14. Transat Jacques Vabre

Boris Herrmann: "Wir wollen weiter vorn mitmischen"

Der "Malizia"-Skipper startet am Sonntag wie Jörg Riechers und die Brüder Arnt und Sönke Bruhns in den französischen Transatlantik-Klassiker für Zweihand-Crews

Tatjana Pokorny am 23.10.2019
Transat Jacques Vabre 2019
Andreas Lindlahr / Team Malizia

Boris Herrmann und Will Harris nehmen auf "Malizia" Kurs auf das 14. Transat Jacques Vabre

Wären sie Pferde, würde man sicher feststellen können, dass sie schon mit den Hufen scharren: 29 Imoca-Yachten und ihre Zweihand-Crews, 27 Class-40-Duos und drei Multi50-Mannschaften bereiten sich auf das 14. Transat Jacques Vabre vor. In Le Havre sind die hektischen letzten Tage vor dem Startschuss für den französischen Zweihandklassiker angebrochen. Da ist es praktisch, dass Le Havre nicht nur der größte Normandie-Hafen ist, sondern als einziger auch unabhängig von der Tide rund um die Uhr ansteuerbar ist.

Transat Jacques Vabre 2019

Boris Herrmann und Will Harris auf "Malizia"

Transat Jacques Vabre 2019

So werden sie von den Transat-Veranstaltern vorgestellt: Arnt und Sönke Bruhns starten auf ihrer Class 40 "Iskareen" ins Rennen

Die 1993 zunächst für Solisten neu eingeführte Transatlantik-Regatta war damals schon zwei Jahre später in den Zweihand-Modus gewechselt und gilt seitdem als eine der wichtigsten Prüfungen für Top-Segler im Doppelpack. Am Start ist ab kommenden Sonntag fast alles, was in Frankreichs dominanter Offshore-Szene Rang und Namen hat. Auch vier deutsche Segler sind mit von dieser Partie, deren Anteil französischer Starter bei dieser Edition bei 80 Prozent liegt.

Transat Jacques Vabre 2019

Jörg Riechers (r.) und Cédric Château starten auf der Cape 40 "Linkt" ins Transat

"Linkt"-Skipper Jörg Riechers und sein Co-Skipper Cédric Château bereiten sich auf ihrer Cape 40 auf den Transatlantik-Klassiker vor

Unter den 27 Class-40-Crews sind zwei Mixed-Teams und insgesamt drei deutsche Segler. Einer von ihnen ist der im französischen Caen lebende Jörg Riechers. Mit dem Mini-Transat-Zweiten von 2017 und Normandy-Channel-Race-Dritten dieses Jahres sowie seinem Co-Piloten Cédric Château ist im Kampf um einen Spitzenplatz immer zu rechnen. Ihr Owen-Clarke-Boot "Linkt" wurde bei Cape Racing Yachts gebaut und hat Werkspilot Jörg Riechers schon gute Dienste geleistet. So darf es über die Distanz von 4350 Seemeilen von Le Havre nach Salvador de Bahia ab Sonntag aus Riechers Sicht gern weitergehen. Ebenfalls in der Gruppe der Class-40-Yachten sind die Hamburger Brüder Arnt und Sönke Bruhns auf ihrer "Iskareen" im Einsatz. Sie sind zwar "Amateure", gehen aber mit einem inzwischen beträchtlichen Erfahrungsschatz und reichlich Ehrgeiz ins Rennen. Ihr Finot/Conq-Design ist fünf Jahre alt, wurde bei Pogo Structures gebaut. 

Transat Jacques Vabre 2019

Noch in der Vorbereitung, ab Sonntag im Rennen: Boris Herrmann (r.) und sein Co-Skipper Will Harris

Boris Herrmann und sein britischer Co-Skipper Will Harris haben es in der Imoca-Klasse auf eine Top-Platzierung abgesehen. Der 38-jährige "Malizia"-Skipper Boris Herrmann hatte bereits bei seiner Transat-Jacques-Vabre-Premiere an der Seite von Thomas Ruyant vor zwei Jahren ein erstes Ausrufezeichen setzen können, war damals Vierter geworden. Mit seinem zweiten Start läutet der Hamburger Extremsegler nun den Countdown bis zu seinem Vendée-Globe-Start 2020 ein.

