Laser-Weltmeisterschaft

Das brutale Ende eines starken Auftritts

Mit einem Frühstart hat sich Philipp Buhl am Finaltag um die mögliche Medaille gebracht. Seine Leistungen waren ein Jahr vor Olympia dennoch vielversprechend

Tatjana Pokorny am 09.07.2019
Laser Weltmeisterschaft 2019
Junichi Hirai/Bulkhead Magazine Japan

Laser-Weltmeisterschaft 2019: Philipp Buhl muss nach einem bitteren Frühstart mit Platz neun zufrieden sein, ist es aber nicht

So hatte sich Philipp Buhl seinen Finaltag bei der Laser-Weltmeisterschaft im japanischen Revier von Sakaiminato ganz und gar nicht vorgestellt: Ausgerechnet ein Frühstart im elften von zwölf Rennen hat den Steuermann vom Segelclub Alpsee Immenstadt vom Medaillenkurs abgebracht und auf Platz neun im Abschluss-Klassement zurückgeworfen. Wenn man die Geschichte dazu hört, dann weiß man, wie schmerzhaft Rennverlauf und das Ende dieser elften Wettfahrt für den Allgäuer und auch für seinen 22 Jahre jungen Teamkameraden Nik Aron Willim vom Norddeutschen Regatta Verein tatsächlich waren:

Laser Weltmeisterschaft 2019

Nik Aron Willims Gesamtergebnis litt wie das von Teamkamerad Buhl unter der Frühstart-Disqualifikation, kann sich aber mit Platz 28 in der großen Flotte von 156 Booten aus 57 Ländern trotzdem mehr als sehen lassen

Die beiden Deutschen sind ganz rechts und fulminant über die Startlinie gegangen. Im Verlauf des Rennens konnten sie sich immer besser durchsetzen. Oben am Luvfass vor dem letzten Kursabschnitt lagen sie bereits auf den Rängen zwei und fünf. Daraus machten sie im Doppelpass im Ziel die Ränge eins und zwei – einen deutschen Doppelsieg am so wichtigen Finaltag. Dachten sie zumindest. "Wir haben uns fünf Sekunden übelst gefreut", erzählt Philipp Buhl. Dann wurde klar, dass beide disqualifiziert worden sind. Obwohl Buhl weiß, dass der Konjunktiv im Sport wenig zählt, geht ihm später beim Rechnen durch den Kopf, dass die Ränge eins und zwei in diesem elften Rennen mindestens Bronze für ihn und einen starken 14. Platz für Willim bedeutet hätten. Hätten.

So beendeten Buhl und Willim die Welttitelkämpfe auf den Plätzen neun und 28 – immer noch ein gutes Resultat, dem einige starke Auftritte beider deutscher Laser-Akteure zugrunde liegen. Gehadert hat Buhl später nach der Sichtung von vier Videos und dem Ton-Mitschnitt vom Startschiff weniger mit der eigenen Disqualifikation, die er bei einem knappen halben Meter über der Linie als "zu akzeptieren" einstufte. Bedauerlich sei die Disqualifikation von Willim, bei dem es "maximal zehn Zentimeter" waren. Andere, die vor Willim die Startlinie gekreuzt hatten, seien nicht disqualifiziert worden. Und wenn man weiß, dass ein Laser am Start pro Sekunde etwa zwei Meter macht, dann ist auch klar, wie brutal eine Frühstart-Disqualifikation aufgrund weniger Zentimeter ist. Der Antrag der Deutschen auf Wiedergutmachung im Fall Willim aber wurde abgewiesen. "Ich werde dieses Rennen trotzdem als das geilste in Erinnerung behalten, dass wir beide je zusammen gesegelt sind", sagte Buhl, der Willim viel Respekt zollte. "Ich freue mich für Nik, denn der hat eine starke WM gesegelt."

Laser WM 2019

Ein gutes Jahr vor den Olympischen Spielen wiedererstarkt: Philipp Buhl im japanischen WM-Revier 

Die eigene WM-Bilanz des Olympia-Hoffnungsträgers für 2020 fiel nach dieser Achterbahnfahrt der Gefühle gemischt aus: "Vieles lief gut, und es ist auch ein gutes Gefühl, dass ich mit Medaillen- und sogar Titelchancen in der Spitze dieses Feldes gesegelt bin. Aber ich ärgere mich natürlich über meinen knappen Frühstart, die Medaille war drin. Und das tut jetzt erst einmal sehr weh – und das wird es auch noch eine ganze Weile tun! Bei Weltmeisterschaften ist es anders als bei anderen Regatten: Das zählt am Ende nicht, ob man zwischendurch gut war. Was zählt, ist das nackte Ergebnis. Das hatte ich mir anders gewünscht." Auch Bundestrainer Alexander Schlonski erlebte den Finaltag als "bitter", sieht seinen Top-Athleten aber auf gutem Weg: "Wir haben noch einige Detailarbeit vor uns, aber natürlich wird er 2020 in Japan zu den Medaillenkandidaten zählen." Zu Buhls Schwächen bei dieser WM zählt Schlonski die Starts, die der Steuermann auch selbst schon vor dem unglücklichen elften WM-Rennen kritisch beleuchtet hatte. Schlonskis gute Botschaft aber lautet: "Philipp hat sich nach schwierigem Saisonauftakt wieder gefangen. Für ihn ist alles wieder in Schlagdistanz."

Laser Weltmeisterschaft 2019

Verpasste das WM-Podium als Vierter knapp: der Neuseeländer Sam Meech

Den WM-Titel sicherte sich in der japanischen Miho-Bucht etwa 700 Kilometer entfernt vom Olympiarevier der australische Olympiasieger Tom Burton vor seinem Landsmann Matthew Wearn und dem Neuseeländer George Gautrey. Wie breit die Weltspitze inzwischen im Laser geworden ist, bezeugen die Platzierungen einer Reihe weiterer herausragender Laser-Akteure: Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt beendete die Welttitelkämpfe als Zwölfter. Doppel-Weltmeister Pavlos Kontides aus Zypern segelte auf Platz 18, und Buhls Trainingspartner Hermann Tomasgaard, der noch zu Saisonbeginn mit einer Siegesserie auf sich aufmerksam gemacht hatte, haderte mit Platz 42 im Abschlussklassement. Für den olympischen Bronzemedaillen-Gewinner Sam Meech aus Neuseeland reichte es mit einem Tagessieg am letzten Tag zu Platz vier vor dem britischen Doppel-Weltmeister Nick Thompson.

Hier geht es zu den Ergebnissen.

Laser Weltmeisterschaft 2019

Hatte auch am Finaltag alles im Griff: Olympiasieger Tom Burton aus Australien segelte in Japan zu WM-Gold

Tatjana Pokorny am 09.07.2019

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online