Segeln olympisch

"Heute fällt mir das Lächeln schwer"

Philipp Buhl im Wechselbad der olympischen Gefühle. Toni Wilhelm beendet Olympia ohne Medaille. Heil/Plößel eröffnen Olympia-Premiere stark

Tatjana Pokorny am 13.08.2016
Olympische Spiele 2016 Tag 5

Schönes Bild – leider mit Seltenheitswert bei dieser olympischen Regatta: Philipp Buhl liegt in Führung und gewinnt die siebte Wettfahrt

Der fünfte Tag der Olympia-Regatta brachte ein Wechselbad der Gefühle für das Sailing Team Germany in Rio. Philipp Buhl hatte den Tag mit seinem ersten Wettfahrtsieg so hoffnungsfroh eröffnet, bevor ihn ein 25. Rang in der achten Wettfahrt der Laser-Segler im Ringen um den Anschluss an die Spitzengruppe wieder zurückwarf. Buhl muss am Samstag in den verbleibenden zwei Rennen bis zum Laser-Finale am Montag als Gesamt-Elfter um den Einzug ins Medaillenrennen kämpfen und sagte nach seinen Rennen: "Heute fällt mir das Lächeln schwer."

Er sei bei seinem Wettfahrtsieg endlich mutig gewesen, konnte die Glanzleistung aber im zweiten Durchgang nicht wiederholen. Da habe er wieder zu viele Zweifel gehabt. 32 Punkte Rückstand auf den Bronze-Platz sind zwar für den Weltranglisten-Ersten theoretisch noch aufholbar, doch die Medaillenchancen des Sonthofeners sind auf der olympischen Zielgeraden auf ein Minimum gesunken. Dem Steuermann vom Segelclub Alpsee-Immenstadt ist klar, was in den Rennen neun und zehn am Samstag passieren muss: "Je schweinischer die Bedingungen sein werden, je größer ist meine Chance, noch weiter nach vorn zu kommen. Ich muss einfach wieder so mutig sein wie heute im ersten Rennen, damit ich endlich frei segeln kann."

Der "Fliegende Holländer" ist wieder Olympiasieger

Olympische Spiele 2016 Tag 5

Genau wie vor vier Jahren: Gold holt sich der "Fliegende Holländer" Dorian van Rijsselberge mit sieben Rennsiegen in zwölf Wettfahrten schon vor dem Medaillenfinale. Silber sichert sich der Brite Nick Dempsey vorzeitig

Bei den Surfern wurde am Freitag schon gefeiert: Dorian van Rijsselberge ist zum zweiten Mal nach 2012 Olympiasieger! Der "Fliegende Holländer" surfte auf den Kursen unter Rios Zuckerhut in einer Klasse für sich. Nach sieben Rennsiegen in zwölf Wettfahrten ist der 1,90 große sympathische Überflieger, der mit seiner mexikanischen Frau und einer kleinen Tochter in Los Angeles lebt, im finalen Medaillenrennen der Surfer am Sonntag nicht mehr einzuholen. Auch der Brite Nick Dempsey durfte sich über seine zweite Silbermedaille in Folge freuen. Für Toni Wilhelm platzte am selben Tag der Traum von seiner Olympia-Medaille. Der Surfer vom Württembergischen Yacht-Club hat als Gesamt-Sechster mit 20 Punkten Rückstand auf den Bronze-Platz keine Chance mehr, noch in die Top Drei vorzufahren. "Ich bin trotzdem stolz auf das, was ich bei Olympia erreicht habe", sagte der 33-Jährige bei seinem dritten und letzten Olympia-Start. Der Olympia-Vierte von 2012 sagte weiter: "Ich hatte den Jungs ganz vorn bei dieser Regatta nicht genügend entgegenzusetzen. Ich gratuliere Dorian und Nick zu Gold und Silber. Ich habe mir mit Blick auf meine Vorbereitung aber nichts vorzuwerfen. Ich kann sagen, dass ich zu den besten Surfern der Welt gehöre. Dass es mit der Medaille nicht geklappt hat, ist natürlich schade. Aber so ist der Segelsport. Ich werde im Finale noch einmal alles geben."

