Segel-Weltmeisterschaft

Die doppelte deutsche Chance

Das hat es noch nicht gegeben: Am Samstag segeln zwei deutsche 49er-Crews um WM-Medaillen! Können Fischer/Graf und Heil/Plößel ihre Podestplätze verteidigen?

Tatjana Pokorny am 10.08.2018
Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018
Sailing Energy/World Sailing
Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Tim Fischer und Fabian Graf haben sogar sich selbst mit dem starken WM-Auftritt überrascht: Die jungen Kieler kämpfen morgen um eine WM-Medaille. Die Farbe ist ihnen egal

Wer kann, der schaut am Samstag live zu: Um 14.07 Uhr segeln mit Tim Fischer und Fabian Graf aus Kiel und den Berlinern Erik Heil und Thomas Plößel gleich zwei deutsche 49er-Crews um WM-Medaillen! Ihre gute Ausgangsposition haben sich die beiden Steuerleute vom Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg und ihre Vorschoter in der vergangenen Woche mit starken und vor allem konstanten Leistungen erarbeitet. Ein bisschen näher wären sie den kroatischen Spitzenreitern Sime und Mihovil Fantela am Freitag vor dem Medaillenfinale gerne noch gekommen. Doch dafür fehlte es den GER-Booten in mehr Wind am Freitag ein wenig an Speed, wie sie selbst einräumten. An ihren Weltklasseleistungen in zwölf Rennen änderte das wenig. Zusammen könnte das deutsche Skiff-Quartett der Trainer Marc Pickel und Max Groy einen historischen Erfolg ersegeln. Einfach wird es aber nicht, denn auf den Plätzen vier und fünf lauern die erfahrenen Franzosen Mathieu Frei und Noel Delpech sowie die Briten Dylan Fletcher-Scott und Stuart Bithell auf ihre Chance.

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Haben die Erfahrung und Olympia-Bronze auf ihrer Seite: Erik Heil und Thomas Plößel

Und so sind die Punkte vor dem doppelt gewerteten Finale am Samstagnachmittag (14.07 Uhr) verteilt:

  1. Sime Fantela/Mihovil Fantela (Kroatien): 62 Punkte
  2. Tim Fischer/Fabian Graf (Kiel, Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee): 75 Punkte
  3. Erik Heil/Thomas Plößel (Berlin, Norddeutscher Regatta Verein): 80 Punkte
  4. Mathieu Frei/Noel Delpech (Frankreich): 89 Punkte
  5. Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell (Großbritannien): 92 Punkte

Zwischen diesen fünf Teams spielt sich der Kampf um die Skiff-Medaillen ab. Dabei haben die Kroaten, die im 470er schon Olympiasieger waren und nach 2016 in den 49er umstiegen, mit 13 Zählern Vorsprung vor Fischer/Graf beste Goldaussichten. Die bislang als Leichtwind-Experten geltenden Fantelas hatten die Konkurrenz am Freitag mit gutem Speed auch in stärkeren Winden beeindruckt. Des Rätsels Lösung verriet Sime Fantela YACHT online im Hafen von Aarhus: "Wir haben 30 Tage Starkwind-Training absolviert." Ein Matchrace-Duell seiner Crew gegen Fischer/Graf zur Absicherung der Goldmedaille hielt Fantela einen Tag vor dem Finale nicht für sinnvoll: "Das geht im Laser oder im Finn, aber weniger gut im 49er. Wir segeln die erste Kreuz bestmöglich für uns und schauen dann, wo wir stehen."

Alle an dem anstehenden 49er-Finalkrimi beteiligten Teams haben verschiedene taktische Optionen, können sich aber kaum auf Einzelduelle einlassen. Tim Fischer sagte: "Wir wollen die Medaille verteidigen. Egal, welche! Ein deutsches Duell werden wir zumindest nicht initiieren." Die erfahreneren Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel, die am 29. Geburtstag des Steuermanns etwas mehr Punkte kassierten als ihnen lieb war und nur "medium zufrieden" waren, werden angriffslustig in das Finale starten und auf ihre Erfahrung bauen: "Wir wollen Vize-Weltmeister werden." 

Kenterung kostet Kohlhoff/Stuhlemmer den Einzug ins Medaillenrennen

Die unglücklichste deutsche Crew waren am Freitagabend Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer, die sich mit erneut starken Leistungen fast noch ins Medaillenfinale der Nacra-17-Katamaransegler katapultiert hätten. Doch ihr Traum vom Top-Ten-Ergebnis und der frühzeitigen Nationen-Qualifikation in der Mixed-Disziplin war binnen Sekunden geplatzt. In Rennen 11 lagen die Kieler auf dem Weg ins Ziel in der Spitzengruppe, als sie spektakulär und folgenschwer kenterten, erst als 27. ins Ziel kamen. Die nach der schweren Operation Kohlhoffs und monatelanger Rehabilitation überraschend schnell wieder in Fahrt gekommene junge Crew – Steuermann Kohlhoff ist 23, seine Vorschoterin erst 18 Jahre alt – darf sich aber mit der Erkenntnis von den Welttitelkämpfen verabschieden, die DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner aussprach: "Die Kenterung hat mir für die beiden fast weh getan. Mir ist aber mit Blick auf ihre Leistungen nicht bange: Diese Nationenfahrkarte werden wir bei der nächsten Gelegenheit lösen."

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Verpassten den Einzug ins Medaillenrennen unglücklich: die Kieler Nacra-17-Crew Kohlhoff/Stuhlemmer

Tatjana Pokorny am 10.08.2018

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