Einhandregatta One Star Challenge

Ein Rennbericht von Patrik Heinrichs

Pascal Schürmann am 05.06.2019

One Star Challenge – ein Race-Bericht von Patrik Heinrichs

Nach einem langen Winter stellt der Segler einfach fest, dass es immer noch fünf Monate bis zum großen Silverrudder-Fest im September sind, wo man all die anderen netten Leute wieder trifft und sich den Qualen des Einhand-Langstreckensegelns hingeben kann.

Das Baltic 500 am Himmelfahrtswochenende war dann für die kleine "Jynx" mit ihren 7,20 Meter dann doch etwas zu groß, also was tun? Ach ja, da war doch vor zwei Jahren diese One Star Challenge im Fahrwasser des Silverrudder-Hypes geboren worden, wie auch das Vegvisir Race. Da könnte man doch mal mitsegeln.

Zusätzlichen Anreiz gab es durch die Tatsache, dass eine andere T24 gemeldet hatte, es also sozusagen die Weltpremiere mit zwei dieser raren Boote in einer Regatta wäre. Und da sich Designer Thomas Wiberg persönlich als Shorecrew zur Verfügung stellen wollte, wurden Pläne gemacht und die Logistik geplant.

Erstes Problem: Gar nicht so einfach, von Berlin zum Startort Køge zu kommen. Mit dem Trailer durch fast halb Dänemark Kilometer fressen? Oder den kurzen Weg über Rostock mit der Fähre? Oder die andere Variante mit der Fähre über Fehmarn? Nach dem Studium der Fährpreise für Bootsgespanne gefiel mir die Idee gar nicht, Geld dafür zu bezahlen, ein Boot auf ein Boot zu packen und dann weniger Zeit beim Segeln zu verbringen. So wurde die Vatertags- zur Segelwoche umfunktioniert, und ich fuhr eine Woche vor dem Rennen nach Kiel mit der Idee, "ein wenig Frühlingssegeln in dänischen Gewässern" mit der Anreise zu verknüpfen. Gleichzeitig könnte ich ein paar Trainingmeilen machen und noch mal den Bøgestrom vermessen, durch den Teile des Rennens gehen und der mit Tiefen von 2,0 bis 2,5 Metern doch recht untief an manchen Stellen ist.

War es jetzt die Erinnerung an das warme Frühlingwetter 2018 oder die allgemeine Verweichlichung meinerselben, oder war es einfach zu kalt für Ende Mai? Jedenfalls kam es mir am Abreisesonntag mit Nieselregen und 12 Grad und frischem Wind eher wie Segeln im November vor. Aber immerhin trieb mich der böige Südwest flott in Richtung Lolland, wo es am Abend dann noch Gewitterschauer zum Nachschlag gab…

OSC Patrik Heinrichs

One Star Challenge 2019

Die nächsten zwei Tage waren dann zumindestens sonniger, aber die Temperaturen blieben unzufriedenstellend. Am Dienstag, einen Tag früher als geplant, trafen "Jynx" und meine Wenigkeit dann nach einer "erfrischenden" 16-Meilen-Kreuz in Køge ein. Dort sah ich als Erstes das T24-Schwesterschiff. Michael (nicht der aus Lönneberger), ein freundlicher schwedischer Banner-28R-Segler und Mitteilnehmer, half mir beim Anlegen.

Und da hatten wir sie wieder, diese nordische, unkomplizierte Freundlichkeit unter Seglern. Als ich in Kiel beim Slippen allein mit Boot und Auto war und mir redlich einen abmühte, das schwere Schiff auf dem Hänger zu bändigen, standen mindestens zehn Leute drum herum, ohne auch nur zu zucken, geschweige denn anzupacken. Erst ein herbeigekommener Däne half dem Deutschen dann ins nasse Element, bevor dann noch ein Silverrudder-Erstteilnehmer 2019 mit Hand anlegte. Beiden nochmals auf diesem Wege vielen Dank!

Zurück zur One Star Challenge. Angekommen, traf man auch gleich auf einige der vielen Helfer des Vereins und wurde sofort mit Hafenkarten, Liegeplatzausweisen und guten Tips versorgt. Während sie selbst kräftig dabei waren, alle Vorbereitungen für die große Regatta zu treffen. Allein das große Zelt für die Partys und Zusammenkünfte der Teilnehmer aufzubauen waren drei Tage Arbeit.

Nach einem erholsamen Layday bei sonnigem Wetter in der sehr pittoresken Stadt wurde Donnerstagabend dann die Veranstaltung vom Stadtsekretär "offiziell eröffnet", nachdem schon Fotos mit Vertretern vom örtlichen "Volvo Nielsen" als Großsponsor gemacht wurden – leider blieben die Schlüssel der schicken Neuwagen auch nach der Preisverteilung beim Organisator. Es ist halt doch nicht Tennis oder Golf, sondern nur Segeln…

Die Steuermannsbesprechung war kurz und eindringlich mit launigen Querverweisen auf Leidgeplagte, die einige der flachen Stromecken in der Vergangenheit zu knapp "geschnibbelt" hatten. Freitagmorgen dann um 9:00 Uhr wieder etwas Niesel, aber klasse Wind mit 12 bis 14 Knoten für einen Raumwindstart der 56 gemeldeten Teilnehmer.

Ärgster Gegner in meiner "Small-Klasse" war Per Cederberg, harter Silverrudder-Rivale seit 2016 und dessen Gewinner 2017. Er erwischte einen Superstart und ging sogleich in Führung, nachdem ich leider beim Infight mit der Startboje während des Genni-Setzens den Kürzeren zog und in bester Shrimpfischermanier diese mit den Schoten einwickelte und an mich band – grrrr.

