. Nicht mehr lange und wir beginnen die Jagd im Passat!

Danke fürs Mitsegeln!«

Jochen Rieker am 11.11.2018

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