Jules Verne Trophy

"Banque Populaire 5" stürmt nach Hause

Der Maxi-Trimaran quert heute Mittag zum zweiten Mal den Äquator. Sein Vorsprung auf "Groupama" ist auf fast 1400 Meilen angewachsen

Jochen Rieker am 30.12.2011
Banque Polulaire V auf Rekordkurs

Banque Polulaire V auf Rekordkurs

Beim Weltrekordversuch von Skipper Loick Peyron und seiner Crew läuft es seit einer Woche wie am Schnürchen. Nachdem sie im Southern Ocean vor Kap Horn wegen eines von Eisbergen verursachten Schlenkers nach Nord und eines Hochdruckkeils viel Boden verloren hatten, jagen sie in Kürze bereits über den Äquator und wechseln damit auf die Nordhalbkugel.

Die Weltumsegelung wäre damit nach nur 38 Tagen auf See nominell geschafft. Für den Weltrekord, ihr eigentliches Ziel, müssen sie aber bis zur Ile de Ouessant nahe Brest durchhalten, ihrem "Abflugort". Nur noch gut 3000 Meilen entfernt.

Kurz vorm Äquator: "Banque Pop" heute Vormittag

Kurz vorm Äquator: "Banque Pop" heute Vormittag

Zehn Tage bleiben dafür Zeit. Ein Limit, das zu schaffen sein sollte, denn ihr Vorsprung beträgt fast 1400 Seemeilen und er wird in den kommenden Tagen noch weiter anwachsen, auch wenn sie in dem vorherrschenden Passat aus NE vorerst weiter direkt auf Nordkurs bleiben und einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Den hatte vor einem Jahr aber auch "Groupama" gefahren.

Die Franzosen fiebern dem neuen Jules-Verne-Rekord bereits entgegen. Gestern lief im französischen Fernsehen ein halbstündiger Beitrag über "Banque Pop", wie das Boot in Kurzform genannt wird – inklusive Live-Schalte an Bord. Und die Stimmung auf dem Boot ist bei aller Konzentration, die bei Geschwindigkeiten zwischen 20 und 30 Knoten geboten ist, geradezu überschwänglich.

Brian Thompson, einer der erfahrensten Multihull-Segler der Welt und Crewmitglied, genießt die Tage des Donners. In seinem Blog schrieb er gestern: "Es ist absolut fantastisch! Wir segeln mit minimalem Risiko und 100 Prozent unserer Polardaten (dem rechnerischen Maximal-Tempo bei gegebenen Kurs und Windgeschwindigkeit). Der Rest der Crew ist auch sehr glücklich. Wir arbeiten uns nordwärts mit 25 und mehr Knoten Speed. Der wahre Wind kommt aus 65 Grad und weht mit 18 Knoten. Wir fahren mit vollem Groß und Stagfock. Und das schiere Potenzial des Bootes ist einfach berauschend!

Obwohl alles so leicht erscheint, erfordert "Banque Populaire V" reichlich Aufmerksamtkeit. "Wir arbeiten immer hart am Segeltrimm", schreibt Brian Thompson, weshalb die Wachen wie im Flug vergehen. "Wir wechseln uns mit Trimmen und Steuern ständig ab. An einem Tag steuere ich etwa drei Stunden lang. Und jede Sekunde davon muss man voll bei der Sache sein."

Besonders bei dem gestern mäßigen Seegang können die Tri-Piloten ihr Gefährt mit maximaler Fahrt nach Norden prügeln. Bei diesen Bedingungen, so Thompson in einer Analogie zur Formel 1, "können wir voll im roten Bereich fahren". Das bedeutet: Tagesetmale von 600 Seemeilen – auf Amwindkurs!

Jetzt nur keine Ramming mehr und kein Bruch! So kurz vor dem Ziel zu scheitern wäre eine bittere Erfahrung. 

Jochen Rieker am 30.12.2011

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