Schlappe neun Minuten später war dann alles sortiert, die fälligen Kringel gedreht, zurück gesegelt, neu gestartet und die Blase wieder oben. Na ja, bleiben ja noch 105 Meilen zum Aufholen. Und "Jynx" war guter Dinge, und so pflügten wir unter dem großen A1 auf den nächsten zehn Meilen wieder auf Platz 2!

OSC Patrik Heinrichs

Patrik Heinrichs bei der One Star Challenge 2019

Per hatte allerdings super Downwindspeed an diesem Tag, und so versuchte ich einen ersten Angriff mit zwei, drei schnellen Halsen unter der Küste, um zu schauen, wie er reagieren würde. Schon besser, aber noch zu wenig. Hinter Stevens Klint eingangs der Faxe-Bucht wurde es zunächst flauer und spitzer und dann noch flauer. Zweite Attacke 300 Meter in Lee mit sehr wenig Fahrt sah schon besser aus. Leider setzte der nächste Strich bei ihm zuerst ein, und der alte Abstand war weder hergestellt.

Dann kam der große Dreher mitten in der Faxe-Bucht, die Gennis gingen runter, und es wurde gekreuzt. Ich zog meine Wunderwaffe, den "Killercode", und konnte mich mit kleinem Speedvorteil aus Pers Deckung lösen und zuerst nach links in den einsetzenden Wind entkommen. Das war die Schlüsselstelle. Denn am Eingang in den Bøgestrom vier Meilen weiter hatte ich in Luv knapp eine Meile Vorsprung gutgemacht.

Danach ging es einfach nur noch immer weiter. Durch die Brücke in Kalvehavne auf den traumhaften Upwind-Teil bei 12 bis 14 Knoten mit Schiebestrom am sonnigen Nachmittag, immer an der Fahrwasserkante entlang wenden und die tolle Landschaft mit Wäldern, Hügeln und Vögeln genießen.

Bei Farø durch die erste Brücke und den Genni wieder klar gemacht, das Flach rechts liegen gelassen, Blase hoch und durch die zweite Brücke in den Grøhnestrom. Hier gab es allerdings den berüchtigten Gegenstrom, sodass der frühe Abend dann mit nur 3,5 Knoten an einem vorbeizog. Wieder genug Zeit, um sich an der Natur zu erfreuen. Und warm war es jetzt auch, sodass das Ölzeug endlich mal runter kam.

Die Ausfahrt aus dem Strom im Südwesten von Møn ist dann tiefgangsbedingt und durch den vielen Sand, der sich dort ablagert, kniffelig. Es gibt eine sichere Ausfahrt sowie zwei schnellere über unkartierte Sandhügel auf dem Weg nach Klintholm. Nach den Geschichten aus dem Vorjahr wählte ich die 90-Prozent sichere, hatte ich doch erst im April drei Tage meinen Kiel gespachtelt. Und der Vorsprung war ja auch komfortabel.

Per dagegen wollte es nochmal wissen und kurbelte seinen Kiel in bester Finnsegler-Manier hoch, lupfte die beiden Ruder und nahm die Innenkurve. Aber da war der Drops schon gelutscht. Um Mitternacht bei Møns Klint zog ich nochmal für 15 Minuten einen Parkschein, weil ich der Landflaute beim Runden zu nah kam. Dann aber ging es in der Dunkelheit der Nacht raumschots über die Faxe-Bucht nach Norden zurück. In der Køgebucht schließlich ein toller Sonnenaufgang – und jede Menge Fischernetze, die einem auf den letzten Meilen nochmal in die Suppe spucken wollten.

Doch dann um genau sechs Uhr morgens war es geschafft. Nach 21 Stunden waren "Jynx" und ich nicht nur Klassensieger in unserem ersten One Star, sondern auch noch First ship home in der neuen Rekordzeit von 21:00:30!

Der aufbrisende Wind schob dann die Flotte zügig bis mittags ins Ziel, und bei Sonnenschein sah man nur glückliche Gesichter, wenn auch ein wenig von der Nacht gezeichnet. Aber das ist ja das Spiel, für das wir da waren. Schließlich lautet der Slogan der Veranstaltung "Who would YOU like to challenge".

OSC Patrik Heinrichs

Platz 1 in der Small-Boat-Wertung für Patrik Heinrichs bei der One Star Challenge 2019

Die Preisverteilung am Abend mit Grill-Buffet war wieder typisch hyggelig, und somit gibt es wohl einen neuen Fixtermin im Segelkalender um Himmelfahrt.

Die Rücktour war für Sonntag bis Dienstag geplant, um die 380 Meilen für das persönliche Baltic 380 vollzumachen. Morgens allerdings zwei Stunden erstmal bei Flaute motort, dann einsetzender Südostwind, der bis zum Abend immer besser wurde. Und als ich um 18:00 Uhr mit zweistelligen Speedwerten unter dem A1 am Tagesziel Vordingborg vorbeischoss, wurde, ob der gemachten Meilen und der Windvorhersagen für die nächsten Tage, das Schlafen einfach vertagt. Um 6:00 Uhr am Montagmorgen, nach 135 Meilen in 20 Stunden, war Strande erreicht – und das Abenteuer unter einem Regenbogen über Schilksee beendet.

Fazit: Der Frühling kam spät, war dann aber doch noch zu spüren. Die fantastischen Veranstalter haben mit wahnsinnigem Herzblut etwas Neues geschaffen. Das Segelrevier ist spannend und birgt einige Herausforderungen. Und die Leute sind natürlich toll. Ergo: OSC 2020, ich werde wieder dabei sein!

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Pascal Schürmann am 05.06.2019

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