Im August hatte der in Oldenburg geborene und in Hamburg lebende Segelprofi zusammen mit "Malizia"-Teamgründer Pierre Casiraghi aus dem Fürstenhaus Monaco die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg emissionsfrei von England nach New York gesegelt. Der außergewöhnliche Törn hatte weltweit große Aufmerksamkeit auf die globale Klimakrise gelenkt. Doch nun steht für Herrmann wieder der Regattasport im Vordergrund: "Ich bin voller Vorfreude, dass es jetzt wieder in einen Wettkampf geht. Und stolz auf das gesamte Team, dass es die 'Malizia' so schnell perfekt vorbereitet hat."

Transat Jacques Vabre 2019

Boris Herrmann und Will Harris

Im Anschluss an den Thunberg-Törn war eine fünfköpfige Crew ohne Herrmann an Bord auf der Rücküberführung von New York nach Europa bei einem Rekordversuch als Test für die Weltregatta The Ocean Race 2021/22 mit einem unbekannten Objekt kollidiert. Die 18,28 Meter lange Rennyacht musste in Saint-Pierre nahe Neufundland auf strukturelle Schäden untersucht werden. Die damit verbundenen Sorgen hatten sich jedoch als unbegründet erwiesen. Herrmann und sein Team aber hatten viele Wochen wertvoller Trainingszeit eingebüßt. Segelpartner Harris äußerte sich dennoch optimistisch. "Wir haben zwar kürzer als andere Duos, aber sehr intensiv trainiert", sagt der 25-Jährige, "und wir haben schnell voneinander gelernt, wie der Partner segelt, verstehen uns bestens." Der Brite hat sich in der Figaro-Szene einen Namen gemacht, holte schon 2016 bei der Solitaire de Figaro den Rookie-Titel und absolvierte dieses Jahr einen erfolgreichen Circuit auf einer neuen Figaro Beneteau 3. Anfang August absolvierten Herrmann und Harris bereits das Rolex Fastnet Race zusammen, waren aber mit Platz acht unter 20 Imocas nicht ganz zufrieden. "Unser Ehrgeiz ist groß, wir wollen weiter vorn mitmischen", unterstreicht Herrmann die Zielsetzung für die bevorstehende Aufgabe.

Dabei bekommen sie es mit weiteren 28 Imoca-60-Yachten zu tun. Es hätten inklusive "Malizia" eigentlich 30 sein sollen, doch an Bord der französischen "Fortil" war in der Nacht auf Dienstag im Bassin Paul Vatine in Le Havre Feuer ausgebrochen. Obwohl weitere Crews und die Feuerwehr schnell reagierten, wurden Interieur und Struktur so stark beschädigt, dass Clément Giraud und Rémi Beauvais ihre Meldung zurückziehen mussten. Am Start sind allerdings zahlreiche Neubauten mit modernster Foil-Technologie und dem Potenzial für Spitzengeschwindigkeiten weit jenseits der 30 Knoten. Bei günstigen Bedingungen wird mit einem neuen Transatlantikrekord auf dieser "Kaffeeroute" gerechnet. Die bestehende Bestmarke hatten die Franzosen Yann Eliès und Jean-Pierre Dick beim vorigen Rennen mit 13 Tagen, sieben Stunden und 36 Minuten aufgestellt. Das Imoca-Starterfeld verspricht zugleich eine erste Standortbestimmung für die Vendée Globe im kommenden Jahr.

Transat Jacques Vabre 2019

Sam Davies und Paul Meilhat segeln den Transat-Start auf "Initiatives Cœur" entgegen

Transat Jacques Vabre 2019

Die britische Top-Seglerin Sam Davies, die mit Paul Meilhat zu den stärksten Startern in der Imoca-Klasse zählt, gibt es jetzt auch als Spielfigur – mit Boot!

Das Rennen wird ab Start via Tracker zu verfolgen sein. Hier geht es zur Homepage der Veranstalter.

Tatjana Pokorny am 23.10.2019

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