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Around Alone : "Spirit of Canada" gekentert

Bei bis zu siebzig Knoten Wind kenterte der Open 40 des Kanadiers Derek Hatfield vor Kap Hoorn. Der Mast brach

Martin-Sebastian Kreplin am 10.03.2003

Spirit of Canada

Auf der vierten Etappe wird "Spirit of Canada" vom Unglück verfolgt. Nach den defekten Batterien und dem undichten Hydraulik-System des Pendelkiels nun die Kenterung.

Bei stürmischem Wind, der in Böen Orkanstärke (12 Beaufort) erreichte, kämpfte der Kanadier Hatfield vor Kap Hoorn mit Wellen von durchschnittlich 13 Meter Höhe. In Reichweite des Open 40 befand sich nur noch Hatfields Segel-Konkurrent Alan Paris an Bord seiner "BTC Velocity".

Paris befand sich vor Hatfield in bereits ruhigerer See. "Die Reparatur des Kieles bei Derek war nicht einhundert-prozentig. Daher entschloss ich mich ein wenig langsamer zu segeln, um nicht mehr als einhundert Seemeilen von ihm entfernt zu sein. Die Gesundheit eines Freundes ist mir wichtiger als der Rennverlauf", schrieb Paris einige Stunden vor der Kenterung in seinem Online-Logbuch.

Gegen sechzehn Uhr Ortszeit rollte eine Welle von hinten auf "Spirit of Canada" zu. "Nicht unbedingt größer als die anderen, aber sie begann unter einem unglaublichen Getöse zu brechen. Und zwar gerade als sie sich dem Boot näherte", schrieb Hatfield der Rennleitung später in einer E-Mail. Das Schiff wurde emporgehoben und stürzte binnen Sekunden die Wellen-Vorderseite wieder hinunter. Der Bug tauchte tief ein und die nachfolgende Welle ließ den Open 40 durchkentern.

Derek Hatfield

"Ich war am Heck des Schiffes. Als der Bug eintauchte wurde ich nach vorne geschleudert. Das nächste was ich bemerkte war, dass ich mich im Meer unter dem Boot befand", beschreibt der Skipper die Kenterung. "In dem aufgewühlten Wasser hörte ich daraufhin jäh mehrere Explosionen. Da wusste ich - der Mast bricht!"

15 Sekunden war Hatfield zu dem Zeitpunkt bereits unter dem Schiff gefangen. Hätte das Rigg den enormen Belastungen unter Wasser standgehalten, wäre ein Wiederaufrichten des hochgezüchteten 40-Fuß-Schiffes wohl nicht möglich gewesen. Durch den Verlust des Riggs drehte sich "Spirit of Canada" glücklicherweise jedoch schnell zurück in seine ursprüngliche Lage und rettete Hatfield somit das Leben.

Der erfahrene Skipper, der bereits vor der Regatta "Around Alone" 40 000 Seemeilen im Kielwasser hatte, klarierte nun das Schiff und versuchte unter Deck Kontakt mit der Rennleitung aufzunehemen. "Alles war voller Qualm, die Elektronik war durch das Seewasser kurzgeschlossen und die Computer rauchten". In einem kurzen Telefonat konnte er dennoch die Rennleitung über seine Position und den Zustand des Schiffes informieren. Ohne Autopilot motorte der 50-jährige anschließend nach Argentinien und erreichte am Sonntag den Hafen von Ushuaia.

Nun überlegt er, ob eine Fortsetzung des Rennens auf der fünften und letzten Etappe möglich ist. Die Schäden an Bord sind immens und für die Reparaturen stehen nicht genügend Mittel zur Vefügung. Spontan erklärten sich am Wochenende jedoch Sponsoren, Freunde und sogar Mitsegler der Regatta bereit, mit Geld und Material auszuhelfen.

Sollte bis zum Start der letzten Etappe vor Salvador /Brasilien (voraussichtlich am 23. März) der 40-Fuß-Racer wieder fahrbereit sein, hofft Hatfield noch auf ein spannendes Rennen auf dem Atlantik. "Ein Platz auf dem Podium bei 'Around Alone' ist mein Ziel", zeigte er sich hoffnungsvoll.

Für die beiden schnellsten Segler der Gruppe 1 ist das Ziel zwischenzeitlich in greifbare Nähe gerückt. Den derzeit erstplatzierten Schweizer Bernard Stamm trennen nur noch rund 60 Seemeilen von der Ziellinie.

Gruppe 1 :
1. "Bobst Group Amor Lux" , Bernard Stamm
2. "Solidaires", Thierry Dubois
3. "Tiscali", Simone Bianchetti
4. "Pindar", Emma Richards
5. "Ocean Planet", Bruce Schwab
6. "Hexagon", Graham Dalton

Gruppe 2 :
1. "Tommy Hilfiger Freedom America", Brad van Liew
2. "Everest Horizontal", Tim Kent
3. "Spirit of yukoh",Kojiro Shiraishi
4. "BTC Velocity", Alan Paris
5. "Spirit of Canada", Derek Hatfield

Martin-Sebastian Kreplin am 10.03.2003

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