Saisonauftakt der Imoca 60

Boris Herrmann: "Natürlich bin ich enttäuscht"

Der Hamburger Profiskipper verlor aufgrund eines technischen Problems den sicher geglaubten zweiten Platz beim Bermudes-1000-Rennen – und gewinnt dennoch

Jochen Rieker am 17.05.2019
Route du Rhum 2018
Jean-Marie Liot

Kurzfristig frustriert, aber schon wieder zuversichtlich: Boris Herrmann auf "Malizia"

Boris Herrmann hat eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter sich. Vor wenigen Minuten querte er als Sechster die Ziellinie des Einhand-Rennens vor Brest. Dabei sah alles lange Zeit danach aus, als würde er Zweiter – bis ihn gestern Mittag eine Panne zurückwarf. Ein herber Schlag.

Der Start sowie weite Teile des Kurses waren für den Hamburger Profiskipper äußerst erfolgreich verlaufen. Er  segelte während des knapp acht Tage dauernden Rennens über insgesamt 2000 Seemeilen stets in der Spitzengruppe und behauptete lange den zweiten Platz – bis er am Donnerstag um 12.35 Uhr ein Problem auf seiner "Malizia – Yacht Club de Monaco" entdeckte und sich gezwungen sah, seine Fahrt zu verlangsamen, um die Ursache genauer zu untersuchen.

Nach Rücksprache mit seinem Technik-Team an Land und mit der Wettfahrtleitung entschied er, dass es sicherer sei, das Rennen fortzusetzen – wenn auch mit gerefften Segeln. "Hauptziel für Boris war es von da an, das Rennen zu beenden, ohne Malizia weiteren Schaden zuzufügen", sagte seine Managerin Holly Cova. Sie schloss gegenüber YACHT online strukturelle Schäden aus.

Unterdessen traf das Shore-Team in Brest ein, um das Boot zu übernehmen und umgehend zurück in die Basis nach Lorient zu bringen, wo etwaige Reparaturen so schnell wie möglich durchgeführt werden sollen.

Der Rückschlag, auch wenn er nicht kritisch war, traf Boris Herrmann hart. Nur einen Tag und rund 250 Seemeilen vor Brest war er sicher, seinen zweiten Platz verteidigen zu können. Und das, obwohl er vom Start weg unter einer starken Erkältung litt. Doch es sollte nicht sein.

Das Bermudes 1000 kann er dennoch als gelungenen Saisonauftakt verbuchen. Es war ein Rennen, bei dem er viel gelernt hat in der Vorbereitung auf sein Hauptziel – die Vendée Globe 2020. Zu Beginn wechselte er sich in der Führung mehrfach ab mit dem späteren Sieger Sebastien Simon und lag bis gestern fast beständig vor der Engländerin Sam Davies und dem Zweitplatzierten Yannick Bestaven. Damit untermauerte er seinen Favoritenstatus eindrucksvoll. 

Ständig in Tuchfühlung mit den Spitzenseglern zu sein brachte dem Hamburger obendrein wertvolle Erkenntnisse. Er kommentierte: "Wenn man so nah an seinen Konkurrenten bleibt, kann man deren Fortschritt überwachen, ihre Taktik und die Stärken ihrer Boote genau analysieren."

Besonders zuversichtlich stimmte Herrmann der lange Halbwindschlag von den Azoren Richtung Brest. "In den langen Dünungswellen hat ‚Malizia’ wirklich ihre beste Seite gezeigt – diesen Punkt, an dem sie auf den Wellen beschleunigt und die Foils anfangen zu summen." Über längere Zeit loggte er dabei Geschwindigkeiten um und über 20 Knoten und war phasenweise Schnellster des Spitzen-Trios.

Malizia II Hermann von Bord RdR 2018 PR_181111_rdr2018_Borisupdate_010

Boris Herrmann

Darin, seinen Imoca 60 unter allen Bedingungen kennenzulernen, sieht der 37-jährige den Schlüssel für eine erfolgreiche Teilnahme an der Vendée Globe im kommenden Jahr. "Natürlich bin ich enttäuscht über das Ergebnis, nachdem ich so lange Platz 2 gehalten hatte", sagte er. "Aber mein Hauptaugenmerk lag darauf, das Boot sicher ins Ziel zu bringen. Das Problem können wir rasch beheben. Es ist eine Erfahrung, die mich, das Boot und das Team nur stärker machen wird. Ich habe ein großartiges Technik-Team, das bereits einen Plan für die Reparatur ausgetüftelt hat. Und das Boot wird sehr bald wieder zurück im Wasser sein und Rennen segeln. "

Tatsächlich kann Herrmann den 6. Rang beim Bermudes 1000 Race als Erfolg sehen, ungeachtet des Rückschlags. Denn die Wettfahrt zählt als Vendée-Globe-Qualifikation und verschafft ihm weitere wertvolle Meilen für die Teilnahme am Solo-Nonstop-Rennen um die Welt, das im November 2020 startet. In der Rangliste der Imoca Globe Series rückt der Hamburger damit aktuell auf den 2. Platz vor.

Jochen Rieker am 17.05.2019

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