America's Cup
Vorentscheidung oder Vorgeplänkel?

Die Informationspolitik der Cup-Organisatoren bleibt von Scheibchentaktik geprägt. Bermuda wird Austragungsort für ACWS-Regatta. Mehr nicht?

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 05.11.2014

Robert Skinner Bermuda: britisches Überseegebiet und Inselschönheit mit traumhaftem Regattarevier

Nichts Neues aus dem Westen: Die America's-Cup-Organisatoren fahren mit ihrer scheibchenweisen Bekanntgabe von Informationen zur 35. Austragung fort. Während die Segelwelt begierlich darauf wartet, dass die Amerikaner endlich den Ort für das 16. Duell um den America's Cup im Jahr 2017 bekanntgeben, verkünden die Männer an den Schalthebeln der Cup-Macht fröhlich das Revier für eine der Regatten der America's-Cup-Weltserie (ACWS) im kommenden Jahr. Und zwar ausgerechnet Bermuda, einer von nur noch zwei Bewerbern um die Austragungsrechte für den America's Cup in drei Jahren.

Bermuda Tourism Segler lieben Bermudas Gewässer

Was soll man davon halten? Signalisiert der Zuschlag für eine ACWS-Regatta an Bermuda schon die Vorentscheidung im Ringen um die Hauptveranstaltung? Oder repräsentiert die Pressemitteilung das Trostpflaster für Bermuda, weil der Cup am Ende doch vor San Diego ausgetragen wird? Nach Meinung vieler Experten könnte es so sein. Gegen Bermuda als Cup-Revier spricht, dass der Inselstaat ein britisches Überseegebiet ist und es die amerikanische Verteidiger-Seele doch zu empfindlich treffen würde, die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports nicht in heimischen Gewässern zu verteidigen.

Bermuda Tourism Gastfreundlich, klein, kuschelig und wunderschön: Der Hafen und das Segelrevier vor Bermudas Küste

Gegen Bermuda als Segelrevier spricht wenig. Matchrace-Profis und Hochseesegler (Newport Bermuda Race) segeln seit Jahrzehnten liebend gern dort. Nun soll also im Great Sound vom 16. bis 18. Oktober 2015 eine ACWS-Regatta stattfinden. Natürlich werden in der Pressemitteilung alle Beteiligten hoffnungsfroh zum angeblich weiterhin offenen Rechte-Duell zwischen San Diego und Bermuda zitiert. Bermudas Premierminister Michael Dunkley sagte: "Das Revier von Bermuda ist für Regatten ideal geeignet, wie jeder bestätigen kann, der hier schon gesegelt hat. Wir sind begeistert darüber, dass unsere Insel Teil des nächsten America's Cup sein wird." Bermudas Bildungs- und Wirtschaftsentwicklungsminister Grant Gibbons äußerte: "Unser Team arbeitet hart daran, den America's Cup nach Bermuda zu bringen, und wir sind wirklich begeistert, dass die America's-Cup-Weltserie im nächsten Jahr zu uns kommt."

Auch Harvey Schiller, kaufmännischer Direktor des 35. America's Cup, bemühte sich auffällig darum, die Spannung im Rennen um die Cup-Austragungsrechte aufrechtzuhalten. Er sagte: "Als wir uns Bermuda als potenzielles Austragungsrevier für 2017 angesehen haben, war schnell klar, dass es ein idealer Revier für eine Regatta der Weltserie sein würde. Ganz unabhängig von der finalen Entscheidung." Wirklich? Wie immer die Entscheidung – angekündigt ist sie für Dezember – ausfallen wird: Bermuda darf sich damit trösten, dass es eines der weltweiten Lieblingsreviere der Segler bietet. Ben Ainslie und Weltsegler des Jahres Jimmy Spithill haben hier schon den Gold Cup gewonnen, Russell Coutts sogar sieben Mal. Doch ging es bei den Revierentscheidungen im America's Cup in der Vergangenheit eher selten darum, was sich die Segler wünschten.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: America's CupAmerica's-Cup-WeltserieBen AinslieBermudaJimmy SpithillRussell CouttsSan Diego

Anzeige