Olympia 2012

Die Surfer und ihr Sommermärchen

Moana Delle und Toni Wilhelm surfen mit ungebremster Freude durch die olympische Regatta. Im Finale am Dienstag haben beide Medaillenchancen

Tatjana Pokorny am 06.08.2012
Moana Delle auf der perfekten Welle

Moana Delle surft auf der perfekten Welle

Moana Delle lacht viel und gerne in Weymouth. Heute war wieder so ein Tag. Auf dem Programm standen die letzten beiden Wettfahrten der RS:X-Surfer vor den Medaillenrennen am Dienstag. Was macht Fräulein Delle mit dem guten Gespür für Wind in der endlich leichteren Brise als zuvor? Sie zaubert in den ihr hoch willkommenen drehenden Bedingungen einen dritten und einen zweiten Rang auf den Kurs, kehrt beglückt in den Olympiahafen zurück und bedauert erst einmal, dass die Regatta nun bald zu Ende geht, sie aber am liebsten noch mindestens eine Woche weitersurfen würde, weil es so viel Spaß macht. Sie wird auch die Olympische Flamme und die Ringe am Slip für die Surfer vermissen. "Denen sage ich jeden Morgen hallo." Sie wird die anderen Frauen vermissen, mit denen sie draußen auf den Olympiakursen so gerne um die Wette surft. Auch an Tagen, an denen es einmal nicht so gut läuft. Surfen ist Moana Delles Leidenschaft. Immer und ergebnisunabhängig. Doch das ist nicht falsch zu verstehen.

RS:X-Start auf Kurs "The Nothe"

RS:X-Start auf dem Zuschauerkurs "The Nothe" – hier wird auch am Dienstag um die Surfmedaillen gekämpft

Auch wenn die 23-Jährige das Wort Medaille partout nicht aussprechen will, so ist sie doch eine natürliche Wettkämpferin, die am Dienstag mit aller Kraft um eine surfen wird. Für ihren Erfolg hat sie in den vergangenen Monaten auch gemeinsam mit Toni Wilhelm und Coach Pierre Loquet hart trainiert. Härter, so sagt sie, als manche der Konkurrentinnen. Das Szenario eröffnet ihr eine gute Chance auf Edelmetall. Moana Delle zieht als Gesamt-Vierte mit 39 Punkten in das Finale der besten zehn Surferinnen ein, das am Dienstag ab 15 Uhr deutscher Zeit im Anschluss an den Showdown der Herren (ab 14 Uhr deutscher Zeit) stattfindet. Die führende Favoritin Marina Alabau hat sich mit 24 Punkten einen angenehmen Vorsprung erarbeitet. Lee-El Korsiz liegt mit 38 Punkten dahinter, Tuuli Petaja aus Finnland ist mit der gleichen Punktzahl Dritte. Bis zur siebtplatzierten Britin Bryony Shaw können noch alle Top-Surferinnen in den Kampf um Medaillen eingreifen.

Dorian van Rijsselberge und Toni Wilhelm

Dorian van Rijsselberge und Toni Wilhelm

Ähnlich ist die Lage bei den Männern. Dem "Fliegenden Holländer" Dorian van Rijsselberge möchte man schon gratulieren. Mit sechs Wettfahrtsiegen in zehn Rennen und ganzen 13 Punkten auf dem Konto nach zehn Durchgängen hat der fröhliche und beliebte Surfer die Serie bereits für sich entschieden. "Niemand hat es mit seiner Leistung hier mehr verdient als Dorian", sagte Wilhelm. Doch auch van Rijsselberge muss das Medaillenrennen erst noch zu Ende bringen – so verlangt es das Reglement –, bevor er feiern darf. Hinter dem Mann aus Texel hat der Brite Nick Dempsey (35 Punkte) Kurs auf Silber genommen. Nachdem er in Qingdao vor vier Jahren überraschend leer ausgegangen war und sich nun im Heimatrevier dem überragend surfenden van Rijsselberge bereits vorzeitig geschlagen geben musste, will er sich mit weniger als Silber nicht zufrieden geben. Elf Punkte trennen Dempsey vor dem Finale von Toni Wilhelm, der mindestens Bronze verteidigen will, gleichzeitig aber nach hinten gegen den Polen Przemyslav Miarcynski verteidigen muss.

Mit den Rängen 15 und 13 erlebte Wilhelm am Sonntag in deutlich leichteren Winden seinen bislang schlechtesten Regattatag zur Unzeit. Glück im Unglück: Der Pole patzte ebenfalls. Toni Wilhelm sagte mit Blick auf sein Medaillenfinale: "Ich glaube fest an meine Chance auf eine Medaille. Sie ist mein großer Traum. Die Devise ist klar: Ich werde Vollgas geben. Ich bin schnell und muss mich hier vor niemandem verstecken." Das Gütesiegel hatte Wilhelm am Tag zuvor von Dorian van Rijsselberge erhalten, der dem Konkurrenten aus Dogern nach seinem Tagessieg "zwei Raketen am Board" attestierte.

Die Kieler 49er-Segler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann liegen zwei Wettfahrten vor ihrem Finale am 8. August auf Platz 13 hinter den spanischen Olympiasiegern Iker Martinez und Xabier Fernandez. Das deutsche Duo hat keine Medaillenchancen mehr, kann aber noch das Finale erreichen. Im 470er sind Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher aus Hamburg zur Halbzeit ihrer Serie Neunte. Der Lübecker Lasersegler Simon Grotelüschen startet am Montag als Siebter ins Finale, hat aber keine Medaillenchancen mehr.

Tatjana Pokorny am 06.08.2012

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