Segeln olympisch

Buhl bricht den Bann: Weltmeister im Laser!

Für den deutschen Segelsport ist es ein historischer Erfolg: Philipp Buhl hat vor Melbourne die Weltmeisterschaft der Laserklasse gewonnen. AKTUALISIERT!

Tatjana Pokorny am 16.02.2020
Laser Worlds 2020 vor Melbourne
John West / Laser Worlds 2020

Heute ein Goldjunge: Philipp Buhl ist Weltmeister im Laser!

Die Momente, in denen sich Philipp Buhl und Bundestrainer Alex Schlonski nach dem Zieldurchgang des zwölften und letzten Rennen der Laser-Weltmeisterschaft vor Melbourne in den Armen lagen, werden beide so schnell nicht vergessen. "Dass Philipp hier so durchs Dach geht, das habe nicht erwartet. Wir hatten hier gut trainiert und sicher eine Medaille im Sinn, aber diese Leistung ist einfach unglaublich", sagte Schlonski, einst selbst ein Weltklasse-Lasersegler. Sieben Jahre hat Philipp Buhls Gipfelsturm nach der ersten gewonnenen WM-Bronzemedaille im Jahr 2013 gedauert. Jetzt hat er mit WM-Gold vor Melbourne in Down Under ein Kapitel deutscher Segelsportgeschichte geschrieben. Zum ersten Mal in der 46-jährigen WM-Historie der seit 1996 olympischen Laserklasse hat ein deutscher Steuermann den Titel gewonnen. Buhl war in seiner Karriere mit WM-Silber 2015 und dem zweiten Bronze 2018 schon mehrfach dicht dran. Nun hat er den einen der beiden Gipfel seiner Träume endlich erfolgreich gestürmt. Den Moment des Zieldurchgangs erinnert der Allgäuer so: "Da war einfach nur eine totale innere Zufriedenheit."

Philipp Buhl über die WM-Serie seines Lebens

Laser WM 2020

Tolles Trio: Weltmeister Philipp Buhl mit Trainingspartner Nik Aaron Willim (r.) und Bundestrainer Alex Schlonski

Laser Worlds 2020 vor Melbourne

Selbst als Titeljäger unterwegs, war Philipp Buhl eine Woche lang in Australien als Spitzenreiter der Gejagte. Diesem Dauer-Druck hielt er stand, gewann sein Gold mit zwölf Punkten Vorsprung

Laser Worlds 2020 vor Melbourne

Philipp Buhl im WM-Einsatz in der Phillip-Bucht

Seinen Titel sicherte sich der 30-jährige Sonthofener in herausragend besetztem Feld von 124 Booten aus 44 Nationen sogar ein Rennen vor Schluss. Da hatte er sich mit der imposanten Serie von 4, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 5, 6 und 10 bereits den notwendigen Vorsprung auf den Australier Matt Wearn erarbeitet, der zum dritten Mal in Folge Vizeweltmeister wurde. Mit einem erneut starken vierten Rang im zwölften und letzten Rennen machte Buhl seine WM-Gala dann perfekt. In der Endabrechnung hatte er zwölf Punkte Vorsprung vor Matt Wearn, der dem deutschen Rivalen fair gratulierte: "Philipp hat einen echt guten Job gemacht und ist stark gesegelt. Er hat diesen Titel sehr verdient." Platz drei sicherte sich der Kroate Tonci Stipanovic.

Mit seinem Triumph entthronte der erfolgreiche Akteur des German Sailing Teams nicht nur die Armada starker australischer Segler in ihrem Heimatrevier, sondern die komplette Weltelite. Zu den Geschlagenen zählte auch Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien, der bei dieser nicht nur, aber vornehmlich starkwindigen Serie in Folge seines Comebacks im vergangenen Jahr nicht zurechtkam, die Serie am Ende krankheitsbedingt aufgeben musste und als 42. beendete. Buhl sagte: "Es ist so oder so eine Ehre, mit Robert Scheidt in einem Feld zu segeln. Und wenn mal etwas weniger Wind ist, dann ist er auch ganz schnell wieder vorn. Ich hatte mit 15 Jahren ein Bild von ihm in meinem Schulordner kleben, habe ihn dann das erste Mal segeln sehen, durfte irgendwann da erste Mal gegen ihn antreten, und nun kommt mein Name auf den Pokal, auf dem seiner neunmal steht." Mit dem Titel warf Buhl auch seinen Handschuh in den olympischen Ring. Als Weltmeister wird er im Sommer gestärkt und "etwas entspannter" in seine zweite olympische Regatta im japanischen Revier von Enoshima starten, kann damit auch die verpatzte Olympia-Premiere 2016 abhaken.

