America's Cup

Zäh und zögerlich in Richtung Ziel

Erneut ist eine Frist ohne nennenswerte Neuigkeiten verstrichen. Die Verteidiger tun sich schwer mit dem Durchstart in den 35. America's Cup

Tatjana Pokorny am 10.08.2014
America's Cup World Series

Früher sah man vor der Skyline San Diegos die Zwölfer und die IACC beim Schausegeln, heute sind's die flotten AC 45

Die America's-Cup-Verteidiger strapazieren die Nerven der Segelwelt. Erneut ist bei den Vorbereitungen für die 35. Auflage der bekanntesten Regatta der Welt eine Frist ohne nennenswerte Nachrichten verstrichen. Die Deadline für das Einreichen von Herausforderungen lief bereits am 8. August aus. Doch außer dem in Eigeninitiative an die Öffentlichkeit gegangenen Emirates Team New Zealand halten sich die Cup-Teams und die US-Verteidiger weiter bedeckt. Erst am 20. August wollen die Amerikaner die eingereichten Herausforderungen mit den jeweiligen Teams durchgearbeitet haben. Am 9. September dann sollen die Herausforderer zur 35. Cup-Auflage in London vorgestellt werden – fast ein Jahr nach dem Sieg der Amerikaner im 34. America's Cup am 25. September 2013.

ACWS

Weiß sicher mehr, als er verrät: Oracles Vordenker Russell Coutts

Das Motto der vergangenen Monate also bleibt: Das Warten geht weiter! Die Verteidiger verrieten nicht einmal die Anzahl der Herausforderer. Noch immer steht der Austragungsort für die 35. Cup-Auflage nicht fest. Die Entscheidung soll bis Jahresende zwischen San Diego und Bermuda fallen. In San Diego hat der America's Cup in den Jahren 1988, 1992 und 1995 bereits dreimal stattgefunden. Bermuda läge aus europäischer Sicht geografisch günstiger, vier Stunden dichter an europäischen Fernsehzeiten und gilt als Steueroase. Doch die Inselgruppe steht als britisches Überseegebiet unter Hoheit des Vereinigten Königreiches, was wiederum bei amerikanischen Cup-Fans nicht gut ankommt, die eine Verteidigung der "Auld Mug" in einem US-Revier fordern.

Während mit den Katamaranen vom Typ AC 62 zwar der Bootstyp feststeht, lässt auch die exakte Definition des Formats für die Herausfordererrunde und die Qualifikation zum Cup-Duell auf sich warten. Das kann angesichts der vielen Unbekannten im Spiel nicht anders sein, denn das Format ist abhängig von der Anzahl der Herausforderer. Rutscht die Zahl der Herausforderer gar unter vier, muss komplett neu gedacht werden.

Bislang rechnet die Fachwelt mit maximal fünf Herausforderern, allen voran mit dem potenten britischen Team um Sir Ben Ainslie. Der mit vier olympischen Goldmedaillen hochdekorierte Chef seines Syndikats Ben Ainslie Racing konnte in den vergangenen Wochen einige Fortschritte bei der Suche nach Partnern vermelden. Dass die Pressekonferenz der Cup-Verteidiger nicht in der eigenen Heimat Amerika, sondern in London stattfinden soll, ist ein starkes Signal in Richtung der britischen Herausforderer vom legendären britischen Segelverein, der Royal Yacht Squadron. 

LVC - HF - R4

Bertelli (Luna Rossa) und Tornqvist (Artemis Racing) kämen theoretisch als Challenger of Record in Frage. Entscheidend ist: Wer hat als Erster nach dem australischen Team, das inzwischen zurückgezogen hat, seine Herausforderung eingereicht?

Unter den potenziellen vier europäischen und einem neuseeländischen Herausforderer gilt Luna Rossa aus Italien derzeit als heißester Kandidat für die Nachfolge des ausgefallenen australischen Challenger of Record. Die Cup-erfahrenen Italiener um "Mr. Prada" Patrizio Bertelli könnten die Rolle des Verhandlungsführers der Herausforderer übernehmen. Doch auch diese Entscheidung, die laut Cup-Statuten längst gefallen sein muss, weil die Rolle des "Challenger of Record" in der Reihenfolge der eingetroffenen Herausforderungen vergeben wird, bleibt vorerst geheim.

Gar nicht geheim ist die Tatsache, dass Team New Zealand nach der bitteren Niederlage erneut nach der verschnörkelten Silberkanne greifen will. Am Freitag sagte Teamchef Grant Dalton: "Für uns ist die Bekanntgabe unserer Herausforderung der offizielle Startschuss zu einer langen und harten Reise." Mit dem Gang in die Öffentlichkeit düpierten die Kiwis die Amerikaner ein wenig, die ihre Herausforderer sicher gern selbst vorgestellt hätten. Und man darf das Vorpreschen der Neuseeländer durchaus als kleinen Racheakt für den erst vor wenigen Wochen erfolgten Ausschluss aus den Gesprächen zwischen Verteidiger und potenziellen Herausforderern verstehen. Die Rolle des schwarzen Schafes im Cup-Karussell hat damit vorerst Team New Zealand übernommen. Vermutlich mit einigem Vergnügen.

Laut Insidern soll außerdem das französische Team France ebenso seine Herausforderung eingereicht haben wie das schwedische Team Artemis. Es bleibt zu hoffen, dass die Verteidiger im September aus vielen Fragezeichen endlich einige Ausrufezeichen machen können, für die ihnen zurzeit offenbar noch ausreichend gute Nachrichten fehlen.

Tatjana Pokorny am 10.08.2014

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