Segeln olympisch

Im Bann des Coronavirus: 470er-Segler in China

Daniel Göttlich und Linus Klasen sind bei einem Trainingslager in chinesischen Haikou mit den Auswirkungen des sich verbreitenden Coronavirus konfrontiert

Tatjana Pokorny am 05.02.2020
Team Göttlich/Klasen in China
Team Göttlich/Klasen

Das Berliner 470er-Team Göttlich/Klasen hat beim Training in China mit den Folgen der Ausbreitung des Coronavirus umzugehen

Team Göttlich/Klasen in China

Das 470er-Team Göttlich/Klasen beim Aufenthalt im Leistungssportzentrum von Haikou in China

Die Berliner 470er-Segler Daniel Göttlich und Linus Klasen hatten sich ihr einmonatiges Intensiv-Training am chinesischen Leistungszentrum in Haikou ein wenig anders vorgestellt: Der von den Seglern selbst gewählte Ort für ein Individualtraining zu Jahresbeginn ist aufgrund des sich schnell verbreitenden Coronavirus zur temporären Falle geraten. Die Sportler dürfen ihre Unterkunft nur einmal am Tag zum Training verlassen. Auch im Gebäude selbst ist der Bewegungsradius reglementiert, das dauerhafte Tragen eines Mundschutzes beim Verlassen der Unterkunft Pflicht. Die deutsche 470er-Crew sieht nur noch das eigene Zimmer, den Raum des chinesischen Trainers, den Fitness-Raum und die Kantine. Gereinigt wird das Zimmer im Stützpunkt in Eigenregie, Einkäufe durch ausgewählte Mitarbeiter werden desinfiziert. Vor Ort geben die Segler jeden Morgen ihre Temperatur an den Übersetzer weiter. Zudem wird bei der Rückkehr vom Segeln ins Gebäude die Körpertemperatur gemessen.

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Daniel Göttlich und Linus Klasen im 470er-Einsatz

Der 19-jährige Steuermann Daniel Göttlich vom Verein Seglerhaus am Wannsee und sein gleichaltriger Vorschoter vom Potsdamer Yacht-Club sind seit dem 10. Januar in China. Ihr Rückflug ist für den 7. Februar geplant. Gekommen sind die Deutschen, weil der chinesische 470er-Trainer sie zum Sparring mit seinen beiden in den Top Ten der Weltrangliste rangierenden Teams eingeladen hat. "Für uns war das sehr attraktiv", sagt Daniel Göttlich, "weil die örtlichen Bedingungen gewissen Wetterlagen, die wir in der Olympia-Qualifikation erwarten, sehr ähnlich sind."

Team Göttlich/Klasen in China

Ein Trainingsbild vom Einsatz in chinesischen Gewässern

Die jungen Berliner trainieren für eine Last-Minute-Chance, vor allem aber für die Zukunft. Den deutschen 470er-Männern ist es bislang ebenso wenig wie den Finnseglern gelungen, den Nationenstartplatz für die Olympia-Regatta 2020 zu sichern, ohne den ein Olympia-Einsatz in diesen Disziplinen nicht möglich ist. Eine letzte Gelegenheit, das Blatt zu wenden, haben Finn- und 470er-Segler beim Weltcup in Genua im Frühjahr, wo der jeweils besten noch nicht qualifizierten europäischen Crew ein Nationenstartplatz winkt. Daniel Göttlich und Linus Klasen sind dabei als Nachwuchsteam mit Perspektiven am Start. Führend in Deutschland sind bislang die beiden Mannschaften Simon Diesch/Julian Autenrieth (Württembergischer Yacht-Club/Bayerischer Yacht-Club) sowie Malte Winkel/Matti Cipra (Schweriner Yacht-Club/Plauer Wassersportverein).

Der chinesische Ort Haikou, wo Göttlich/Klasen trainieren, liegt zwar rund 1500 Kilometer entfernt von der Stadt Wuhan, wo das Coronavirus erstmals festgestellt wurde und am stärksten verbreitet ist. Dennoch greifen auch in Haikou starke Schutzmaßnahmen der chinesischen Behörden, von denen die Mitglieder des Perspektivkaders im German Sailing Team bei ihrem Aufenthalt im Leistungssportzentrum betroffen sind. Die Mundschutzpflicht gilt dort auch deshalb, weil viele Segler der chinesischen Nationalmannschaft vor Ort sind und niemand ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen eine Erkrankung riskieren will. Erst nach dem Ablegen, so erzählt Daniel Göttlich, darf der Mundschutz beim Einsatz auf dem Wasser abgenommen werden. Wassertraining konnte das GER-Team bislang an 20 von insgesamt 28 Aufenthaltstagen durchführen. Die Isolierung des Stützpunktes hat der chinesische Seglerverband erst rund eineinhalb Wochen nach Ankunft der deutschen Segler beschlossen. Sie beinhaltet die Regelung, dass weder Segler noch Trainer oder Mitarbeiter das Gebäude zu anderen Zwecken als zum Segeln verlassen dürfen. Der Hafen liegt nur ein paar Schritte entfernt auf der anderen Straßenseite.

Trotz der Aufregung zieht Steuermann Göttlich eine bislang positive Bilanz: "Die Chinesen waren ausgezeichnete Gastgeber. Das Training ist so effektiv, wie wir es uns vorgestellt haben. Und eine interessante Erfahrung war es allemal. Wir hatten hier eine prima Zeit, freuen uns aber gerade unter diesen Umständen auch wieder auf Berlin. Bislang sieht alles danach aus, dass wir die Heimreise am 7. Februar antreten können. Uns bleibt leider nicht viel anderes übrig als zu hoffen, dass sich nichts daran ändert. Ein Gesundheitscheck wurde uns bislang nicht angekündigt. Ob einer durchgeführt wird, liegt letztlich in der Verantwortung der deutschen Behörden."

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Trainieren für Erfolge in der 470er-Jolle, die ab den Olympischen Spielen 2024 allerdings nur noch von Mixed-Teams gesegelt wird: Daniel Göttlich und Linus Klasen aus Berlin

Tatjana Pokorny am 05.02.2020

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