Segel-Weltmeisterschaft

Die ersten Champions feiern schon

Während die deutschen Segler erst noch um Medaillen kämpfen, feiern die ersten Sieger in Aarhus schon ihre Erfolge – Berecz gewinnt historisches Gold für Ungarn

Tatjana Pokorny am 10.08.2018
Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018
Sailing Energy/World Sailing

Die ersten Sieger: Finn-Steuermann Zsombor Berecz und sein Trainer

Der erste WM-Tag mit Medaillenrennen hielt in Aarhus gleich mehrere Überraschungen bereit. Zsombor Berecz gewann im Finn-Dinghy die historisch erste Goldmedaille für sein Land bei den alle vier Jahre ausgetragenen kombinierten Segel-Weltmeisterschaften aller olympischen Disziplinen. Als der Finn-Dinghy-Steuermann aus Ungarn im Finale die Ziellinie überquerte, rollten ihm die Freudentränen übers Gesicht. Gleichzeitig gewann er die erste Goldmedaille, die bei dieser Weltmeisterschaft in der Bilderbuch-Bucht von Aarhus vergeben wurde.

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Er war im Medaillenrennen als Erster im Ziel und gewann das erste Segel-WM-Gold für Ungarn bei den alle vier Jahre ausgetragenen Weltmeisterschaften aller olympischen Segeldisziplinen: Zsombor Berecz

In Aarhus wurde gefeiert, gejubelt, geweint und auch getrauert: Die ersten Medaillen-Gewinner der Weltmeisterschaft sind gekürt. Wer bravourös durchkam und wer das Nachsehen hatte – die Wiederholung der Live-Übertragung zeigt es

Der 32-Jährige, der nach einem Bruch seines Daumens erst vor sechs Wochen wieder in sein Finn-Dinghy hatte steigen können, sagte: "Ich bin ein menschliches Wesen und weiß, was das für mich, mein Team und mein Land bedeutet. Es ist eine große Leistung." Sein Missgeschick hatte Berecz zuvor über vier Monate zum Aussetzen gezwungen: "Ich hatte einen großartigen Trainingstag in Cadiz, war beglückt und auf dem Heimweg, als ich sah, wie ein Neoprenanzug aus einem Transporter vor mir herausfiel. Ich habe mit dem Fahrrad angehalten, ihn aufgehoben und gesehen, dass sie an der nächsten Kurve gestoppt haben. Also bin ich mit Vollspeed hinter ihnen her, um ihnen den Anzug wiederzugeben. Dabei hat sich ein Bein des Anzugs im Vorderrad verfangen und es komplett zum Stehen gebracht. Ich habe einen Vorwärtssalto gemacht und mir dabei den Daumen gebrochen." Berecz sagte auch deswegen: "Wenn mir jemand vor dem WM-Start prophezeit hätte, dass ich gewinnen werde, hätte ich das nicht geglaubt. Ich war vier Monate raus und hatte vor Beginn der Weltmeisterschaft nur eineinhalb Monate Training. Aber die habe ich wirklich gut genutzt, und das hat sich ausgezahlt."

Das Nachsehen hatte der Schwede Max Salminen, der am Donnerstag als Spitzenreiter in das Medaillenrennen gestartet war und eine vermeintlich lösbare Aufgabe zu bewältigen hatte. Einem Freund sagte der geschlagene Final-Favorit nach dem Rennen aber versöhnt: "Man kann nicht über WM-Silber traurig sein. Das wäre dann schon ein verrückter Maßstab." Der Starboot-Olympiasieger (mit Steuermann Freddy Lööf 2012 in Weymouth) hätte das Finale als Vierter oder besser absolvieren müssen, um ungefährdet zu Gold zu segeln. Doch er kam erst als Siebter ins Ziel und während der Wettfahrt nie über Platz fünf hinaus. Bronze sicherte sich der hollländische Wiedereinsteiger Pieter-Jan Postma, der sich erst vor zwei Monaten zum Comeback entschieden hatte und mit seiner WM-Medaille ein nationales niederländisches Qualifikations-Duell mit dem jüngeren Nicholas Heiner im Kampf um nur eine Olympiafahrkarte erzwungen hat.

Dass Max Salminen die erhoffte Goldmedaille nicht gewinnen konnte, war für das hoffnungsfrohe schwedische WM-Team aber nur die Ouvertüre zu einer weiteren Enttäuschung. Die amtierenden 470er-Europameister Anton Dahlberg und Frederik Bergström, die als Spitzenreiter mit sechs Punkten Vorsprung in ihr Medaillenfinale gestartet waren, kamen schwer geschlagen in den Hafen zurück. Sie gingen bei der Medaillenvergabe sogar leer aus, mussten sich mit Platz vier arrangieren. Weil sie im Finale erst als Letzte ins Ziel kamen, konnten die Franzosen Kevin Peponnet und Jeremie Mion mit Rang drei Gold für Frankreich gewinnen. Zweite wurden Tetsuya Isoaki und Akira Takayanagi aus Japan vor den Spaniern Jordi Xammar Hernandez und Nicolàs Rodriguez Garcia-Paz. Noch Stunden nach dem Finale sagte Peponnet: "Das war so intensiv, dass mein Herz immer noch laut schlägt."

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Symbolbild für das Medaillenfinale der 470er-Männer: Die Franzosen liegen vorn, die Schweden folgen mit zu großem Abstand

Im 470er der Frauen konnten sich die Japanerinnen Ai Kondo und Miho Yoshida durchsetzen, die den kommenden Olympia-Ausrichtern damit die zweite Medaille an nur einem Tag bescherten. Silber sicherten sich Silvia Mas Depares und Patricia Cantero Reina vor den Britinnen Hannah Mills, die 2016 Gold in Rio de Janeiro gewonnen hatte, und ihrer neuen Vorschoterin Eilidh McIntyre.

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Japan gewann am Donnerstag bei den ersten Medaillenentscheidungen gleich zwei Medaillen. Gold erkämpften sich im 470er der Frauen Ai Kondo Yoshida und Miho Yoshida

Tatjana Pokorny am 10.08.2018

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