Segeln paralympisch

Aus für Segeln als Paralympics-Sport

Segelsport soll ab 2020 nicht mehr paralympische Sportart sein. Die Entscheidung des Internationalen Paralympic Committee kam überraschend

Tatjana Pokorny am 02.02.2015
WM-Silber für Heiko Kröger 2013

Sollen ab 2020 nicht mehr olympisch sein: Alle drei paralympischen Segeldisziplinen, darunter die kleinen Hightech-Kielboote vom Typ 2.4mR, auf denen Heiko Kröger zu Gold und Silber segelte

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat neben einer Fußball-Disziplin auch den Segelsport für die Paralympics 2020 komplett aus dem Programm gestrichen. Das gilt für alle drei bislang paralympischen Klassen: 2.4mR, Skud und Sonar. In offiziellen Erklärungen hieß es zu der überraschenden Entscheidung, der Segelsport hätte einige grundsätzliche Kriterien für paralympische Sportarten nicht erfüllt. Es mangele ihm unter anderem an internationaler Verbreitung.

Als "schweren Rückschlag für den Inklusionsgedanken" bezeichnete nicht nur Paralympics-Sieger Heiko Kröger die Entscheidung. Der Goldmedaillengewinner von 2000 und Silbermedaillengewinner von 2012 sagte: "Da hat das IPC mit dem Hintern umgestoßen, was wir mit den Händen errichtet haben." Kröger sagte weiter: "Es gibt kaum eine inklusivere Sportart als den Segelsport, wo das Miteinander so gut funktioniert. Es handelt sich hier ganz offensichtlich um eine politische Entscheidung, die nicht auf Basis von Vernunft, sondern aus anderen Gründen getroffen wurde."

Heiko Kröger bei der WM in Halifax

Heiko Kröger trainiert bereits für die olympische Regatta 2016 vor Rio – es soll die letzte für die paralympischen Segler sein

Das IPC bestätigte für die Paralympics 2020 insgesamt 22 Sommerdisziplinen. Damit bleibt noch ein letztes Fünkchen Hoffnung für die paralympischen Segler, die unter anderem mit einer Internet-Petition gegen die Entscheidung ankämpfen und in den ersten 16 Stunden seit Beginn der Aktion bereits 2000 Unterstützer gewinnen konnten. Offiziell dürfen es bis zu 23 Disziplinen sein. Die International Association for Disabled Sailing (IFDS) und ihre Mitglieder prüfen nun nach dem Aus die Möglichkeit für ein Comeback.

Wilfried Klein vom Isaf Committee Disabled Sailing (IFDS), der sowohl 2012 in Weymouth als "Technical Delegate Assistant" für die paralympischen Segler im Einsatz war als das auch wieder in Rio sein wird, sagte: "Wir sind nach dieser Entscheidung natürlich sehr betroffen und enttäuscht. Wir werden aber keine übereilten Schritte unternehmen, sondern uns noch in dieser Woche auf internationaler Ebene intensiv mit der für uns überraschenden Entscheidung befassen, sie gründlich analysieren und dann über mögliche Maßnahmen beraten." 

Sonar-Team von Jens Kroker

Auch Paralympics-Sieger Jens Kroker und sein Sonar-Team sind vom Aus betroffen

Nikolaus Rickers, Geschäftsführer der Kieler Vermarktungsagentur Point of Sailing Marketing GmbH, sagte: "Die Entscheidung gegen den paralympischen Segelsport hat uns überrascht und ist nicht nachvollziehbar. Wir finden sie traurig und entsetzlich. Von allen Sportarten ist der Segelsport derjenige, der am wenigsten Unterscheidung zwischen olympisch und paralympisch aufweist. Wir arbeiten in Kiel mit herausragenden Sportlern wie Heiko Kröger – die Zusammenarbeit zwischen olympischem und paralympischem Segelsport hat gut geklappt. Wir haben für die Zukunft viel investiert. Auch vor diesem Hintergrund ist das Aus mehr als bedauerlich. Man kann nur hoffen, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird. Vielleicht ist sie nicht so final, wie sie jetzt scheint."

Tatjana Pokorny am 02.02.2015

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