America's Cup

Was Sir Ben Ainslie über die Boote der Cup-Konkurrenz denkt

In einem Podcast hat sich der erfolgreichste Olympiasegler der Sportgeschichte über die ersten vier AC75-Yachten der Teams im 36. America's Cup geäußert

Tatjana Pokorny am 10.01.2020
Ineos Team UK
Ineos Team UK

Das Ineos Team UK beim Training im Heimatrevier

America's-Cup-Ouvertüre

Sir Ben Ainslie

Im Gespräch mit Mark Chisnell, Technologie-Koordinator im eigenen Haus, Yachtsport-Journalist und Buchautor, hat sich Sir Ben Ainslie ausführlich zu den ersten, inzwischen seit mehreren Monaten testgesegelten Entwürfen aller vier aktuellen Cup-Teams geäußert. Der britische Teamchef und Skipper des Ineos Team UK zeigt sich dabei fasziniert von der Entwicklung der ersten Yachtgeneration der neuen futuristischen AC75-Klasse, bezeichnet den italienischen Entwurf als "aggressiv" und sieht logische Übereinstimmungen zwischen dem neuseeländischen und dem italienischen Weg auf der einen und dem amerikanischen wie dem eigenen Team auf der anderen Seite.

Ineos Team UK

Auffällig an der ersten britischen Cup-Yacht ist unter anderem die glatte Rumpfunterseite. Bleibt sie es auch beim zweiten Boot, oder werden die Briten dem Konzept der Kiwis und Italiener folgen?

Die Gemeinsamkeit aller vier Boote ist nicht nur für Cup-Jäger Ainslie bei der Draufsicht offensichtlich: "Es geht tatsächlich darum, den Rumpf als durchgehendes Stück wirken zu lassen – vom Bug bis zum Heck. Als Endplatte für das Großsegelprofil. Daraus ergeben sich sehr, sehr große aerodynamische Vorteile. Alle vier Teams haben extrem in diese Richtung gearbeitet. Daraus haben sich eben diese Schützengräben ähnlichen Cockpits auf beiden Seiten des Bootes ergeben. Das ist die Konstante, die alle Teams verbindet. Hat man einmal diesen Mittelteil und die Einlassungen auf beiden Seiten, ist die Mannschaft strömungstechnisch ideal untergebracht, ihr Windwiderstand auf ein Minimum reduziert."

Zur Gestaltung der beiden "Cockpits" sagte Ainslie: "Da gibt es definitiv Unterschiede. Wechselt deine Crew in traditioneller Weise komplett die Seiten, oder entscheidest du dich dafür, sie so aufzuteilen, dass die Segler fest auf einer Seite agieren? Da gibt es einerseits Vorteile im Bereich des aufrichtenden Moments, andererseits Vorteile im Bereich der puren Krafteffizienz, wenn die Leute nicht wechseln. Das ist ein spannende Abwägungsfrage in dieser neuen Klasse."

Über die AC75-Yacht der Neuseeländer sagte der 42-Jährige: "Ich denke, das Kiwi-Boot ist ziemlich aufregend. Wie auch das Prada-Boot. Sie sind sich konzeptionell recht ähnlich. Ich habe sie schon ziemlich früh in Neuseeland beobachten können. Wenn du Segelsportfan und Fan der damit verbundenen Technologie bist, dann kannst du von diesen Booten, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Potenzial nur fasziniert sein. Die Kiwis haben diesen Wulst unter dem Rumpf, um dem Boot in seiner Beschleunigungsphase auf die Foils zu helfen. Es ist ein ziemlich starkes Boot. Das muss man fairerweise sagen. Auch die Italiener versuchen, diesen Wulst in ihr Konzept einzubeziehen. Ich denke, ihr Boot ist noch etwas aggressiver als das der Kiwis. Aber ist es einmal aus dem Wasser heraus, kann es ein ziemlich starkes Boot sein. Es wird interessant sein zu sehen, wie es bei langsamer Geschwindigkeit im Verdrängungsmodus läuft. Aber es ist eine sehr kreative Variante. Ich mag eine ganze Menge der Ideen auf dem italienischen Boot. Sie haben die Grenzen im Bereich der Kreativität wirklich verschoben. Das ist cool zu sehen."

Luna Rossa Prada Pirelli Team

Trotz Schatten gut zu erkennen: der geformte Rumpf der ersten italienischen Cup-Yacht

Den amerikanischen Entwurf vergleicht Ainslie mit dem eigenen – und er hält das für keinen Zufall: "Wir haben bezüglich des Kenntnisstandes, den wir zu dem Zeitpunkt hatten, als wir das Design verabschieden mussten, einen anderen Ansatz gewählt. Es sind eher Boote, die um den Zustand herum kreiert worden sind, sich im Verdrängungsmodus zu befinden und die ihren Rumpf zur Beschleunigung in diesem Verdrängungsmodus nutzen, um sich dann zu erheben." Es gibt laut Ainslie "interessante Betrachtungsweisen" dazu, wie die vier Schiffe sich außerhalb des Wassers bewegen. Der Ausnahmesegler verweist auch darauf, dass die Dynamik, in der die neuen Boote gesegelt werden, ihren Anteil an der Definition daran haben werden, welches Paket am Ende die beste Leistung bringen wird.

Emirates Team New Zealand

Auch die erste Kiwi-Yacht ist mit "Kiel-Wulst" im Einsatz. Wird die zweite es ebenfalls sein?

Für alle vier Teams hat die Design-Phase der jeweils zweiten erlaubten Cup-Yacht bereits begonnen. "Wie man sich sicher vorstellen kann", so Ainslie, "ist das eine ganz entscheidende Phase für das Team. Hat man sich einmal für eine Rumpfform entschieden, dann ist es das auch. Man kann dann natürlich noch Modifikationen am Rumpf vornehmen, ihn aber nicht mehr fundamental verändern. Es ist also von ziemlich entscheidender Bedeutung, das richtig hinzukriegen."

Der komplette Podcast mit Ainslie ist hier zu hören.

Tatjana Pokorny am 10.01.2020

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


    ANZEIGE

    Weitere News und Angebote

Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online