Route du Rhum

Alex Thomson vor erstem Triumph: endlich der Boss?

Der britische Solosegler Alex Thomson segelt auf seiner Imoca "Hugo Boss" dem ersten großen Sieg seiner langen Karriere entgegen

Tatjana Pokorny am 15.11.2018
Route du Rhum 2018
Alex Thomson Racing

Mehr als 200 Seemeilen Vorsprung hatte sich Alex Thomson auf "Hugo Boss" am elften Tag auf See bei der elften Auflage der Route du Rhum erarbeitet – bei nur noch 360 Seemeilen bis ins Ziel vor Guadeloupe eine komfortable Position im Kampf um den ersten großen Sieg seiner Karriere. 

Trotz seines Alters von 44 Jahren und acht (!) gestarteten Rennen um die Welt, von denen er vier beenden konnte, steht Thomson erst jetzt bei seiner Rhum-Premiere vor diesem Triumph. Der Brite war als Mitfavorit in den 3500 Seemeilen langen Transatlantik-Klassiker gestartet, hat die früh erkämpfte Führung mit seinem so schnellen wie soliden Boot konstant ausbauen können. Das Boot hatte Thomson bei der letzten Vendée Globe auf Platz zwei getragen. 16 Jahre nach dem umjubelten Sieg von Ellen MacArthur dominiert damit nun wieder ein Engländer die Imoca-Klasse bei der atlantischen Härteprüfung für Solisten.

Route du Rhum 2018

Vor dem Wind eine Rakete, in leichten Winden eher benachteiligt: Alex Thomsons Imoca "Hugo Boss"

Route du Rhum 2018

Paul Meilhat auf "SMA"

Hinter Thomson ringen bei normalem Verlauf die Franzosen Paul Meilhat, Vincent Riou und Yann Eliès um zwei verbleibende Podiumsplätze. Ob Boris Herrmann nach bislang so bravourös gesegelter Premiere mit knapp 400 Seemeilen Rückstand auf Thomson und rund 100 Seemeilen Rückstand auf den viertplatzierten Vincent Riou noch einmal in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen kann, wird vom Windszenario abhängen. Die aktuellen Prognosen sagen für die Zielannäherungen der Imoca-Spitzenreiter allerdings weder eine heftige Flaute noch besonders stürmische Bedingungen vorher. Es deutet aktuell alles auf einen eher unspektakulären Final-Verlauf hin. Wobei es in Lee von Guadeloupe beim Schlussspurt um die Karibikinsel durchaus verlangsamt zugehen könnte.

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Kämpft mit alter Imoca und Schwertern um Platz zwei: der Franzose Paul Meilhat

Route du Rhum 2018

Was geht für Paul Meilhat auf "SMA" noch bei der finalen Rundung von Guadeloupe?

Von 20 gestarteten Imocas sind immer noch 16 im Rennen. Vendée-Globe-Sieger Alain Gautier, der das Solo-Rennen um die Welt 1992/93 gewinnen konnte, schrieb in seiner Rennanalyse:

"Es ist faszinierend, den Kampf der vier Boote vorn zu beobachten. Darunter sind zwei Imocas der Generation Vendée Globe 2016 mit Foils, die nicht justiert werden können ('Hugo Boss' und 'Ucar-St. Michel'), eine mit justierbaren Foils der neuen Generation ('PRB') und eine mit geraden Schwertern ('SMA'). Natürlich machen wir uns über den Zustand der Boote Gedanken. Wer segelt bei 100 Prozent? Wer nicht? Wir können sehen, dass 'Hugo Boss' im Allgemeinen offenbar ihr volles Potenzial zeigen kann. Andererseits gibt es da ein paar Fragen bei 'PRB'. Wir fragen uns auch, welche Segel die Skipper einsetzen. Alex Thomsom ist immer noch sehr schnell bei einigen Winkeln, die nicht viel schlechter sind als die seiner Konkurrenten. Auch das wirft Fragen auf. Mit welcher Segel-Konfiguration erreicht er so gute VMG-Werte?

