Testregatta Rio

Das Paradies mit dem Müllproblem

Am Samstag beginnt die Testregatta für die Olympischen Spiele 2016. Für sieben deutsche Teams ist es eine wichtige Generalprobe

Tatjana Pokorny am 14.08.2015
Rio Testregatta 2015

Training vor der Testregatta im Olympiarveier von Rio zu Füßen der Erlöserstatue Christo Redentor

339 Segler und 239 Boote aus 52 Nationen starten am Samstag in die letzte große Generalprobe für die olympische Regatta 2016. Vor Rio de Janeiro sind zwölf deutsche Seglerinnen und Segler in sieben Disziplinen am Start. Sechs Trainer betreuen die Aktiven auf dem Wasser, darunter auch der neue Cheftrainer David Howlett, der zusätzlich das Coaching für die junge Nacra-17-Crew Paul Kohlhoff und Carolina Werner auf dem Wasser übernimmt. Der Rückblick auf die letzte olympische Regatta 2012 verrät, wie aussagekräftig ein Podiumsplatz bei der Testregatta im Jahr vor dem Olympischen Spielen sein kann: Im vergangenen Olympiazyklus gewannen 18 von 30 Medaillengewinnern der Testregatta ein Jahr später auch eine olympische Medaille – also immerhin 60 Prozent.

Rio Testregatta 2015

Erik Heil und Thomas Plößel testen das Revier in der Guanabara-Bucht

Rio Testregatta 2015

Tina Lutz und Susann Beucke trainieren in Rios Olympiarevier

Entsprechend hochmotiviert startet Laser-Vizeweltmeister Philipp Buhl in die Serie vom 15. bis 22. August. Der Sonthofener sagte: "Ich visiere eine Medaille an. Ein Test ist nur ein guter Test, wenn man ihn genau so nimmt wie die Spiele. Und eine Medaille wäre eine extrem wichtige Selbstvertrauensstütze für nächstes Jahr, die ich mir enorm gerne mitnehmen würde." Bei der Testregatta sind die Felder schon so klein wie bei den Olympischen Spielen. Die größte Flotte bilden die Lasersegler mit 46 Startern. Mit den kleinsten Feldern müssen die Athleten in den Disziplinen 470er Frauen, 49er, 49er FX und Nacra 17 zurechtkommen, wo nur jeweils 20 Boote zugelassen sind.

Rio Testregatta 2015

Philipp Buhl im Einsatz in brasilianischen Gewässern

Rio Testregatta 2015

Die 470er-Europameister Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski haben Spaß beim Training vor Rio de Janeiro

Alle werden darum kämpfen, dem Wettkampf ein Jahr vor der weltgrößten Sportveranstaltung ihren Stempel aufzudrücken. "Da hier nur die Besten der welt am Start sind, sind wir topmotiviert vorne mitzufighten", sagt 49er-Vorschoterin Susann Beucke, "natürlich ist uns ein gutes Abschneiden wichtig. 470er-Europameister Ferdi Gerz gibt ein weiteres Ziel vor: "Wir wollen mit der gesamten deutschen Mannschaft möglichst viele Erkenntnisse über das Revier sammeln." Auch RS:X-Surfer Toni Wilhelm blickt seinem Einsatz optimistisch entgegen: "Ich habe sehr gut und hart trainiert. Ich fühle mich gut und hoffe, dass ich hier eine tolle Leistung abrufen kann."

Die Aquece Rio International Sailing Regatta – so heißt die Testregatta offiziell – dient Beobachtern auch zu einer Beurteilung der aktuellen Lage im umstrittenen Olympiarevier. Nach wie vor gibt es viele Beschwerden über die Wasserqualität und den häufig entlang der Strömungskanten in der Bucht umhertreibenden Müll, der die paradiesische Kulisse unter Zuckerhut und Christo-Statue trübt. Die Organisatoren werden in dieser Regattawoche sechs Wettfahrtkurse in Betrieb nehmen. Drei davon befinden sich außerhalb der Guanabara-Bucht in saubereren Gewässern mit oft imposanter zwei bis drei Meter hoher Atlantikwelle, drei liegen nah an der Küste. Die Außenkurse heißen Pai, Copacabana und Niteroi, während innen in schwer zu lesender Strömung auf Pao de Açucar, Ponte und Escuele Naval gesegelt wird. Die Klassen rotieren.

Toni Wilhelm

Will im dritten Olympia-Anlauf endlich die ersehnte Medaille gewinnen: RS:X-Surfer Toni Wilhelm auf Kurs Rio

Hier geht es zum Überblick über die Regattakurse

"Die Stimmung im Team ist bestens, alle sind gut drauf", berichtet Teamleiterin Nadine Stegenwalner aus Rio de Janeiro. Nacra-17-Vorschoterin Carolina Werner sagt: "Rio ist absolut der Hammer. Toller Vibe hier in der Stadt. Wir hatten sehr effektive Trainingstage und sind topfit!" Gestartet werden sollen die Rennen täglich ab 13 Uhr Ortszeit (in Deutschland ist es dann bereits 18 Uhr). Weil es gegen 17.30 Uhr in Rio de Janeiro dunkel wird, bleibt bei schlechten Segelbedingungen wenig Luft für lange Verzögerungen. 

Tatjana Pokorny am 14.08.2015

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