Team New Zealand greift nach Segel-Speedrekord an Land
Speed-Flüsterer Glenn Ashby jagt einen Traum

Ineos Britannia arbeitet mit Mercedes-AMG Petronas, auch Alinghi hat sich Formel-1-Flügel gesichert. DIe Neuseeländer machen es – mal wieder – in Eigenregie

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 21.02.2022
Glenn Ashby mit dem America's Cup, den er schon dreimal gewinnen konnte Glenn Ashby mit dem America's Cup, den er schon dreimal gewinnen konnte Glenn Ashby mit dem America's Cup, den er schon dreimal gewinnen konnte

Emirates Team New Zealand Glenn Ashby mit dem America's Cup, den er schon dreimal gewinnen konnte

Dreimal hat Glenn Ashby den America’s Cup gewonnen, 17-mal bei Weltmeisterschaften in vier verschiedenen Klassen triumphiert. Bei Olympia gewann er 2008 mit Darren Bundock Silber im Tornado, später fand er sein seglerisches Zuhause beim Emirates Team New Zealand. Mit den Kiwis gewann er die wichtigste Trophäe der Segelwelt 2017 und 2021, ist auch im laufenden 37. Cup-Zyklus wieder eine Schlüsselfigur der neuseeländischen Cup-Verteidigung, die 2024 gelingen soll. Wieder stehen im Zentrum von Ashbys Arbeit Technologie und Innovation im Kampf um Geschwindigkeitsvorteile. Und das nicht nur auf dem Wasser.

Emirates Team New Zealand Glenn Ashby schaut sich schon nach den passenden Untergründen für den Weltrekordversuch um

Bei Ashbys Arbeit kam die Idee auf, den Geschwindkeitsrekord unter Segeln an Land anzugreifen. Dafür wurde ein Projektteam zusammengestellt, das unabhängig vom America’s-Cup-Team finanziert wird. Weitere Teammitglieder unterstützen das Vorhaben ebenso wie externe Experten. Auch CEO Grant Dalton ist fasziniert, hat den Segel-Speedrekord an Land oft mit Ashby diskutiert: „Der Geschwindigkeitsrekord unter Segeln an Land ist etwas, das mich immer schon interessiert hat. Als ich also eine Design-Herausforderung wie diese ins Emirates Team New Zealand einbringen konnte, wusste ich, dass es an mehreren Fronten von Vorteil wäre, die Techniker und innovativen Kräfte der Organisation während der weniger ausgelasteten Zeit mit neuen komplexen technischen Fragestellungen zu fordern, die es mit einem coolen Projekt zu lösen gilt.“ Hier stellen die Neuseeländer ihr Rekordprojekt vor (bitte anklicken!) .

Glenn Ashby, der in den vergangenen zehn Monaten nicht nach Neuseeland einreisen konnte, wird von seinem Team in der Vorphase der neuen Neben-Herausforderung als „Katze auf dem heißen Blechdach“ beschrieben. Ashby selbst sagt, er habe noch nie so viel Zeit am Computer verbracht wie im zurückliegenden Jahr. "Als Grant dann sagte, dass wir uns das Projekt nach dem 36. America’s Cup ansehen könnten, sind wir alle durchgestartet", erzählt Ashby. Begonnen haben sie mit einer zweiwöchigen Machbarkeitsstudie. Dabei wurde das Projekt nicht nur auf seine Vorteile für die Cup-Kampagne hin abgeklopft, sondern auch sichergestellt, dass die Cup-Ziele weder finanziell noch in Bezug auf die Ressourcen beeinträchtigt werden würden. Die Gruppe, die für das Rekordvorhaben arbeitet, ist mit Guillaume Verdier, Romaric Neyhousser, Benjamin Muyul, Jeremy Palmer, Romain Gard, Tim Meldrum, Sean Regan, Adrian Robb, Jarrod Hammond und Dave French stark besetzt. Alle eint das Ziel: den aktuellen Land-Geschwindigkeitsrekord unter Segeln von 202,9 km/h zu schlagen, den Richard Jenkins 2009 aufgestellt hat.

Hamish Hooper/Emirates Team New Zealand Reifen statt Foils: eine der Herausforderungen des ambitionierten Kiwi-Projekts

Auch Neuseelands Teamdirektor Matteo de Nora unterstützt das Projekt und sagt: “Wir erleben aktuell gerade einige sehr enge Kollaborationen, bei denen das Design zunächst mit Ineos Britannia und Alinghi und Red Bull Racing in das Gebiet der Formel 1 vordringt. Das ist kein Zufall. Sie konzentrieren sich auf die Höchstgeschwindigkeiten und das, was sie lernen können, je schneller sie fahren können. Dieses Projekt wird also zur Weiterentwicklung beitragen und dazu, mehr im aerodynamischen Bereich zu lernen, was im 36. America’s Cup ein wesentlicher Faktor war.“ Mindestens einen klaren Unterschied allerdings gibt es zwischen den Segelrennern auf dem Wasser und an Land: Letztere haben Räder und funktionieren unabhängig von den hydrodynamischen Kräften, die auf Foils im Wasser wirken. „Das ist die große Unbekannte für uns“, sagt auch ETNZ-Maschinenbauingenieur Tim Meldrum.

Emirates Team New Zealand In der Animation: ein Blick auf die Arbeit der Kiwis an dem Geschoss, das einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Fahrzeuge unter Segeln an Land aufstellen soll

Ein weiteres widersprüchliches Problem zur Norm im America’s Cup ist das Fahrzeuggewicht. Je weniger eine AC75-Yacht wiegt, desto einfacher ist sie auf Foils zu „fliegen“ und desto schneller wird sie. Bei einer „Landyacht“ ist das Gewicht in bestimmter Hinsicht eher positiv. Bauleiter Sean Regan sagt: „Bei der Geschwindigkeit an Land wird das Gewicht eher unser Freund sein, wenn es an der richtigen Stelle eingesetzt wird.“ Potenzielle Rekord-Arenen für mögliche Rekordversuche im Juli oder Anfang August sind nach Team-Aussage die Salzseen Gairdner in Südaustralien oder Lefroy in Westaustralien. Das Rekordfahrzeug befindet sich bereits an Aucklands Nordküste im Bau, soll Ende März fertiggestellt sein und dann erste Tests absolvieren. Ashby fasst zusammen: “Offensichtliches Ziel ist es, ein Fahrzeug zu entwerfen, das zur schnellsten windgetriebenen Landyacht aller Zeiten wird. Das ist eine verdammt aufregende Sache, die wir hier erreichen wollen.“


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: America's Cup

Anzeige