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Vincent Riou kämpft auf "PRB" um einen Podiumsplatz

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Düsterer Atlantik-Ausblick aus dem Cockpit von Yann Eliès' Imoca "Ucar-St.Michel"

Alex Thomsons Option im Norden von Ouessant hat ihm zum Auftakt des Rennens einen kleinen Vorteil verschafft. Am Ende war das aber nicht viel. In diesem Jahr lag das Tor in die Passatwinde sehr weit südlich. Alex hat es trotzdem geschafft, wieder in Kontakt mit Paul Meilhat und Vincent Riou zu kommen und auf dem Breitengrad der Kanarischen Inseln vor ihnen zu passieren. Danach hat er sich sehr schnell absetzen und seine Führung konstant ausbauen können. Es ist beeindruckend, wie Alex das gemanagt hat. Seine Flugbahn war gerader als die seiner Rivalen, die mehr Halsen absolvieren mussten. Doch vor allem ist es die Art und Weise, wie er sein Boot segelt, die hier für den Unterschied sorgt. Wir wissen, dass Alex' Foils insbesondere für das Segeln vor dem Wind optimiert sind, doch seine Vorstellung bleibt bemerkenswert.

Nachdem wir die Ultimes gesehen und zuletzt die Kenterung des Multi50 'Arkema' erlebt haben, muss man sehr wachsam bleiben. Da draußen gibt es ein paar sehr brutale Gewitterböen. Was das Rennen rund Guadeloupe angeht, so wird es interessant sein, die Imocas zu beobachten. 'Hugo Boss' liegen leichte Bedingungen nicht wirklich. Deswegen muss Alex die Inselspitze mit dem größtmöglichen Vorsprung erreichen. Kann er seinen aktuellen Vorsprung halten, darf er sich entspannen. Bei den Imocas schmelzen Abstände nicht so schnell, wie wir es bei den Ultimes erlebt haben. Einfach deshalb, weil die Boote nicht so schnell sind. Die Geschwindigkeitunterschiede sind viel kleiner. Der Kampf um die Podiumsplätze dagegen dürfte fesselnd verlaufen. 'SMA' wird ziemlich sicher das schnellste Boot bei der Runde um Guadeloupe sein, weil die geraden Schwerter Vorteile in leichten Winden bringen.

Alex Thomson könnte die Leistungen von Ellen MacArthur wiederholen und nach Platz zwei bei der Vendée Globe die Route du Rhum gewinnen. Der Sieg eines ausländischen Skippers würde die Imocoa-Klasse beflügeln. Auch Boris Herrmann hat ein gutes Rennen, liegt nicht sehr weit hinter den Spitzenreitern. Er ist seiner Option treu geblieben, die ihm das Überholen möglich gemacht hat, und hat sich dann von der Gruppe der Segler mit Finot-Conq-Designs, von Damien Seguin, Alan Roura und Stéphane Le Diraison, deutlich abgesetzt. Diese soliden Segler formen eine großartige Gruppe. Sie wussten, dass sie dieses Rennen mit ihren älteren Imocas nicht würden gewinnen können. Doch im Kampf um Platz sechs können sie mit ihren recht vergleichbaren Booten das Gaspedal durchtreten. Das Leben ist für sie gerade gut. Ich sehe nicht, dass Arnaud Boissières sie noch abfangen kann. Also werden die drei es bis ins Ziel ausfechten.

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Lob von Alain Gautier für Boris Herrmann auf "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco"

Ordentlich gemacht haben ihre Sache auch Erik Nigon und der finnische Segler Ari Huusela, die ebenfalls gut segeln. Eine Route du Rhum zu Ende zu bringen, das ist eine Leistung! Es ist ein schwieriges Rennen. Das ist es, was sich jene Segler sagen sollten, die Reparaturstops einlegen mussten und die Segel danach wieder gesetzt haben. Wenn du an einem Rennen wie der Route du Rhum teilnimmst, dann musst du alles geben, um es auch zu Ende zu bringen. Auch, wenn du im Klassement weit unten stehst – Solo-Meilen zu absolvieren ist immer hilfreich. Ich fühle sehr mit den beiden Skipperinnen, die zum Aufgeben gezwungen waren: Isabelle Joschke und Sam Davies hatten beide eine gute Saison und konnten im wichtigsten Rennen des Jahres nicht zeigen, was sie draufhaben. Ihnen war diese großartige Erfahrung nicht vergönnt. Aber sie müssen jetzt nach vorn schauen. Sie sind beide stark und talentiert. Insofern mache ich mir keine Sorgen um sie. Alain Gautier"

Hier geht es zum Live-Tracker und den Zwischenständen.

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Das erste Bild der am Mittwochmorgen gekenterten "Arkema". Die Rennleitung hat zwar einen Frachter zum Unglücksort entsenden wollen, doch Skipper Lalou Roucayrol will lieber auf seinem Boot ausharren, bis sein Team von Martinique aus die Rettung und einen Schlepp organisiert hat. Er habe Essen für vier Tage und Wasser für zehn Tage, vermeldete der Skipper

Tatjana Pokorny am 15.11.2018

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