Segeln olympisch

Endloser Jubel und ein Tränenmeer

Am Dienstag fielen in Rio Medaillen-Entscheidungen im Stundentakt. Neben deutlichen Favoritensiegen gab es auch faustdicke Überraschungen

Tatjana Pokorny am 17.08.2016
Olympische Spiele 2016

Schöne Szene am Flamengo-Strand: Der vorzeitig ausgeschiedene Weltranglisten-Erste Philipp Buhl freut sich aufrichtig mit dem neuseeländischen Steuermann Sam Meech über dessen Bronze-Medaille

Der Jubel brandete am Dienstag in Rios olympische Marina da Gloria alle Dreiviertelstunde auf. In diesem Takt fanden die am Montag verschobenen und die für Dienstag ohnehin angesetzten Medaillenrennen in den Disziplinen Laser Radial, Laser, Finn-Dinghy und Nacra 17 statt. Gleichzeitig kämpften draußen in der Guanabara-Bucht Erik Heil und Thomas Plößel um ihren Olympia-Traum. Sie taten es mit Erfolg, auch wenn die Einzelergebnisse 10, 4 und 18 die Crew, die für den Norddeutschen Regatta Verein startet, nicht ganz zufrieden stellten. Unterm Strich verteidigten Heil/Plößel ihren Podestplatz hartnäckig und ziehen nun am Donnerstag als Zweite in das Medaillenfinale ein.

Olympische Regatta 2016

49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel auf Medaillenkurs: Können sie der Medaillenflaute am Donnerstag ein Ende bereiten?

Gold haben sich zwar die neuseeländischen Überflieger Peter Burling und Blair Tuke bereits vorzeitig gesichert. Doch für die deutsche Crew geht es um Silber oder Bronze und damit die erste Olympia-Medaille für den deutschen Segelsport seit 2008. Auch vor acht Jahren waren es mit Jan-Peter und Hannes Peckolt zwei 49er-Segler, die für olympischen Glanz sorgte. Diese Skiff-Tradition könnten Erik Heil und Thomas Plößel fortsetzen. "Die Jungs haben Silber drauf", sagte Trainer Thomas Rein, der auf die Konzentrationsfähigkeit und Nervenstärke seiner Schützlinge setzt.

Olympische Spiele 2016

Segelten souverän und vorzeitig zum Olympiasieg: die neuseeländischen Überflieger, Weltsegler des Jahres 2015 und America's-Cup-Stars Peter Burling und Blair Tuke

Die Hoffnungsträger selbst gestatteten sich nicht mehr als eine Vorstellung, die Erik Heil in Worte fasste: "Es wäre nicht schlecht, wenn wir die Olympia-Sieger von 2012 schlagen könnten." Damit peilt Heil Silber an, weiß aber gleichzeitig, dass es schwer wird, denn die drittplatzierten Nathan Outteridge und Iain Jensen lauern vor dem doppelt gewerteten Medaillenrennen nur drei Zähler hinter den Deutschen. Außer dem Spitzentrio haben nur noch die Briten Dylan Fletcher-Scott und Alain Sign eine Medaillenchance. Sie müssten zehn Punkte auf die Australier oder 13 Punkte auf die Berliner gutmachen, wenn sie noch aufs Podest wollen. Was wiederum  die Australier unter Druck setzt: "Die müssen sich auch nach hinten umschauen", weiß Thomas Plößel.

Erik Heil und Thomas Plößel werden den Ruhetag am Mittwoch entsprechend ihrer Vorlieben unterschiedlich nutzen. Während Plößel Entspannung, einen Besuch des Physiotherapeuten oder auch einen Pool-Besuch plant, will Erik Heil im Hafen dem 49er noch einen Besuch abstatten und vielleicht auch den Medaillenrennen auf dem Zuckerhut-Kurs vom Flamengo-Strand aus zusehen. Die Aufgabe, die das deutsche Team am Donnerstag zu lösen hat, bringt Erik Heil auf den Punkt: "Wir müssen spritzig sein und geile Entscheidungen treffen. Es wird alles ganz schnell gehen. Dafür braucht es die richtige Einstellung am richtigen Tag." Dieser Tag wird der 18. August sein. Der Startschuss zum Medaillenrennen der zehn besten 49er-Crews fällt um 13 Uhr Ortszeit und damit um 18 Uhr deutscher Zeit.

