Segeln olympisch

Knapp an den Medaillen vorbei, aber gemeinsam Weltklasse

Erik Heil/Thomas Plößel und Justus Schmidt/Max Boehme haben bei der 49er-EM ihre Olympia-Ambitionen unterstrichen. Letzteren gelang das fast ohne Training

Tatjana Pokorny am 19.05.2019
Volvo Europameisterschaft 2019
Lloyd Images / Volvo Europeans 49er, 49erFX, Nacra 17

Erik Heil und Thomas Plößel im 49er

Die deutschen 49er-Segler waren einmal mehr die erfolgreichsten Akteure bei internationalen Titelkämpfen. Erik Heil und Thomas Plößel wie auch Justus Schmidt und Max Boehme haben bei der weltmeisterlich besetzten Europameisterschaft im ehemaligen Olympiarevier vor Weymouth erneut ihre Klasse unter Beweis gestellt. Zwar hat es im schwachwindigen Endspurt nicht für einen Podiumsplatz und Medaillen gereicht, doch das stimmte aufgrund der immer noch bestehenden Trainingsrückstände weder die Aktiven noch ihren Bundestrainer Marc Pickel unzufrieden. "Das Ergebnis geht in Ordnung", sagte auch Erik Heil, "wir hatten uns unter den gegebenen Bedingungen eine Top-Ten-Platzierung zum Ziel gesetzt. Insofern ist es gut gelaufen. Noch mehr zu erwarten wäre in unserer Situation fast arrogant. Wir konnten in einigen Rennen super aufholen, waren aber an manchen Tagen vermutlich auch eines der erschöpftesten Teams."

49er

Erik Heil und Thomas Plößel vom Norddeutschen Regatta Verein

Volvo Europameisterschaft 2019

Justus Schmidt und Max Boehme vom Kieler Yacht-Club

Sicher hätten sich Schmidt/Boehme nach ihrem starkem EM-Auftakt Edelmetall gewünscht, doch dafür kamen sie in den flauen Bedingungen gegen Ende der Serie nicht gut genug zurecht. Und auch die aufgrund ihrer Studienverpflichtungen kaum trainierenden Erik Heil und Thomas Plößel stellten fest, dass sie zwar manchmal schon wieder zaubern können, ihnen an langen Renntagen aber noch die Fitness fehlt. Was unter anderem drei Kenterungen bei dieser EM bezeugten. Ihre fünf Rennsiege in 20 Wettfahrten bewiesen allerdings auch, dass die Rio-Bronzemedaillen-Gewinner wenig von ihrer Kunst verlernt haben und mit ihnen nach dem vollständigen Wiedereinstieg in die zweite Olympia-Kampagne im September zu rechnen sein wird. 

Die deutschen Skiffsegler zählen inklusive der WM-Dritten Tim Fischer und Fabian Graf, die in England auf Platz 16 segelten, aber in den letzten beiden Rennen mit zwei zweiten Rängen noch einmal glänzen konnten, auf Kurs Olympia 2020 sicher zu Hoffnungsträgern des deutschen Segelsports. Die offene Europameisterschaft gewannen ohne das in flauen Winden ausgefallene Finale die neuseeländischen Olympiasieger und America’s-Cup-Gewinner Peter Burling und Blair Tuke. Neue Europameister sind die Briten Dylan Fletcher und Stuart Bithell. 

Europameisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17

Die neuen 49er-Europameister kommen aus England: Dylan Fletcher und Stuart Bithell

Europameisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17

Schon kurz nach ihrer Rückkehr in den olympischen 49er-Sport wieder die Platzhirsche: Peter Burling und Blair Tuke aus Neuseeland gewannen die Serie in England

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, an diesem Wochenende auch als Vize-Präsidentin des Welt-Seglerverbandes World Sailing beim Halbjahrestreffen im Chelsea Football Club in London gefordert, sagte: "Die 49er-Gruppe im German Sailing Team macht weiter einen sehr starken Eindruck und leistet mit ihren Trainern Marc Pickel und Max Groy hervorragende Arbeit. Das Team nimmt überzeugend Kurs auf Enoshima 2020." 

Bei den parallel ausgetragenen Europameisterschaften der olympischen 49erFX-Seglerinnen hatten Tina Lutz (Chiemsee Yacht Club) und Susann Beucke (Hannoverscher Yacht-Club) das Medaillenrennen der besten zehn Crews als Zwölfte knapp verpasst. Vicky Jurczok und Anika Lorenz (Verein Seglerhaus am Wannsee) fanden als 18. in England nicht auf ihre Erfolgswelle. Die Serie gewannen die Brasilianerinnen Martine Grael und Kahena Kunze. Neue 49erFX-Europameisterinnen sind die Holländerinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz. 

Bei den europäischen Titelkämpfen in der olympischen Mixed-Katamaran-Klasse Nacra 17 fehlte Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) zum Einzug ins Finale der besten zehn Crews nicht viel. Dem eigenen Anspruch genügte das norddeutsche Duo aber nicht ganz. Paul Kohlhoff sagte: "Wir haben uns tatsächlich hier bei der EM nicht ganz so stark gefühlt wie noch in Palma. Nach dem Crash dort sind wir aktuell mit etwas anderem Material unterwegs. Das hat nicht geholfen. Und dann haben wir auch einige Fehler gemacht, die man sich da, wo wir hinwollen, einfach nicht mehr leisten darf. Unser Anspruch ist, besser zu sein, als wir es hier waren. Wir sind aber glücklich darüber, dass wir die Kriterien für den Start bei den Pre-Olympics in diesem Jahr erfüllt haben." Europameister im Nacra 17 wurden in einem mehr als grenzwertigen Finale in lauen drei, vier Knoten Wind die Briten Ben Saxton und Nicola Boniface. Die bis dahin führenden mehrfachen italienischen Weltmeister Ruggero Tita und Caterina Banti zählten am Sonntagabend zu den "Opfern" des Flautenpokers und fielen beim unschönen Segelkriechen über den Finalkurs auf Platz vier zurück.

Hier geht es zu den Ergebnissen.

Volvo Europameisterschaft 2019 49er, 49erFX, Nacra 17

Eine von vielen spektakulären Nacra-17-Szenen bei dieser EM mit Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer

Tatjana Pokorny am 19.05.2019

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