Route du Rhum

Bergfest für Bruhns

"Iskareen"-Skipper Arnt Bruhns segelt eine beherzte Premiere, hat die zweite Halbzeit stark eingeläutet. Class-40-Spitzenreiter Richomme (Bild) ist fast am Ziel

Tatjana Pokorny am 20.11.2018
Route du Rhum
Sealaunay

Während vor Pointe-à-Pitre immer mehr Rhum-Teilnehmer das Ziel erreichen, wird heute der Sieger der größten Division der Class-40-Yachten erwartet: Yoann Richomme hat die größte Klasse der elften Auflage des Transatlantik-Klassikers dominiert und segelt seinem verdienten Sieg entgegen. Am Dienstagmorgen hatte der Franzose auf "Veedol – AIC" um 8.30 Uhr nur noch knapp 40 Seemeilen zu absolvieren.

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Scheint seiner Favoritenrolle gerecht werden zu können: Yoann Richomme und seine schnelle Class-40-Yacht "Veedol – AIC" werden heute als Klassenbeste im Ziel erwartet

Route du Rhum 2018

Arnt Bruhns auf "Iskareen"

Um Platz zwei rangen 114 Seemeilen hinter Richomme der Brite Phil Sharp auf "Imerys Clean Energy" und der nur sieben Seemeilen hinter ihm liegende Aymeric Chappellier auf "Aina Enfance & Avenir". Als 17. von 53 Class-40-Yachten, die mit dem gesamten Rhum-Feld am 4. November in die 3500 Seemeilen lange Soloregatta gestartet waren, lag der Hamburger Amateur-Skipper Arnt Bruhns auf seiner "Iskareen" beeindruckend gut im Rennen. 16 Class-40-Yachten sind bereits ausgeschieden, darunter Top-Segler wie Halvard Mabire auf "Colombre XL", Nicolas Troussel auf "Corum", Maxime Sorel auf "V and B" und Sam Goodchild auf "Narcos: Mexico", für den ein früher Mastbruch alle Hoffnungen auf einen Podiumsplatz hatte platzen lassen.

Arnt Bruhns segelt ein beherztes Rennen, auf das er sich hervorragend vorbereitet hat. In seinem jüngsten Blog von Bord berichtete der 49-jährige Vater von vier Kindern am späten Montagabend:

Route du Rhum 2018

Arnt Bruhns auf "Iskareen"

Heute ist Bergfest – die verbleibende Restdistanz zum Ziel entspricht etwa der Hälfte des Ganzen. Wie viele Meilen ich wirklich schon abgerissen habe, möchte ich nicht wissen. Es wäre aber schön, wenn die verbleibende Reisezeit etwas kürzer wäre als die bisherige, sonst bin ich einen knappen Monat unterwegs.

Der Vormittag vergeht – mal wieder – mit leichten Takelarbeiten. Zwar hatte ich die Tecnoramäntel auf den Fallen versetzt, jedoch in die falsche Richtung. Das Denken lässt halt langsam nach. Als ich gerade richtig schön beim Arbeiten bin, schaue ich kurz nach hinten und meine kurzfristig, eine Begegnung der dritten Art zu haben: Hinter mir segelt ein Katamaran, zirka 60 bis 80 Fuß groß, unter gerefftem Groß und kleiner Jib – hat irgendwie etwas von dem Gefährt aus "Waterworld", das mit Flickensegeln rastlos über die Weltmeere segelt, bedient von einer Mischung aus Grinder und Raketenwerfer (wer war bloß noch der Hauptdarsteller – Kevin Costner?). Ganz so schlimm ist es nicht, es handelt sich um ein Gefährt namens "G-Power", auf der Überführung nach Martinique und augenscheinlich ohne Raketen. Wir schnacken etwas über VHF, der Skipper wünscht noch viel Erfolg und verspricht, Photos zu schicken. Dann fällt er etwas ab und überholt mit zirka fünf Knoten in Lee. Dabei liegt das Teil so ruhig, dass er am gedeckten Tisch zu Mittag essen könnte. 

Warum hat das AIS keinen Alarm gegeben? Der war noch auf einen deutlich kleineren Radius von einer Meile eingestellt, die vom Kat noch nicht unterschritten war. Der hatte mich aber schon vorher gesehen und identifizieren können; wie die meisten Route-du-Rhum-Segler habe ich die Kennung auf ISKAREEN SOLO SAILOR geändert, damit andere Schiffe wissen, dass hier nicht unbedingt eine Wache an Deck ist. Und den Radius vom AIS habe ich hochgesetzt.

Zurück zum Bergfest. Das wird bei Sonnenschein im Cockpit zelebriert, zur Feier des Tages wird die von Tina und Dirk mitgegebene Blechdose geöffnet. Zum Vorschein kommen Paté, kleine Würstchen und getrocknete Brotscheiben, Snack auf Französisch. Dabei traumhafte Passatsegelei, nur die Squalls könnte man abschaffen. Die kann man sich als Laie so vorstellen: Während man bei Kaiserwetter – 4 bis 5 Beaufort, leichte Welle, Sonne – vor sich hin segelt, kommt ab und an eine dunkle Wolke von hinten, gern mit messerscharfem unteren Rand und womöglich etwas Regen drunter. Der Wind dreht nach rechts, nimmt auf bis zu 25 oder gar 30 Knoten zu, und man sitzt da und zittert um den Spi. Jeder Sonnenschuss könnte der letzte sein. 20 Minuten später ist alles vorbei, und die Reise geht weiter."

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Class-40-Skipper Arnt Bruhns bei seiner Rhum-Premiere

Tatjana Pokorny am 20.11.2018

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