Segeln olympisch

Das olympische Disziplinen-Karussell dreht sich weiter

Der Weltseglerverband baut sein Programm für Olympia 2024 um: Drei Disziplinen bleiben gesetzt, bei zweien wackelt das Boot. Für fünf könnte alles anders kommen

Tatjana Pokorny am 19.02.2018
Olympische Spiele 2016
Sailing Energy

Ihre Disziplin bleibt bis 2024 olympisch: Hier machen Erik Heil und Thomas Plößel ihren Salto ins Glück, nachdem die Berliner vor Rio gerade die Bronzemedaille im 49er gewonnen hatten

"Wir sind überglücklich über dieses Ergebnis", freute sich Marcus Spillane am Montag. Der Präsident der olympischen 49er-, 49erFX- und Nacra17-Klassen jubelt darüber, dass alle drei von ihm vertretenen olympischen Segeldisziplinen sicher für die Olympia-Regatta 2024 vor Marseille gesetzt sind. "Die sportpolitische Sicherheit, die uns diese Entscheidung gibt, wird es uns nun erlauben, den Fokus ganz darauf zu konzentrieren, unseren Seglern und ihrem Sport zu dienen, indem wir faire und unterhaltsame Rennen für alle bieten." Mit knapper Mehrheit (21:17 Stimmen) war das Council des Weltseglerverbandes World Sailing dem Vorschlag des Event-Komitees gefolgt, hatte fünf Disziplinen bestätigt und weitere fünf zur Überprüfung festgelegt.

Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz sind in dieser Saison bislang das internationale Maß im 49erFX: Ihre Disziplin ist bis 2024 sicher Teil des olympischen Programms

So spannend ging es 2016 im Kampf um die Medaillen in der Katamaran-Mixed-Disziplin zu. Der Nacra17 ist für 2024 gesetzt

Überprüft und möglicherweise verändert oder ausgetauscht werden die Surfdisziplinen RS:X Männer, RS:X Frauen, die Zweihand-Disziplinen 470er Männer und 470er Frauen sowie das Finn-Dinghy, das bislang als Einhand-Disziplin mit dem Zusatz "Schwergewicht" zum olympischen Segel-Programm zählt.

Die knappe Entscheidung des Councils zeigt aber auch, wie uneinig sich die nationalen Mitgliedsverbände über die Zukunft ihres Sports sind. Erst vor wenigen Monaten war der Vorschlag zugunsten von Finalrennen im "Theater-Stil" – sehr kurze Rennen auf sehr kurzen Kursen – ganz knapp mit 20:21 Stimmen abgelehnt worden. Mit dem aktuellen Votum zu den Disziplinen aber ist der Erneuerungsprozess, der das olympische Überleben des Segelsports für die Zukunft sichern soll, gerade erst eingeläutet.

Vor dem Hintergrund, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) künftig nicht mehr "nur" ganze Sportarten, sondern einzelne Disziplinen auf ihre Übereinstimmung mit den olympischen Anforderungen hin überprüft, muss auch jede einzelne Segeldisziplin diese Ansprüche erfüllen können. Zudem hat der Weltseglerverband dem IOC für 2024 nicht nur eine ausgeglichene Bilanz von Männern und Frauen im Teilnehmerfeld, sondern auch bei der Anzahl von Disziplinen zugesagt. Dieser Status wird 2020 bei der olympischen Regatta in Enoshima noch nicht erreicht, soll und muss aber bis 2024 hergestellt sein.

Mit der Auswahl der fünf zu überprüfenden Disziplinen ist nun Schritt eins auf dem Weg zur Neuaufstellung getan. In Phase 2 sollen die fünf offenen Events mit einer genauen Beschreibung definiert werden. Eine könnte – nur beispielsweise – "Küstennahe Kielboot-Staffel Mixed" heißen. Diese Phase beginnt Mitte März und endet mit dem Halbjahrestreffen des Weltseglerverbandes am 15. Mai in London. Erst in Phase 3 soll entschieden werden, mit welcher Ausrüstung, also mit welchen Booten oder Brettern die neu definierten Disziplinen antreten werden. Diese letzte Phase soll im November 2018 mit dem Jahrestreffen von World Sailing abgeschlossen werden, kann aber um bis zu maximal ein Jahr verlängert werden, wenn neue Boots-Designs oder starke Umbauten bestehender Designs erforderlich sind.

Ziel ist es, für die olympische Regatta 2024 bei maximal 350 Seglern und Seglerinnen 175 Männer und 175 Frauen im Spiel zu haben sowie die gleiche Anzahl von Männer- und Frauen-Disziplinen in Abhängigkeit von der voraussichtlich steigenden Anzahl an Mixed-Disziplinen. Mehr als zehn Disziplinen insgesamt sollen es auch künftig nicht werden. Athleten-Repräsentant Yann Rocherieux hat es laut 49er- und Nacra17-Klassenvereinigung gut auf den Punkt gebracht: "Wir vertrauen dem Council, dass es für 2024 Disziplinen wählt, in denen alle Segler die Möglichkeit haben werden, ihre olympischen Träume zu jagen. Auch wenn das bedeutet, dass einige Segler ihre jetzt ausgeübte Disziplin dafür wechseln müssen."

Bleiben Laser & Laser Radial als "Equipment"?

Philipp Buhl

Als Disziplin ist die Einhand-Jolle für Männer gesetzt. Als "Equipment" müssen sich der Laser beziehungsweise sein Hersteller und dessen Verträge mit dem Weltseglerverband eine Überprüfung mit Blick auf EU-Wettbewerbsrecht gefallen lassen. Gleiches gilt für Laser Radial sowie die RS:X-Surfbretter, die aber gleichzeitig auch noch als gesamte Disziplin geprüft werden

Nicht zur Überprüfung als olympische Disziplin vorgesehen sind im oben beschriebenen Prozess die Einhand-Disziplinen für Männer und Frauen, die seit 1974 und 2008 mit Laser und Laser Radial Teil des olympischen Segelprogramms sind. Ihre Sportgeräte beziehungsweise die Verträge zwischen ihrem Hersteller und dem Weltseglerverband werden jedoch mit Blick auf das EU-Wettbewerbsrecht und kartellrechtliche Bedenken hin überprüft. World Sailing will sicherstellen, "dass Segler, nationale Verbände und Olympia-Teams einen hochklassigen Service und Produkte von Herstellern zu wettbewerbsfähigen Preisen erhalten können". Bei der Überprüfung, der sich auch die olympischen RS:X-Boards unterziehen müssen, sollen Aspekte wie Eignung als Olympia-Disziplin, Preise, Bootsbauqualität, Verfügbarkeit und weltweites Angebot eine Rolle spielen. Die genaue Vorgehensweise bei diesem gesonderten Prozess und seine Kriterien will der Weltseglerverband bei seinem Halbjahrestreffen im Mai veröffentlichen. Über die Ergebnisse der Überprüfung soll im November 2018 entschieden werden. Auf den Punkt gebracht: Es muss nicht so kommen, aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Laser und Laser Radial für 2024 durch ähnliche Einhandjollen ersetzt werden.

Tatjana Pokorny am 19.02.2018

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