Segeln olympisch

Buhls Befreiungsschläge vor Melbourne

Laser-Steuermann Philipp Buhl hat mit zwei Tagessiegen die WM-Führung erobert. Auch Erik Heil/Thomas Plößel und Vicky Jurczok/Anika Lorenz bleiben stark

Tatjana Pokorny am 12.02.2020
Philipp Buhl
German Sailing Team / Lars Wehrmann

Philipp Buhl katapultierte sich am zweiten WM-Tag an die Spitze des Feldes

Auch am zweiten WM-Tag in Down Under konnten die Crews des German Sailing Teams erfolgreich punkten – allen voran Laser-Steuermann Philipp Buhl bei seiner Serie vor Melbourne. Mit zwei Tagessiegen übernahm der 30-jährige Allgäuer die Führung des mit 124 Booten aus 44 Ländern großen Feldes. "Es ist selten, dass man an einem Tag das Optimum rausholt", lobte Buhls Trainer Alex Schlonski die konzentrierte Spitzenleistung, "nach dem gelungenen Auftakt hat Philipp heute befreit und selbstbewusst agiert." Buhl selbst freute sich: "Das fühlt sich richtig gut an." Nach der nicht ganz leichten Saison 2019 hätte er in diesen ersten WM-Tagen nicht besser ins Olympiajahr einsteigen können.

Philipp Buhl

Glücklich im Laser: Philipp Buhl

Bemerkenswert sind dabei nicht nur die beiden souveränen Tagessiege selbst, in deren Verlauf Philipp Buhl seine Vorsprünge jeweils noch ausbauen konnte. Auch die Tatsache, dass der Sonthofener mit dem Australier Matt Wearn am Mittwoch zweimal den Vizeweltmeister und besten Starkwindsegler der Saison 2019 abhängen konnte, ist eine herausragende Leistung. "Das hatte ich mir ein bisschen erträumt", sagte Buhl lächelnd "der Auftakt hatte mir ein das Selbstvertrauen dafür gegeben. Matt ist schon sehr gut, nicht langsam und immer da." In Winden um zwölf bis 16 Knoten herrschten für die Laser-Asse Hängebedingungen. Da konnte Buhl, der sich in beiden Rennen des Tages eine frühe Führung erarbeitet hatte, im weiteren Verlauf sogar noch "einen Gang raufschalten". Bei seiner Prognose für die kommenden Tage bleibt der Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein aber trotz der drei Tagessiege in vier Rennen mit beiden Füßen auf dem Boden der Realität: "Wir haben morgen noch einen Qualifikationstag in voraussichtlich guten Winden. Danach erst geht es in der Goldflotte so richtig los." Hinter Buhl liegen nach den ersten vier Rennen der Franzose Jean-Baptiste Bernaz und der Kroate Tonçi Stipanoviç auf den Plätzen zwei und drei. 

Hempel World Cup Series Miami 2019

Erik Heil und Thomas Plößel

Auf der anderen Seite des australischen WM-Reviers der Phillip-Bucht segeln die Berliner 49er-Vizeweltmeister Erik Heil und Thomas Plößel weiter auf der Erfolgswelle. Der Crew vom Norddeutschen Regatta Verein gelang am Mittwoch ein Tagessieg, gefolgt von den Rängen 5 und 3. Die Bronzemedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 2016 ziehen als Gesamt-Vierte mit Medaillenaussichten in die Hauptrunde ein. Bundestrainer Marc Pickel über seine Schützlinge: "Sie zeigen und leben Demut, Hingabe und Spaß." Steuermann Erik Heil sagte: "Für uns war es ein erneut solider Tag. Wir sind also weiterhin gut unterwegs." Ihre Kieler Teamkameraden Justus Schmidt und Max Boehme katapultierten sich nach weniger gelungenem Auftakt mit den Rängen 3, 3 und 4 auf Platz 14 und ebenfalls in die Goldflotte. Alle weiteren deutschen 49er-Crews verpassten nach nur zwei Qualifikationstagen und gerade einmal sechs Wettfahrten der Cut. Besonders knapp galt das für Max Stingele und Linov Scheel vom Kieler Yacht-Club, denen zwei Punkte zum Einzug in die Top-Gruppe fehlten.

WM 49er

Erik Heil und Thomas Plößel im 49er in ihrem Element

Weltmeisterschaft 2020 49er 40erFX Nacra 17

Mit vollem Körpereinsatz im Rennen: Die Titelverteidiger Peter Burling und Blair Tuke haben am zweiten WM-Tag die Führung im 49er übernommen

Weltmeisterschaft 2020 49er 40erFX Nacra 17

Schnell unterwegs bei der Weltmeisterschaft: die Skiffseglerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz im 49erFX

Bei den 49erFX-Seglerinnen verteidigten Victoria Jurczok und Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee ihren vierten Platz. "Heute waren gute Starts gefordert", berichtete Vicky Jurczok, "die sind uns nicht immer gelungen. Dann aber haben wir gut aufholen können. Auch das war heute ein wichtiger Schlüssel." Tina Lutz (Holzhausen) und ihre Ersatzvorschoterin Lotta Wiemers (Kiel) mussten ihre Auftakt-Führung abgeben, rutschten mit den Rängen 19, 10 und 11 auf Platz sechs zurück, segeln aber nach dem gelungenen Auftakt weiter in Schlagdistanz zur Spitze. Einen kleinen Dämpfer mussten Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer hinnehmen. Die Kieler Nacra-17-Crew fiel im Revier vor Geelong mit den Rängen 14, 3 und 18 auf Platz zehn zurück.

Weltmeisterschaft 2020 49er 40erFX Nacra 17

Liegen nach zwei Segeltagen auf Platz zwei: Das prominente Geschwister-Paar Nathan und Haylee Outteridge kämpft um den australischen Olympia-Startplatz. Nationale Gegner sind die olympischen Silbermedaillen-Gewinner Jason Waterhouse und Lisa Darmanin, aktuell Sechste. Wie auch für die deutschen Segler, markiert die WM für die Besten aus Down Under eine wichtige Ausscheidungsregatta auf Kurs Enoshima 2020

Die britische 49erFX-Steuerfrau Charlotte Dobson und der italienische Nacra-17-Steuermann Ruggero Tita berichten über den Auswahlprozess der Olympia-Crews in ihrer Heimat – ein interessantes Pro- und Contra-Gespräch über frühe oder späte Entscheidungen und die damit für die beteiligten Sportler verbundenen Vor- und Nachteile. Auch für die Segler des German Sailing Teams markiert die WM eine entscheidende Woche auf Kurs Enoshima 2020. Für Laser-Ass Philipp Buhl ist es bereits die dritte und letzte Qualifikationsregatta. Er wollte sich möglichst früh ohne Ausscheidungs-Bedingungen auf Olympia konzentrieren können. Für die Skiffsegler ist es die zweite, intern vielleicht schon vorentscheidende Ausscheidungsregatta, für die national inzwischen konkurrenzlosen Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer die erste

Weltmeisterschaft 2020 49er 40erFX Nacra 17

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer im Nacra 17 vor Geelong

Tatjana Pokorny am 12.02.2020

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