Barcelona World Race

Fa hat die Vendée Globe im Visier

Mit "Spirit of Hungary" hat das letzte Boot der Flotte das Barcelona World Race beendet. Nandor Fa, 61, plant nun seinen Vendée-Globe-Start

Tatjana Pokorny am 21.04.2015
Barcelona World Race 2014/2015

Unbändiges Glück: Nandor Fa und Conrad Coleman sind im Ziel

Nach 110 Tagen, 10 Stunden und 59 Minuten haben Nador Fa und Conrad Coleman mit "Spirit of Hungary" als letztes Team die Ziellinie der Vendée Globe erreicht. Damit ist die dritte Auflage des Zweihand-Klassikers von und nach Barcelona beendet. Der mit 61 Jahren älteste Skipper Fa und der mit 31 Jahren jüngste Co-Skipper Coleman haben die gesegelten 27.575 Seemeilen in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,4 Knoten absolviert. Der Ungar und der Neuseeländer brauchten für ihre Runde um die Welt 26 Tage und 5 Stunden länger als die Sieger Bernard Stamm und Jean Le Cam auf "Cheminées Poujoulat" und knapp fünf Tage länger als "Renault Captur" mit Jörg Riechers und Sébastien Audigane.

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Conrad Coleman (l.) und Nandor Fa im Glück

Barcelona World Race 2014/2015

Sie feiern ihre Ankunft wie einen Sieg und für sie ist es auch einer: Nandor Fa und Conrad Coleman auf "Spirit of Hungary"

Das Duo feierte seine Ankunft am späten Montagabend in Barcelona wie einen Sieg. Der überglückliche Nandor Fa sagte: "Ich bin hier! Wir sind hier! Ich kann nicht glauben, dass wir es geschafft haben. Wir sind hier! Hier sind wir!" Fa schrie seine Worte wieder und wieder in die dunkle Nacht und konnte kaum aufhören, sich zu freuen. Das Team hatte sich von dem Startschuss kaum gekannt, war aber im Verlauf der Hatz um den Globus zu einer Einheit zusammengewachsen.

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Hat für das kommende Jahr die Vendée Globe im Visier: Nandor Fa aus Ungarn

Obwohl Fa und Coleman zwei verschiedenen Generationen angehören und ganz unterschiedliche Regattaphilosophien vertreten, haben sie das von Nandor Fa selbst entworfene und gebaute Boot zurück in den Starthafen gebracht und ihre besondere Herausforderung bestanden. Leicht war das nicht immer, doch den zwei Grundprinzipien Geduld und Toleranz folgend, die sie in großen Lettern auf die Wände unter Deck geschrieben hatten, ist es gelungen. "Spirit of Hungary" hat ihre anspruchsvolle Jungfernfahrt gegen die Prognosen einiger Experten abschließen können. Für Nandor Fa war es die vierte Runde um die Welt, für Coleman die zweite.

Wie Jörg Riechers und Sébastien Audigane auf "Renault Captur" hatten auch Fa und Coleman einen Reparaturstopp in Neuseeland einlegen müssen. Probleme mit den Kielbolzen bis hin zur Sorge, das Boot doch aufgeben zu müssen, überschatteten die Kap-Hoorn-Passage. Doch während Jörg Riechers und Sébastien Audigane zuvor bei Kap Hoorn einen Orkan mit Winden bis zu 70 Knoten hatten abwettern müssen, wurden Fa und Coleman immer wieder von flauen Phasen gebremst. Sie jagten der Flotte von Beginn an mit schnell wachsendem Abstand hinterher, haben aber die Erfahrungen gesammelt, die sie nun in neue Pläne investieren wollen. Sowohl Nandor Fa als auch Conrad Coleman haben einen Vendée-Globe-Start ins Visier genommen.

Nandor Fa sagte in Barcelona: "Für mich war dieses Rennen wichtig, um etwas über mich selbst zu erfahren. Ich kann lernen und ich kann trainieren, aber ich musste herausfinden, ob ich immer noch derselbe Nandor wie vor 25 Jahren bin. Ich wollte wissen, wer ich bin und wie viel ich noch bin. Werde ich diese Art des Regattasegelns beherrschen, die so anders ist als in der Vergangenheit? Die Boote sind so anders, die Geschwindigkeiten so viel höher. Und alles ist einfach total anders. Es gibt so viel zu lernen. Ich habe festgestellt, dass ich körperlich für ein Solo-Rennen okay bin. Ich fühle mich stark genug und kenne mich selbst gut genug, um die Vendée Globe anzugehen."

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Das Ende markiert auch für Coleman den Aufbruch zu neuen Ufern. Der Neuseeländer nimmt ebenfalls die Vendée Globe ins Visier

Conrad Coleman verfolgt ganz ähnliche Pläne. Seine Bilanz: "Wir sind als Fremde in dieses Rennen gestartet, wir kannten uns kaum. Doch wir sind zusammengewachsen, haben hart zusammengearbeitet und es hinbekommen. Es war eine erstaunliche Erfahrung. Das Segeln mit Nandor war unglaublich." Die Crew war ohne gemeinsames Training und mit lückenhafter Segelausstattung in das Rennen gestartet. Für sie war von Beginn an Ankommen das Ziel. Das haben sie erreicht.

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Schöne Geste: Die Sieger Bernard Stamm (2.v.r.) und Jean Le Cam (2.v.l.) ließen es sich nicht nehmen, den Schlusslichtern im Barcelona World Race 2014/2015 persönlich zum Abschluss zu gratulieren

Tatjana Pokorny am 21.04.2015

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