Tempest-Weltmeisterschaft

50. WM: kleiner Club, großes Tegernsee-Kino

Der Yacht-Club am Tegernsee ist stolzer Gastgeber der Tempest-Jubiläums-WM. Nach verregnetem Auftakt soll heute der erste Startschuss im Bilderbuchrevier fallen

Tatjana Pokorny am 13.08.2019
50. Tempest Weltmeisterschaft
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Die 50. Tempest-WM 2019 wird auf dem Tegernsee gefeiert

Nie zuvor hat auf dem Tegernsee eine Segel-Weltmeisterschaft stattgefunden. Schon gar keine mit Olympia-Prominenz, Weltmeistern und einer namhaften Riege an deutschen Top-Seglern. Auch deshalb rückt die 50. Tempest-Weltmeisterschaft auf dem bildschönen Revier des Tegernsees in dieser Woche ins Rampenlicht. Zwei Jahre Vorbereitung haben die Organisatoren vom Yacht-Club am Tegernsee in das Großereignis gesteckt. Da war es schon gemein, dass die Auftaktrennen am Montag hemmungslosem Dauerregen, nicht mehr berechenbaren Winddrehern und schließlich einer hartnäckigen Flaute zum Opfer fielen. Heute folgt der nächste Startversuch. Letzter WM-Tag ist Freitag. 

50. Tempest Weltmeisterschaft

Die Wettfahrtleitung zur 50. Weltmeisterschaft auf dem Tegernsee ist unter Leitung von Robert Niemczewski vom Verein Seglerhaus am Wannsee startklar

Die WM-Matadoren können es kaum erwarten, endlich ihre ersten Rennen zu bestreiten: 43 Boote aus fünf Nationen sind in der süddeutschen Herzkammer der Tempest-Klasse bei den Welttitelkämpfen am Start und feiern ihre bis heute moderne Bootsklasse, die 1972 und 1976 Teil des olympischen Segelprogramms war. Die sportlichen Zwei-Personen-Kielboote mit Trapez und Spinnaker haben auch ohne Olympia-Status nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Erst kürzlich entdeckte Segelprofi Markus Wieser vom Bayerischen Yacht-Club seine neue Leidenschaft für dieses Boot, das sich sowohl auf hohem Wettbewerbsniveau als auch im entspannten Modus mit der Familie so wunderbar segeln lässt. Wieser ließ sich für die WM sogar ein neues Boot bei der Bootswerft Mader bauen. Der international renommierte Segelprofi und erfahrene Big-Boat-Taktiker zählt gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, Segelpartner und Tempest-Vorschoter Thomas Auracher zu den Co-Favoriten im Kampf um die WM-Medaillen.

Der 49-jährige Thomas Auracher wiederum ist als gebürtiger Tegernseer Lokalmatador und Olympia-Zwölfter von 2000 im Starboot mit Marc Pickel eines der segelsportlichen Aushängeschilder der Region. Der Bayerische Rundfunk widmete dem dynamischen Segel-Allrounder, dreimaligem Europameister und zweimaligem Weltmeister sowie seinem prominenten Steuermann vor dem WM ein stimmungsvolles Porträt. Als Markus Wieser erstmals von der Tempest-WM auf dem Tegernsee hörte, so erzählt er, hat er zunächst schmunzeln müssen, hielt die Idee für einen Witz. Aber nicht lange. Dann machte er Ernst. Nun tritt das Duo mit Wiesers neuem Mader-Tempest und einigem Titel-Appetit im Kampf um die WM-Medaillen an.

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Zählen zu den Co-Favoriten: Steuermann Markus Wieser und Thomas Auracher auf Wiesers neuer "wosamma"

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Sorgt für den letzten Schliff am neuen Wieser-Tempest "wosamma": Vorschoter Thomas Auracher

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Zwei Sport-Größen im Gespräch: Ski-Ass und Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier (r.) und der zweimalige Segel-Weltmeister Thomas Auracher bei der WM-Eröffnungsfeier

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Die Neu-Tempest-Segler Ulli Schümann und Tim Kröger

Damit nicht genug: In seiner neu entflammten Leidenschaft für die kleine hübsche Kielbootklasse überzeugte Wieser auch den zweimaligen Weltumsegler und America's-Cup-Teilnehmer Tim Kröger aus Hamburg zur Teilnahme an der Tempest-WM auf einem von der engagierten Klassenvereinigung bereitgestellten Boot mit dem kuriosen Namen "Feuer und Ei". Kröger ließ sich nicht lange bitten, holte sich Ulrike Schümann als Steuerfrau ins Boot und meldete. Das Mixed-Duo hat nie zuvor eine Tempest gesegelt, für Kröger ist es zudem im Alter von 54 Jahren seine Premiere im Trapez. Mit einem Platz in den Top Fünf in der allerdings aus seglerischem Aberglauben heraus nicht ganz beendeten Test-Wettfahrt sowie gutem Speed auf dem gepflegten rot-gelben Klassenboot sorgten Schümann und Kröger für einigen Gesprächsstoff an Land. Das intern formulierte und mit Augenzwinkern formulierte Ziel der gemischten Crew vom Verein Seglerhaus am Wannsee und dem Norddeutschen Regatta Verein: jeden Tag einen Weltmeister schlagen.