Olympia 2016 Tag 1

Er hat geackert und gekämpft, aber es hat nicht sein sollen: Toni Wilhelm, Olympia-Vierter von 2012, bleibt auch bei seinem dritten und letzten Olympiastart ohne Medaille

Olympische Spiele 2016 Tag 5

Souverän, sympathisch und verdienter Olympiasieger: Dorian van Rijsselberge

Starker Auftakt für Heil/Plößel

Souverän sind am Freitag die Berliner 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel in ihre Olympia-Premiere eingestiegen. "Wenigstens ein Team super", entfuhr es Philipp Buhl anerkennend, als er von den Rängen sechs, drei und Platz drei nach den ersten beiden Wettfahrten seiner Freunde hörte. Mit der Crew vom Norddeutschen Regatta Verein liegt bei der Olympia-Regatta erstmals ein deutsches Team in der Gesamtwertung auf einem Podiumsplatz. Steuermann Heil sagte: "Das war ein guter Auftakt. Wenn man hier im Durchschnitt fünfte Ränge fährt, ist man vorn mit dabei." Heil wies noch darauf hin, dass seinem Gefühl nach die Abwinde der Helikopter, die über den olympischen Regattakursen kreisen, Einfluss auf den  49er-Kurs gehabt hätten – eine Beobachtung, die den Organisatoren im Zeitalter von modernen Kamera-Drohnen zu denken geben sollte.

Olympische Spiele 2016 Tag 5

Mit Erik Heil und Thomas Plößel liegt erstmals bei der Olympia-Regatta ein deutsches Team im Zwischen-Klassement auf einem Podiumsplatz

Olympische Spiele 2016 Tag 5

Behielten den Überblick und eröffneten ihre Olympia-Premiere stark: Erik Heil und Thomas Plößel im 49er

Etwas weniger glücklich verlief der Auftakt zur Olympia-Premiere der 49erFX-Seglerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz, denen zum Auftakt ein Frühstart unterlief. Nach Rang acht im zweiten Durchgang liegen die Berlinerinnen vom Verein Seglerhaus am Wannsee zunächst auf Platz 13. Sie seien seglerisch mit ihrem ersten Tag zufrieden gewesen, so die deutschen Damen, bei denen auch die Skiff-Disziplin 49erFX – die kleine Schwester des seit 2000 olympischen 49ers –  ihre olympische Premiere feierte. "Der einzige Fehler war der Frühstart", sagte Vicky Jurzok nach den Rennen an Land, wo es bereits dunkel war, als die Teams ihre Boote zusammenpackten.

Olympische Spiele 2016 Tag 5

Kamen in der ersten Wettfahrt zu früh aus den Startblöcken und reihten sich mit dem folgenden achten Rang zunächst als 13. ins Klassement ein: Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Deutsche 470er-Segler auf Formsuche in der Guanabara-Bucht

Während die Nacra-17-Crews am Freitag pausierten, waren die 470er-Seglerinnen und Segler auf dem Kurs Escola Naval gefordert. Dort ging es etwas ruhiger zu als noch am Vortag beim "Bullenreiten" auf der atlantischen Außenbahn. Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski konnnten sich jedoch im einzigen Rennen des Tages nach langer Startverschiebung mit Rang 14 nicht vom ungeliebten Platz 16 im Zwischenklassement in Richtung Spitze verabschieden. Auch den 470er-Seglerinnen Annika Bochmann und Marlene Steinherr vom Verein Seglerhaus am Wannsee gelang nach Kenterung und Mastbruch am Vortag mit altem Rigg und Rang 15 kein Befreiungsschlag. Sie liegen weiterhin auf dem vorletzten Platz im Feld der 20 470er-Jollen bei den Frauen.

Die Olympia-Regatta wird am Samstag für die Segler des Sailing Team Germany mit weiteren Rennen in den Disziplinen Laser, 49er, 49erFX und Nacra 17 fortgesetzt. Ein Nachholrennen für die ausgefallene 470er-Wettfahrt bei Männern und Frauen stand zunächst nicht auf dem Programm, läge laut Reglement im Ermessen der Wettfahrtleitung.

Hier geht es zu den Ergebnissen

Tatjana Pokorny am 13.08.2016

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