Portimão Global Ocean Race

"Beluga Racer" in der bleiernen Flaute

Ausgerechnet am 1. April scheint das Wetter einen Streich zu spielen. 190 Meilen zum Ziel, und die Verfolger rücken näher

Johannes Erdmann am 01.04.2009

"Beluga Racer" in der Flaute

Nachdem sich das deutsche Team am 24. März erneut an die Spitze setzen und einen großen Vorsprung erarbeiten konnte, kämpfen Boris Herrmann und Felix Oehme nun seit Tagen mit einer anhaltenden Flaute. Die Kontrahenten dagegen kommen zügig näher.

"Ein Sturm kann einen das Leben kosten, eine Flaute aber den Verstand", sagte einmal Weltumsegler Uwe Röttgering. Ähnlich nervenaufreibend müssen es die beiden Deutschen gerade vor der brasilianischen Küste erleben:

Nach den Stürmen des Südpolarmeeres und einem schweren Unwetter, dem sie vor dem Kap Hoorn gerade noch ausweichen konnten, jetzt der Kampf um jeden Meter, bei dem sie dennoch pro Stunde oft kaum eine Meile nach Norden gutmachen, während sich die Verfolger mit acht und zehn Knoten Fahrt von Süden nähern. Es wird noch einmal knapp werden, das weiß Boris Herrmann sicher: "Wir liegen genau zwischen den Chilenen und dem Ziel, sind aber noch deutlich langsamer."

Dennoch bleibt der gebürtige Oldenburger zuversichtlich und lässt sich seinen Optimismus durch die spiegelglatte See nicht nehmen: „Wenn die Gegner versuchen sollten, auszubrechen, um uns im Bogen zu überholen, werden wir mitziehen. Wir müssen jetzt die Nerven behalten und tapfer verteidigen. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum die Chilenen uns auf dem letzten Ende einfach stehenlassen sollten.“

Die Zeit, bis der Wind zurück in ihre Segel fällt, vertreibt sich die Crew indes mit Flauten-Fotoshootings und Schwimmausflügen rund ums Schiff. Auch für ordinäre Dinge wie Lesen, in der Sonne liegen und die Weite des Atlantiks zu genießen scheinen die beiden nun wieder Zeit zu haben, nachdem es in den vergangenen Wochen vorwiegend darum ging, das Schiff in Fahrt zu halten. Ohne Wind sind sie nun zu einem Zwangsurlaub vom Rennen gezwungen.

Aber mit den Verfolgern von Süden kommt zugleich auch ein Windfeld auf, das sie in den nächsten Stunden erreichen wird. Derzeit liegen die zweitplatzierten Chilenen nur noch etwa 40 Meilen zurück, das britische Boot immerhin noch 180 Meilen, sodass es keine Gefahr mehr darstellen dürfte. Aber noch immer sind alle Karten im Spiel und können durch einen möglichen Windwechsel wieder neu gemischt werden. Es bleibt spannend im Südatlantik. Mit dem Zieleinlauf ist Donnerstag am späten Abend zu rechnen.

Johannes Erdmann am 01.04.2009

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