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Lauter neue Erfahrungen sammeln die Olympia-Vierte Ulrike Schümann vom Verein Seglerhaus am Wannsee und ihr Vorschoter Tim Kröger vom Norddeutschen Regatta Verein in der Tempest, die sie nie zuvor gesegelt haben. Kröger segelt erstmals im Trapez

WM-Favoriten aber sind andere. Neben Wieser und Auracher wollen vor allem die Titelverteidiger Christian Spranger und Christopher Kopp "ihren" vor einem Jahr auf dem österreichischen Attersee gewonnenen Pokal festhalten. Vorschoter Kopp sagte am Dienstagmorgen: "Unsere Titelchancen zu beurteilen ist in diesem Feld nicht ganz leicht. Aber wir haben im Practise Race als Gradmesser gesehen, dass wir mit allen mitfahren können." Das Testrennen am Sonntag gewannen Stefan Schollmayer vom Segelclub Mainspitze und sein Vorschoter Markus Mühlbauer. Auf Platz zwei konnten sich die Schweizer Mario Suter und Andreas Hochuli vor Spranger/Kropp vom Seebrucker Regatta Verein platzieren. Was diese Ergebnisse für den Ernstfall wert sind, werden die ersten Rennen zeigen müssen. Mit Mathias Pilmes (Yacht-Club am Tegernsee) an der Seite von Vorschoter Karl Krenn konnte sich auf Platz fünf noch ein Mitglied vom WM-Organisationskomitee in Szene setzen. Und die Meldeliste birgt weitere bekannte Namen: Der zehnmalige Weltmeister Kicker Schäfer vom Bayerischen Yacht-Club hat sich nach längerer Pause mit Vorschoter Andreas Achterberg zur Teilnahme überreden lassen. Auch Steuermann Werner Fritz vom Chiemsee Yacht-Club ist mit Herbert Kujan am Start.

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Nach längerer Pause zurück im Tempest-WM-Geschehen: der zehnmalige Weltmeister Kicker Schäfer und sein Vorschoter Andreas Achterberg

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Fünf bekannte deutsche Segel-Weltmeister auf einen Streich (v.l.) im Yacht-Club am Tegernsee: Thomas Auracher, Jochen Schümann, Frithjof Kleen, Markus Wieser und Tim Kröger. Drei von ihnen – Auracher, Wieser und Kröger – starten bei der Jubiläums-Tempest-WM. Die anderen waren zu Besuch…

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Die Ruhe vor dem WM-Sturm im Hafen vom Yacht-Club am Tegernsee

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Mit viel Tempest-Leidenschaft: Sepp Höss, 83, ist der älteste WM-Teilnehmer

Für reichlich Gaudi sorgte schon vor dem ersten WM-Rennen "Der Stier vom Tegernsee": Der 83-jährige Steuermann Sepp Höss und sein Vorschoter Roland Metzner zeigten der Mehrheit der Konkurrenz als Sechste im Testrennen ihr Heck. Höss segelt seit 40 Jahren Tempest – die Klasse scheint sein Jungbrunnen zu sein. Der Mann versprüht Energie, wie es die Sonne noch am Sonntag vermochte. Während die Konkurrenz am grauen ersten WM-Tag warm bekleidet, aber vergeblich auf die ersten Startschüsse wartete, bestritt Höss den Härtetest in Shorts und kehrte dennoch bestgelaunt vom Wasser zurück. Alles deutet darauf hin, dass mit ihm auch bei dieser WM mit Rekordbeteiligung von 25 GER-Booten sowie Seglern aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, den USA und Großbritannien zu rechnen sein wird.

Einen Artikel zum Thema lesen Sie auch in der aktuellen YACHT, Heft 17, jetzt am Kiosk erhältlich.

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WM-Schirmherr Markus "Wasi" Wasmeier bei der Eröffnungsfeier im Yacht-Club am Tegernsee im Gespräch mit Sepp Höss

Tatjana Pokorny am 13.08.2019

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