Regatta

Baltic-500-Chef Hall: "Das Kattegat ist kein Kindergarten"

Gelungenes Sonntagsfinale bei der Baltic 500: Die "Line Honors" holten Frank Eckardt und Yo Wiebel auf "Black Pearl", "Hinden" erneut auf Kurs ORC-Gesamtsieg

Tatjana Pokorny am 24.05.2020
Baltic 500 2020
blondsign by Eike Schurr

Baltic 500: "Black Pearl" ist "First Ship Home"

Baltic 500 2020

Die "Black Pearl"-Crew: Frank Eckardt und Yo Wiebel (l.)

Die zweite Auflage der Ostsee-Langstrecke Baltic 500 neigt sich ihrem Ende zu. Zwar sind noch einige Crews auf See, darunter die im Rennen verbliebenen Minis "Whomper" mit Lina Rixgens und Sverre Reinke sowie "Husky" mit Hasso Hoffmeister und Michael Höfgen, die am Sonntagabend etwa zwischen 21 und 22 Uhr in Strande erwartet werden. Doch an der Spitze ist das Rennen entschieden. Als schnellstes Boot der Flotte der 34 am Vatertag in die Regatta gestarteten Boote hatte die Pogo 40 "Black Pearl" am Sonntag die Start- und Ziellinie in der Strander Bucht gekreuzt. Die "Line Honors" für Frank Eckardt und Yo Wiebel waren um 10.52 Uhr gesichert. Zuvor hatte sich die Crew der Class-40-Favoritin "Red" bereits am Freitag aufgrund der stürmischen Windprognosen und der kurzen Saisonvorbereitung vom Rennen abgemeldet. Was die Leistung der "Black Pearl"-Crew in der ORC-Gesamtwertung wert sein wird, entscheidet sich erst später. Die kompletten ORC-Ergebnisse will die Wettfahrtleitung vom veranstaltenden Yacht-Club Strande am Montag veröffentlichen.

Einen erneut starken Eindruck hinterließ Jonas Hallbergs JPK 10.10 "Hinden", die nach ihrem Gesamtsieg bei der Premiere 2019 vor der erfolgreichen Titelverteidigung in diesem Jahr steht. Die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Auflage bekamen auch Jonas Hallberg und Till Barth in den vergangenen drei Tagen und Nächten zu spüren: "Letztes Jahr waren mehr Strategie und Taktik gefordert, in diesem Jahr angesichts der teilweise harschen Bedingungen vor allem Psyche und Physis." Begeistert war Hallberg vom Engagement der Veranstalter in komplexer Situation inmitten der Corona-Krise: "Ich habe in den Wochen vor dem Start öfter mit Organisationschef Cord Hall telefoniert und mitgefiebert. Der hat sich sehr reingehängt, ganz toll!" Wie auch alle anderen Segler und Seglerinnen fühlte sich das Team auf der "Hinden" nach dem dreitägigen Stresstest im Ziel "ziemlich platt, aber glücklich".

Baltic 500

Die "Power Play"-Crew hat das Dehler-Duell gewonnen

Baltic 500 2020

Zweite Sieger im Dehler-Duell: Andreas Deubel und Rasmus Töpsch

Das Duell zwischen den beiden neuen Dehler-30-od-Yachten entschieden Oliver Schmidt-Rybandt (RVG) und Otto Timm (HSC) auf "Power Play" für sich. Dahinter kamen Andreas Deubel und Rasmus Töpsch auf "Calle Dr. Antonio Jorge Aguiar" ins Ziel. Vom Siegerteam kam viel Lob für das neue Boot: "Trotz teilweise harter Bedingungen, in denen fast ein Drittel des Feldes aufgeben musste, sind unsere Crew und ihr Boot ohne Ausfälle über den anspruchsvollen Kurs gekommen. Bei ihrem ersten echten Offshore-Härtetest wurde die neue Dehler 30 od den hohen Ansprüchen mehr als gerecht."