Laser Worlds 2020 vor Melbourne

Im WM-Revier vor Melbourne war Philipp Buhl in seinem Element

Auf der anderen Seite der Phillip-Bucht, die DSV-Steuermann Buhl an diesem Sonntag nicht nur namentlich zu der seinen machte, fieberte sein Segelfreund und NRV-Clubkamerad Erik Heil mit ihm mit. Heil hatte einen Tag zuvor mit Thomas Plößel in derselben Bucht WM-Bronze im 49er gewonnen. Mit Buhl hatte er in der Vergangenheit des Öfteren davon gesprochen, dass Tom Slingsby und Nathan Outteridge ihre Vorbilder sind. Die beiden Australier gewannen 2012 Olympia-Gold – Slingsby im Laser, Outteridge mit Iain Jensen im 49er. Für diesen nächsten Gipfelsturm arbeiten auch die deutschen Top-Segler. "Ich freue mich über Buhlis Gold bei Weitem mehr als über unsere Bronze-Medaille. Das ist das Ding!", sagte Erik Heil in Geelong. Buhls Fazit: "Ich bin dem Titel schon ein paar Male sehr nahe gekommen. Er ist unglaublich schwer zu gewinnen. Ich glaube, dass es in der Laserklasse am härtesten ist, einen WM-Titel zu gewinnen. Ich bin einfach nur glücklich."

Laser Worlds 2020 vor Melbourne

Der Australier Matt Wearn: Der beste Starkwindsegler der Saison 2019 wurde zum dritten Mal hintereinander Vizeweltmeister

Glückwünsche für den neuen König der Laserklasse gab's am Sonntagmorgen nicht nur reichlich von der geschlagenen Konkurrenz im Sandringham Yacht Club; viele kamen auch aus der Heimat. Deutschlands erfolgreichster Segler Jochen Schümann gratulierte dem neuen Laser-Weltmeister aus dem Training vor Mallorca: "Der Titel ist supercool und wohlverdient. Bei Wind ist er offensichtlich der Beste! Das wird ihm Selbstvertrauen geben für alles andere. Eine gute Bestätigung für kontinuierliche Arbeit. Jetzt noch der nächste Schritt. Wir haben nun endlich mal wieder zwei echte Medaillenkandidaten im Laser und im 49er!" NRV-Geschäftsführer Klaus Lahme sagte: "Das ist die wohl erfolgreichste Woche für den NRV und das NRV Olympic Team mit zwei Medaillen an zwei Tagen und dem WM-Titel. Ich bin vor allem von der Souveränität beeindruckt, mit der Philipp diese Weltmeisterschaft gewonnen hat."

Buhl hofft, dass sein Erfolg den Segelsport hierzulande beflügelt: "Bei uns hat ja schon keiner mehr geglaubt, dass wir siegen können. Mit den zuletzt gewonnenen Medaillen wie an diesem Wochenende von Erik Heil und Thomas Plößel bei der 49er-WM zeigen wir, was möglich ist." Roland Gäbler, olympischer Bronzemedaillen-Gewinner von 2000, sagte: "Nur wer Ausdauer hat, kann Großes erreichen. Philipps professionelle Einstellung und sein Durchhaltevermögen sind vorbildlich und inspirierend." Der im Allgäu aufgewachsene, ehemalige Skirennfahrer Buhl hat sein Handwerk im Segelclub Alpsee-Immenstadt auf dem Großen Alpsee von Vater Friedel Buhl auf einem Flying Dutchman gelernt. Seiner Familie, seinen Partnern und Wegbegleitern widmet er den Titel: "Ich empfinde es als großes Privileg, Leistungssport auf diesem Niveau ausüben und mich für den Erfolg quälen zu dürfen. Ich danke denen, die es mir ermöglichen. Allen voran meinem Vater."

Sailing World Championships Aarhus 2018

So hatten sich Philipp Buhl und sein Trainer Alex Schlonski über die 2018 hart erkämpfte WM-Bronzemedaille in Aarhus gefreut. Jetzt hat Buhl Bronze in Gold verwandelt

Tatjana Pokorny am 16.02.2020

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