Segeln olympisch

Alles riskiert, nicht belohnt

Beim Weltcup-Finale vor Marseille waren die Flotten unterschiedlich stark besetzt. Wo Weltklasse am Start war, konnten zwei GER-Crews überzeugen

Tatjana Pokorny am 09.06.2019
Weltcup-Finale 2019
Pedro Martinez/World Sailing

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer konnten im Nacra 17 beim Weltcup-Finale im künftigen Olympia-Revier vor Marseille starke Akzente setzen

Das Weltcup-Finale der Olympiasegler vor Marseille war ein zweischneidiges Schwert und ist im Timing sicher verbesserungsbedürftig: in einigen Klassen war der vermeintliche Weltcup-Gipfel der Saison tatsächlich stark besetzt, in anderen mit Blick auf die Teilnehmer kaum eines Finales würdig. Was vor allem daran lag, dass Großveranstaltungen wie eine Laser-Weltmeisterschaft zu dicht an diesem Finale liegen und die besten Akteure daher auf einen Weltcup-Finalstart verzichten mussten. So beispielsweise nahezu die komplette Laser-Weltelite. Für andere Disziplinen passte der Termin besser. Dazu zählten die foilenden Mixed-Katamaran-Segler im Nacra 17 sowie die 470er-Männer und Frauen. Und hier konnten auch die deutschen Segler gute Akzente setzen.

Weltcup-Finale 2019

Kämpften, überzeugten, punkteten: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mischten beim Weltcup-Finale in der Weltspitze mit. Eine mögliche Medaille blieb dem Duo nach Frühstart im Medaillenrennen aber versagt

Die Kieler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer hatten sich nach auffallend guter Serie für das Medaillenrennen qualifiziert und sogar noch eine kleine Medaillenhoffnung gewahrt. Entsprechend aggressiv ging das Duo im Start zur Sache. "Wir wussten, dass wir nur mit gewonnenem Start und möglichst auch gewonnenem Rennen vielleicht noch an die Bronze-Medaille rankommen können", erzählte Paul Kohlhoff. Das deutsche Duo riskierte dafür alles, wurde aber nicht belohnt.

Der knappe Frühstart ließ die jungen Segler auf Platz acht zurückfallen. Doch auch der wies die Norddeutschen in der Endabrechnung noch inmitten der Stars der Szene aus. "Wir sind zufrieden mit unseren Fortschritten", sagte Paul Kohlhoff nach dem Finale. "Der Frühstart war mein Fehler. Andererseits waren hier die Nummer eins, drei, vier und fünf der Olympischen Spiele 2016 am Start, und wir konnten uns insgesamt schon wirklich gut behaupten. Bei Starkwind agieren wir mit allen, auch mit den führenden Italienern, auf Augenhöhe. Bei schwächeren Winden noch nicht ganz. Aber das Gesamtpaket wird immer besser. Daran arbeiten wir intensiv. Das Motto: Weiter, immer weiter!" DSV-Sportdirektorin hat den überzeugenden Einsatz der Katamaran-Foiler beobachtet und lobte: "Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer sind eine starke Serie gefahren." 

Weltcup-Finale 2019

Die Italiener haben gleich zwei Weltklasse-Katamaran-Mixed-Teams. Dieses Mal setzten sich Vittorio Bissaro und Maelle Frascari durch. Ihre Rivalen Ruggero Tita und Caterina Banti, mehrfache Weltmeister, wurden Dritte

Auch Simon Diesch und Philipp Autenrieth (Württembergischer Yacht-Club/Bayerischer Yacht-Club) hatten bereits vor dem Medaillenrennen als Gesamt-Sechste ihr bestes Weltcup-Ergebnis gesichert. Mit überzeugender Serie hatte sich das süddeutsche Duo inmitten der 470er-Weltelite platziert und tankte damit viel Motivation für die noch in diesem Jahr bei der Weltmeisterschaft anstehende Aufgabe, den deutschen Nationenplatz im 470er der Männer für die Olympischen Spiele 2020 zu sichern. Auch im leichtwindigen Medaillenrennen vor Marseille gelang Diesch/Autenrieth mit Rang fünf ein gutes Ergebnis. Vorschoter Philipp Autenrieth sagte: "Wir sind super zufrieden. Das Feld war sehr gut besetzt. Wir sind nicht phänomenal, aber gut und solide gesegelt." Zur Herausforderung, im Juli im japanischen Olympiarevier den Nationenstartplatz zu sichern, sagte Autenrieth: "In Japan werden vier weitere Plätze verteilt, und wir wollen einen davon. Das wird keine leichte Aufgabe, denn es sind noch eine Reihe guter Nationen ohne olympischen Startplatz. Aber wir sind ja mit zwei deutschen Teams am Start und werden kämpfen."

Weltcup-Finale 2019

Simon Diesch und Philipp Autenrieth ersegelten beim Weltcup-Finale einen überzeugenden sechsten Platz

Auch die Berliner 470er-Seglerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort blicken auf eine insgesamt gute Weltcup-Serie zurück, hatten aber das erste Rennen aufgeben müssen, was sie in der Endabrechnung als Gesamt-Elfte knapp um den Einzug ins Medaillenfinale brachte.

Hier geht es zu den Ergebnissen des Weltcup-Finales in Marseille.

Weltcup-Finale 2019

Verpassten das Medaillenfinale vor Marseille als Gesamt-Elfte nur knapp: Frederike Loewe und Anna Markfort vom Verein Seglerhaus am Wannsee

Tatjana Pokorny am 09.06.2019

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