Segeln olympisch

Mit dem Regen kam die Enttäuschung: "ein räudiges Rennen"

Er hat gekämpft, geglänzt, zwei Tagessiege errungen, sich aber auch zwei teure Frühstarts geleistet: Philipp Buhl musste die Laser-EM ohne Medaille beenden

Tatjana Pokorny am 13.05.2018
Laser EM 2018
Thom Touw Photography/2018 Laser European Championship

In dieser Szene liegt Philipp Buhl vorn, doch in der EM-Endabrechnung führte das verpatzte Schlussrennen auf Platz 7

Wer nach zehn von elf Rennen bei einer hochkarätig besetzten Europameisterschaft auf Platz zwei liegt und mit Gold-Chancen in die letzte Wettfahrt startet, der muss zuvor gute Arbeit geleistet haben. Genau das hat Philipp Buhl getan. Verlässlich, wie so oft. Doch dieses Mal gab es für den Sonthofener im Regenfinale von La Rochelle kein Happy End. Belastet von zwei Frühstarts in zehn Rennen ging der 28-jährige Aktivensprecher des German Sailing Teams die elfte und letzte Wettfahrt zu vorsichtig an. Und was der Allgäuer am Start liegen ließ, das summierte sich im Verlauf dieser entscheidenen Wettfahrt zu einem niederschmetternden 38. Rang, den Buhl aufgrund der Frühstarts nicht mehr streichen konnte. Dass er mit einem solchen Ergebnis in der Wertung überhaupt noch Siebter wurde, weist noch einmal auf die Haben-Seite seines EM-Kontos hin: sieben Top-Fünf-Ergebnisse – in diesem Feld. Das Endergebnis aber bleibt unbefriedigend. Vor allem für ihn selbst. Da war viel mehr drin. Auf die Frage, wie er diesen schwarzen Renntag, an dem seine Medaillenhoffnungen platzten, selbst beschreiben würde, sagte der Vizeweltmeister im strömenden Regen von La Rochelle aus tiefem Herzen: "Es war ein räudiges Rennen."

Laser EM 2018

Startszene der Laser-EM vor La Rochelle

Laser EM 2018

Philipp Buhl im EM-Einsatz vor La Rochelle

Aus der Coach-Perspektive sah es nicht anders aus. Bundestrainer Alex Schlonski litt mit seinem Schützling und sagte: "Es hatte schon am Vorschlusstag mit seinem zweiten, sehr knappen Frühstart begonnen. Trotzdem war Philipp bis zum letzten Rennen in Schlagdistanz zum EM-Sieg. Dann ist er sehr behutsam ins letzte Rennen gestartet, in dem in der Folge einfach zu viele Fehler zusammenkamen. Das war schon bitter. Wir werden das sorgfältig analysieren und wieder motiviert durchstarten."

Laser EM 2018

Alles gegeben, bevor er sich am Finaltag selbst um die Medaille brachte: Philipp Buhl im Laser

2012 hatte Philipp Buhl als erster und bislang einziger deutscher Segler eine Laser-Europameisterschaft gewinnen können. WM-Bronze (2013 im Oman) und WM-Silber (2015 in Kingston) folgten. Jetzt treibt ihn der Traum von einem Olympia-Sieg oder einem WM-Sieg an. "Ich werde meinen Titel schon noch holen", verkündete Buhl direkt nach dem verpatzten EM-Finale und konnte dabei schon wieder lächeln. Mit ihm wird weiter zu rechnen sein. In drei Wochen schon fällt der Startschuss zum Weltcup-Finale in Frankreich. Vom 20. bis zum 24. Juni wird er in seinem Trainingsrevier bei der Kieler Woche zu den Mit-Favoriten zählen. Das alles sind aber in diesem Jahr "nur" die attraktiven Vorspiele zum eigentlichen Höhepunkt: Bei der gemeinsamen Weltmeisterschaft aller olympischen Disziplinen, zu der im dänischen Aarhus vom 1. bis zum 12. August Hunderttausende Besucher erwartet werden, wollen Philipp Buhl und seine Teamkameraden von German Sailing Team um Medaillen kämpfen. Das Revier liegt ihnen, denn es ist den Kieler Trainingsgewässern sehr ähnlich.

Laser EM 2018

Starke Konkurrenz im Laser Standard

Auch in Aarhus wird Buhl es wieder mit seinen stärksten Widersachern zu tun bekommen, darunter der neue Europameister Pavlos Kontides (Zypern), Vize-Europameister Michael Beckett und Bronzemedaillen-Gewinner Jesper Stalheim aus Schweden. Und mit jenen, die in La Rochelle in der offenen Wertung sogar noch etwas besser waren: Trophy-Gewinner Matthew Wearn aus Australien und Sam Meech aus Neuseeland. Dazu der australische Olympiasieger Tom Burton, in Frankreich Fünfter der offenen Wertung, und Doppel-Weltmeister Nick Thompson aus Großbritannien, der bei diesen europäischen Titelkämpfen nicht über Platz 15 hinauskam.

Der Finaltag bei der Europameisterschaft hatte sich aber nicht nur für Philipp Buhl als einer zum Vergessen erwiesen. Auch seine Teamkameradin Svenja Weger hatte sich ihren Endspurt anders vorgestellt. Als Neunte in die letzten beiden Rennen gestartet, kreuzte die Europameisterin von 2014 in den Wettfahrten 11 und 12 einmal als 39. und einmal als 35. die Ziellinie, verlor damit die gute Top-Ten-Platzierung und beendete die europäischen Titelkämpfe als 14. Den EM-Titel holte sich in dominanter Weise die Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin Marit Bouwmeester vor ihrer Landsfrau Maxime Jonker und der Belgierin Emma Plasschaert.

Hier geht es zu den Ergebnissen

Laser EM 2018

Die Top Drei der Laser-Radial-EM

Laser EM 2018

Sie dominiert die olympische Einhand-Disziplin der Frauen: Marit Bouwmeester gewann die EM souverän

Tatjana Pokorny am 13.05.2018

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