Olympische Spiele 2016

Revanche gelungen: Die Niederländerin Marit Bouwmeester ist nach Silber vor vier Jahren Olympia-Siegerin im Laser Radial

Abseits von den spannenden Rennen auf den weiter draußen gelegenen Kursen ging es unter dem Zuckerhut auf dem Medaillenkurs vor dem Flamengo-Strand am laufenden Band um Medaillen. Im Eröffnungs-Finale sicherte sich die Niederländerin Marit Bouwmeester die vor vier Jahren so knapp verpasste Goldmedaille vor der mehr als einen Kopf Größeren Irin Annalise Murphy, die vor vier Jahren in Weymouth das Feld lange angeführt hatte, bevor sie im Finale auf Platz vier zurückgefallen war. Bronze sicherte sich die Dänin Anne-Marie Rindom. Die "Flying Dutchwoman" Marit Bouwmeester sagte YACHT online: "Ich bin einfach unglaublich stolz darauf, für unser Land diese Goldmedaille im Segelsport errungen zu haben. Wir sind eine große Sportnation, und es ist ein großartiges Gefühl, Teil dieser Leidenschaft zu sein."

Im Laser setzte sich nach dem vorzeitigen Ausscheiden des Weltranglisten-Ersten Philipp Buhl in einem spektakulären Medaillenrennen Tom Burton gegen den Kroaten Tonci Stipanovic und den Neuseeländer Sam Meech durch. Stipanovic war als Führender in das Finale gestartet, doch Burton zwang ihn schon vor dem Start in das erwartet packende Duell. Stipanovic berichtete in der Pressekonferenz der Sieger, dass in diesem Duell die Welle eines Jury-Bootes zu einer Berührung geführt habe, in deren Folge die Schiedsrichter auf demselben Jury-Boot ihm einen Penalty auferlegt hatten. Burton und Stipanovic kreuzten erst lange nach dem Schuss die Startlinie. Lange Zeit sah es so aus, als könne Stipanovic auf diese Weise trotzdem siegen. Doch der Australier segelte das Rennen seines Lebens und machte aus Rang neun zum Auftakt des Krimis nach furioser Aufholjagd noch Rang drei und stahl dem Kroaten den fast sicher geglaubten Olympiasieg.

Olympische Spiele 2016

Der Australier Tom Burton triumphierte in Rio im Laser, verwies den als Spitzenreiter ins Finale eingezogenen Kroaten Tonci Stipanovic auf Platz zwei. Bronze erkämpfte der Neuseeländer Sam Meech

Im Finn-Dinghy hatte sich der große Favorit Giles Scott Gold bereits vor dem Medaillenfinale gesichert. Im dahinter entbrannten Kampf um Silber und Bronze konnten sich der Slowene Vasilij Zbogar und der Amerikaner Caleb Paine durchsetzen. Eine der größten Überraschungen dieser olympischen Spiele gelang im Nacra 17 dem 54-jährigen Santi Lange mit Vorschoterin Cecilia Carranza Saroli. Die Argentinier sicherten sich sensationell Gold vor den Australiern Jason Waterhouse und Lisa Darmanin. Über Bronze jubelten am schönsten die Österreicher Thomas Zajac und Tanja Frank, die im Medaillenrennen Platz drei erkämpften und die Neuseeländer Gemma Jones und Jason Saunders auf Platz vier verweisen konnten.

Olympische Spiele 2016

Das Medaillen-Trio im Nacra 17 überraschte: Argentinien vor Australien vor Österreich

Olympische Spiele 2016

Olympischer Zauber unter dem Zuckerhut: Der Brite Giles Scott trat als Top-Favorit im Finn-Dinghy auch tatsächlich die Nachfolge von Sir Ben Ainslie an. Silber ging an den Slowaken Vasilij Zbogar. Bronze holte überraschend der Amerikaner Caleb Paine

Die deutschen 470er-Segler Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski hatten sich an diesem Tag, an dem weder Jubel noch Tränen enden wollten, mit Klasseleistungen und den Rängen 6, 4 und 6 zunächst als Zehnte knapp für das Medaillenfinale qualifiziert. Dank ihres Wettfahrtsieges in Rennen sechs hatten sie sich im Kampf um den Einzug ins Finale punktgleich gegen die Neuseeländer Paul Snow-Hansen und Daniel Wilcox durchsetzen können. Doch dann gab es gleich mehrere Proteste, in deren Folge die Deutschen auf den undankbaren elften Platz zurückrutschten. Annika Bochmann und Marlene Steinherr verpassten den Finaleinzug als Gesamt-18. deutlich.

Tatjana Pokorny am 17.08.2016

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