Segel-Weltmeisterschaft

Deutsche Skiffsegler erobern die Bucht von Aarhus

Zwei Rennen vor ihrem Finale setzen die deutschen 49er-Akteure die Akzente: Fischer/Graf und Heil/Plößel segeln als Zweite und Dritte auf Medaillenkurs

Tatjana Pokorny am 09.08.2018
Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018
Sailing Energy/World Sailing

Liegen als Gesamt-Dritte vor den letzten beiden Wettfahrten bis zum Medaillenrennen der 49er-Segler gut im Rennen: Erik Heil und Thomas Plößel

Deutschlands Skiff-Teams segeln bei der Weltmeisterschaft in der Bucht von Aarhus auf Medaillenkurs. Die in Kiel lebenden Tim Fischer und Fabian Graf haben nach zehn von zwölf Rennen bis zum Finale am Samstag in überzeugender Weise punktgleich mit den kroatischen Spitzenreitern und Olympiasiegern Sime und Mihovil Fantela Platz 2 erobert. "Wir sind selbst überrascht", sagte Steuermann Fischer. Die Berliner Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel rückten auf Platz drei vor. Sowohl Fischer als auch Heil starten für das Hamburger NRV Olympic Team. Fabian Graf ist für den Verein Seglerhaus am Wannsee im Einsatz, Thomas Plößel ebenfalls für den Norddeutschen Regatta Verein.

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Die Bronzemedaillen-Gewinner von Rio melden auch in der dänischen Bucht von Aarhus Medaillen-Ansprüche an: Erik Heil und Thomas Plößel im 49er

Während am siebten WM-Tag in Aarhus mit dem Ungarn Zsombor Berecz im Finn-Dinghy, den Franzosen Kevin Peponnet/Jeremie Mion im 470er und den Japanerinnen Ai Kondo und Miho Yoshida im 470er der Frauen die ersten Weltmeister gekürt wurden, segelten auch die deutschen 49er-Teams auf Medaillenkurs. "Viele Gute haben sich heute Patzer erlaubt und damit für uns gearbeitet", sagte der 29-jährige Erik Heil. Der Medizinstudent ist nach studienbedingter Pause mit Vorschoter Thomas Plößel erst in diesem Sommer voll in seine zweite Olympiakampagne durchgestartet und direkt wieder in der Weltspitze eingestiegen. Zu den fast sensationell in Führung liegenden jungen Teamkameraden Fischer/Graf sagte Heil: "Die haben einen Lauf, der ist legendär."

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Segelten auch am Donnerstag weiter auf der Erfolgswelle: Tim Fischer und Fabian Graf

Der erst 23 Jahre junge Fischer, der nach einer Fußverletzung im Frühjahr mehrere Monate pausieren musste, weil er beim Segeln vor Mallorca in der Schlaufe seines 49ers hängengeblieben war und der Fuß noch immer nicht wieder hundertprozentig geheilt ist, blieb auch als Spitzenreiter gelassen und fokussiert: "Das ist für Deutschland ein bislang starkes Ergebnis. Aber an unserer aktuellen Zielsetzung ändert das aktuell nichts: Wir wollen ins Medaillenrennen und den Nationenstartplatz für Olympia 2020 sichern. Und wir freuen uns, morgen das gelbe Trikot tragen zu dürfen. So wie heute schon das rote…" Zum guten Ergebnis trugen am Donnerstag auch die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme bei, die nach verpatztem Auftakt inzwischen auf Platz 14 vorgerückt sind und an ihrem Ziel festhalten: die Teilnahme am Medaillenrennen. Für Freitag sind in Aarhus starke Winde vorhergesagt. Ein Tief aus Deutschland soll sie bringen. Die Veranstalter hoffen auf segelbare Bedingungen gegen Mittag.

Parallel zu den 49ern kämpft am Freitag Philipp Buhl im Medaillenfinale der Lasersegler um die Bronzemedaille. "Ich bin froh, dass ich mir diese Chance erarbeiten konnte und werde das ganze Rennen bis zum Anschlag kämpfen", sagte der 28-jährige Sonthofener. Am Abend wurde in Folge einer Jury-Entscheidung der Neuseeländer Sam Meech noch vom zehnten Rennen der Laser-Goldflotte disqualifiziert. Dadurch rückte Buhl (64 Punkte) vor dem Medaillenfinale auf Platz vier vor und muss sich nun voraussichtlich auf ein Duell um Bronze mit dem Briten Elliot Hanson (60 Punkte) einstellen, der gegen Meech (jetzt 75 Punkte) erfolgreich protestiert hatte. "Mir tut's für Sam in der Seele weh", sagte der mit Meech befreundete Buhl, obwohl er von der Entscheidung indirekt profitierte. Um Gold werden der führende Zypriote Pavlos Kontides (41 Punkte) und der Australier Matthew Wearn (45 Punkte) kämpfen.

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Mit guten Rennen am letzten Tag der FX-Goldflotte verabschiedeten sich Vicky Jurczok und Anika Lorenz positiv von der WM, konnten sich nach schwerer Woche um 13 Plätze verbessern. Insgesamt aber sind die Berlinerinnen mit WM-Platz 16 nicht zufrieden

Unglücklich und teilweise ratlos haben sich die sonst so leistungsstarken deutschen 49erFX-Seglerinnen am Ende der Goldflotten-Wettfahrten von der Weltmeisterschaft verabschiedet. Zwar konnten sich die Vize-Europameisterinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee am letzten Tag mit deutlich besseren Ergebnissen noch einmal um 13 Positionen (!) auf Platz 16 verbessern, doch auch das ist kein Ergebnis, mit dem die Weltranglisten-Vierten zufrieden sind. Die Berlinerinnen kamen im schwer zu interpretierenden dänischen Revier auf ihren Kursen nicht zurecht. Ebensowenig Tina Lutz (Chiemsee Yacht Club) und Susann Beucke (Hannoverscher Yacht-Club), die als 26. weit unter ihren Möglichkeiten agierten. "Wir sind fast fassungslos", sagte Sanni Beucke aus Strande, "wir hatten sogar gute Starts, doch egal wohin wir segelten – es war nicht der richtige Weg." Den fanden in den letzten beiden Tagen immer öfter die Österreicherinnen Tanja Frank und Lorena Abicht, die das Klassement der schnellen Gleitjollen bei den Frauen weiter anführen. Die Nacra-17-Bronzemedaillen-Gewinnerin von Rio und ihre Vorschoterin starten nach dem Ruhetag für die Skiffseglerinnen am Samstag als Spitzenreiterinnen mit 11 Punkten Vorsprung ins Medaillenfinale. Franks Erfolgsrezept: "Nicht so viel denken, in den komplizierten Windbedingungen alles simpel halten und einfach segeln."

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2018

Fanden in Aarhus nicht zu ihrer gewohnten Form: Tina Lutz und Susann Beucke im 49erFX

Tatjana Pokorny am 09.08.2018

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