Barcelona World Race

Alex Thomson geht wieder an Bord

"Hugo Boss"-Skipper wird von Ärzten zwölf Tage nach seiner Blinddarm-Not-Operation für gesund erklärt. Wechsel auf den Kapverden

Andreas Fritsch am 10.01.2011

Stand des Rennens heute Morgen

Gestern erklärte die Rennleitung, dass Thomsons Arzt Dr. Spike Briggs ihn für fit erklärt hat und sich offenbar Rennarzt D. Frances Bonet dem anschließt. Nun soll das genaue Prozedere für den Wechsel mit Ersatz-Skipper Wouter Verbraak geklärt werden.

Da die "Hugo Boss" gerade erst die Kanaren passiert hat, dürfte der Wechsel wohl nicht vor übermorgen stattfinden. Laut den Notice of Race sind Stopps im Barcelona World Race grundsätzlich erlaubt und ziehen bis zum Längengrad von Neuseeland auch keine Zeitstrafe nach sich. Etwas seltsam erscheint allerdings, dass Thomson nun doch nach Ablauf der anfänglich eingeräumten Frist nach Start noch an Bord seines Open 60 gehen darf. Ursprünglich hieß es, die "Mehrheit" der Skipper hätten ihm eine 10-Tages-Frist gesetzt. Damit dürfte viel Raum für Proteste bei einem guten Abschneiden des Teams verbleiben.

Alex Thomson: steigt auf den Kapverden wieder ein

Doch davon ist die "Hugo Boss" zurzeit weit entfernt. Am 11. Tag nach dem Start hat das schwarz-weiße Extrem-Boot schon 655 Meilen Rückstand auf die Spitze, Tendenz stark steigend. Es ist damit nahezu sicher, dass es spätestens beim Abbiegen auf die Kette der Tiefdruckgebiete im Southern Ocean mindestens ein, wenn nicht zwei Wettersysteme Rückstand haben dürfte. Wenn die Führenden nicht ganz viel Pech haben und in einer Flaute in den Doldrums oder beim St.-Helena-Hoch einparken, ist es schwer, das aufzuholen. Thomson hat zwar das extremste Boot für hohen Speed in den schnellen Reach-Bedingungen dort, doch bislang konnte der Juan-Koujoumdjian-Bau noch nicht beweisen, dass er den führenden Booten unter solchen Bedingungen auch wirklich viele Meilen pro Tag abnehmen kann.
Angenehmer Nebeneffekt von Thomsons Blinddarm-Pech war, dass er am Freitag letzter Woche dabei sein konnte, als seine Freundin Kate Sohn Oskar auf die Welt brachte.

Ansonsten segelt das Feld in recht stabiler Konstellation: "Virbac-Paprec" konnte sich mittlerweile allerdings schon rund 43 Meilen von Verfolger "Foncia" absetzen. Bislang jedoch konnten Michel Desjoyeaux und François Gabart derartige Rückstände immer wieder verringern. Der Fight um Platz drei zwischen "Estrella Damm" und "Mirabaud" bleibt ebenfalls eng, auch wenn die Spanier gestern Dominique Wavre und Michelle Paret auf knapp 20 Meilen distanzieren konnten.

In der großen Mittelgruppe von Platz 5 bis 9, in der Boris Herrmann und Ryan Breymaier mit ihrer "Neutrogena " auf einem hervorragenden 6. Platz liegen, wechseln die Positionen fast täglich. Der Deutsche und sein amerikanischer Co-Skipper zeigen in den raumen Passatwind-Bedingungen einen guten Speed. Die Crews gewinnen oder verlieren etwas; je nachdem, wer weiter westlich oder östlich mehr Wind findet oder einen besseren Windeinfallswinkel hat, klettert im Ranking nach vorn. Gestern war "Neutrogena" im Osten der Gruppe teilweise in fünf Knoten mehr Wind unterwegs. Abzuwarten bleibt, ob Herrmann sich für eine Passage der Kapverden im Westen entscheidet oder mitten durch den Archipel fährt – der kürzere, aber risikoreichere Weg wegen der Windabdeckung der Inseln.

Andreas Fritsch am 10.01.2011

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