Segeln olympisch

Ein Traumrennen und Bruch in Serie

Für Surfer Toni Wilhelm hatte der dritte Regattatag in Rio mit einem Sieg optimal begonnen. Am Ende ärgerte er sich wie seine Teamkameraden

Tatjana Pokorny am 11.08.2016
Olympische Spiele 2016

Toni Wilhelm eröffnete den insgesamt vierten und seinen dritten olympischen Regattatag stark, setzte sich in einem packenden Duell gegen den Briten Nick Dempsey durch und gewann die siebte Wettfahrt

Es hätte so schön sein können, doch am Ende des insgesamt vierten Regattatages bei den Olympischen Spielen blieb den deutschen Seglern doch reichlich mehr Frust als Lust. Toni Wilhelm hatte den Tag mit dem ersten deutschen Wettfahrtsieg in der Guanabara-Bucht wie mit einem Paukenschlag eröffnet. Es war nicht nur der Sieg, sondern auch das furios gewonnene packende Duell mit dem Briten Nick Dempsey, mit dem der 33-jährige Wilhelm begeisterte und sich auf Platz sechs vorgearbeitet hatte. Als er ein Rennen später die Ziellinie als Sechster kreuzte, war der Schwarzwälder sogar auf Platz fünf vor- und der erhofften Medaille wieder ein ganzes Stück näher gerückt.

Doch dann kam Wettfahrt neun für die RS:X-Surfer, in deren Flotte der "Fliegende Holländer" und Olympiasieger Dorian van Rijsselberge und der Brite Nick Dempsey fast fehlerlos über die Kurse zu gleiten scheinen. "In dem Rennen habe ich mich verpokert und viele blöde Punkte liegengelassen", sagte Wilhelm, und der Ärger darüber stand dem immer noch stark erkälteten und hustenden Athleten vom Württembergischen Yacht-Club ins Gesicht geschrieben. Nun muss Wilhelm bei seiner dritten und letzten Olympia-Teilnahme in den letzten drei Wettfahrten am Freitag nicht nur selbst drei herausragende Rennen surfen, sondern auch darauf hoffen, dass seine Gegner auf dem Weg ins Medaillenrennen am Sonntag einmal patzen. "Vor denen muss ich meinen Hut ziehen. Die machen zurzeit kaum Fehler", sagte Wilhelm fair. Er weiß, dass ihm im Endspurt eine schwere Aufgabe bevorsteht.

Ungleich größer jedoch war der Frust bei den deutschen 470er-Mannschaften an ihrem zweiten Regattatag. Nach dem mäßigen Einstieg am Mittwoch erlebten sowohl Annika Bochmann und Marlene Steinherr als auch Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski auf dem Außenkurs Niteroi einen Tag zum Vergessen. In grenzwertigen Starkwinden mit bis zu 26 Knoten Wind und einigen steifen Böen wurde in zwei bis drei Meter hohen Wellen in beiden Feldern in Serie gekentert. Die deutschen Frauen erwischte es in ihrem zweiten Rennen des Tages. Bei der Kenterung brach der Mast. Für Bochmann/Steinherr war es schon das zweite verlorene Rigg nach einem Mastbruch im Training. Sie mussten am Abend noch einen alten Mast vermessen, um am Freitag wieder einsatzfähig zu sein. Als Gesamt-19. liegt die VSaW-Crew damit nach ihren ersten beiden olympischen Regattatagen nur auf dem vorletzten Platz.

Olympische Spiele 2016

So sah 470er-Segeln am vierten Tag der olympischen Regatta in zwei bis drei Meter hohen Atlantik-Wellen aus

Olympische Spiele 2016

Harsche Bedingungen auf der atlantischen Außenbahn Niteroi: Die 470er-Frauen hatten mit Winden bis 26 Knoten und in Böen noch mehr zu kämpfen

Auch Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski bekamen am Donnerstag die rabiaten Atlantik-Bedingungen zu spüren, die Österreichs Medaillen-Hoffnung Lara Vadlau, die es durchaus stürmisch mag, "den brutalsten Segeltag meiner Karriere" nannte. Ein eingerissenes Ruder führte für den Münchener Steuermann und seinen Berliner Vorschoter in Wettfahrt vier zu zwei Kenterungen in Folge und brachte einen schwer wiegenden 23. Rang. In der Gesamtwertung bedeutet das zunächst nur Platz 16. Gerz war so enttäuscht, dass er eine Weile brauchte, um über diesen Rückschlag zu sprechen. Dann hatte er sich wieder gesammelt und berichtete, dass die Mannschaft das Ruder am Abend austauschen wird. Am Freitag wollen die 470er-Männer mit frischem Mut neu angreifen.

Olympische Spiele 2016

Auf die deutschen 470er-Segler hat der Christo heute nicht schön aufgepasst...

Gekentert sind auch Paul Kohlhoff und Carolina Werner, weil sich der Trapezgurt des Steuermanns zweimal ungeplant geöffnet hatte. Die junge Crew vom Kieler Yacht-Club ärgerte sich nach erneut starken Starts aber vor allem darüber, dass sie noch kein gutes Rezept für die drehenden Winde dieser Olympia-Regatta gefunden hat. "Wir kommen mit diesen Drehern einfach nicht in den Groove", sagte Carolina Werner. Der Ruhetag kommt den Nacra-17-Teams bei ihrer olympischen Premiere entgegen, denn sie hatten am Donnerstag mit vier Wettfahrten das umfangreichste Programm zu absolvieren. Sie starten am Samstag als 13. in die nächsten Rennen.

Olympische Spiele 2016

Nach starken Starts auf der Suche nach einer Antwort auf die drehenden Winde

Tatjana Pokorny am 11.08.2016

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online