Baltic 500 2020

Mixed-Offshore-Crew mit olympischen Ambitionen: Max Gurgel und Lena Weißkichel

Für andere endete das Abenteuer Baltic 500 in diesem Jahr jedoch schon lange vor dem Zieldurchgang. Christian Kargl und Lisa Berger lagen in der Mini-Klasse souverän in Führung, als ein Ruderbruch die österreichischen Mixed-Offshore-Europameister in der Nacht von Freitag auf Samstag stoppte. Lisa Berger berichtete: "Die Baltic 500 ging für uns kurz vor Læsø nach einem Ruderbruch zu Ende. Bis dahin aber war es ein tolles Rennen! Mit einem Top-Speed von 19,8 Knoten haben wir mal schön das Feld von hinten aufgeräumt, nachdem wir nach langer Amwind-Phase enndlich Richtung Norden abbiegen durften und perfekte Mini-Bedingungen vorfanden. Das macht einfach Spaß!"

Baltic 500

Und Abfahrt: Hier fährt das Team mit verladener "Sharifa" gerade in Ebeltoft los. Es geht auf dem Landweg zurück nach Hause. Die dänische Polizei und der Hafenmeister hatten die Mannschaft sehr freundlich empfangen

Zu kämpfen hatten auch Max Gurgel und Lena Weißkichel auf der von Mit-Organisator Rasmus Töpsch geliehenen L-30 od "Sharifa". Nach bravourös gesegeltem Rennen machten gleich zwei Risse im Kielkasten der Mixed-Offshore-Crew das Leben auf See schwer. Als sich der Riss auf der Luvseite beim Stampfen des Bootes in der Welle immer weiter vergrößerte und, so Lena Weikichel, schließlich "wie eine rund 30 Zentimeter lange Fischkieme zu atmen begann", nahm die Mannschaft das Groß runter. Reparaturen des Steuersystems, Pütz-Einsätze im Akkord, Müdigkeit und wieder neuer Kampfgeist prägten in der Folge das Bordleben, bis die Crew einen Ankerplatz in der dänischen Bucht vor Ebeltoft fand und heute von dort nach diversen Absprachen sogar den Heimweg antreten durfte. Geholfen haben dabei nicht nur die Regattaleistung und weitere Berater, sondern auch Peer-Ole Köhnen vom PK Yachtservice, der Team und Boot in Dänemark abgeholt hat und heimbringt. Erste Befürchtungen, man könnte die deutschen Segler in Dänemark in Corona-Quarantäne nehmen, erwiesen sich als unbegründet. "Die Polizei hat uns direkt im Hafen empfangen und war sehr nett", berichtete Max Gurgel, "und der Hafenmeister hat uns sogar einen Kaffee gekocht." Für Max Gurgel und Lena Weißkichel markierte die Baltic 500 den gemeinsamen Regatta-Auftakt für ihre Olympiakampagne. Das Fazit von Weißkichel: "Dieser Sprung ins kalte Wasser war sehr lehrreich. Wir haben mit den ganzen Vorfällen mehr gelernt, als wir es getan hätten, wenn wir die Regatta ganz normal zu Ende gesegelt wären."

Bis Sonntagabend um kurz vor 18 Uhr konnte Wettfahrtleiter Jan Czekala 16 Boote im Ziel vermelden. Das Abschlussklassement wird nachgereicht, wenn alle im Hafen sind. Eine Übersicht über die bereits vorliegenden Ergebnisse gibt es hier. Organisationschef Cord Hall hofft nach drei Nächten ohne viel Schlaf auf eine Nacht ohne Spätschicht. Seine erste Bilanz: "Es war gut, dass wir es gemacht haben. Die Leute sind ganz schön erledigt, aber das ist ja normal. Man darf diese Strecke nicht unterschätzen. Das Kattegat ist kein Kindergarten."

Baltic 500 2020

Regattadirektor Cord Hall und Wettfahrtleiter Jan Czekala (r.)

Tatjana Pokorny am 24.05.2020

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