America’s Cup

Vor 25 Jahren: als der America's Cup „Neuseelands Cup“ wurde

Die neuseeländische Geschichte im America’s Cup ist die von David gegen Goliath. Der erste Triumph am 13. Mai 1995 machte Neuseeland zur Segelsupermacht

Tatjana Pokorny am 13.05.2020
America's Cup
ETNZ

Der America's Cup wurde 1995 "Neuseelands Cup". Auch aktuell sind die Kiwis die Verteidiger

„Der America’s Cup ist jetzt Neuseelands Cup!“ Mit diesem legendären Satz kommentierte Sportreporterlegende Peter Montgomery Team New Zealands ersten Triumph im America’s Cup am 13. Mai 1995. Der Kiwi-Coup gelang vor einem Vierteljahrhundert, als das Segelteam auf der neuseeländischen „Black Magic“ (NZL 32) im Revier vor San Diego Amerika’s-Cup-König Dennis Conner und dessen Stars-and-Stripes-Team nach zwei Jahrzehnten Cup-Dominanz entthronte. Zwar hatte Conner den Cup auch zwischendurch einmal verloren (1983), die Silberkanne seiner Träume jedoch 1987 in die USA zurückholen können.

America's Cup 1995

Sieger-Briefmarke in Erinnerung an den Kiwi-Coup 1995

Die Kiwis um ihren Steuermann Russell Coutts und Teamchef Sir Peter Blake demontierten Conners US-Team vor 25 Jahren mit einer makellosen 5:0-Serie, in deren Verlauf die Nation daheim in einen kollektiven Freudentaumel verfiel. Fast zehn Jahre lang hatte das kleine Neuseeland mit den amerikanischen und anderen Cup-Giganten um den America’s Cup gerungen. Das neue Cup-Kapitel schrieben die Ozeanier im vierten Anlauf mit dem kleinsten Budget, aber den besseren Seglern und dem schnelleren Boot. Der damalige Teamchef Sir Peter Blake, der sechs Jahre später 2001 bei einer Expedition im Amazonas-Delta von Piraten ermordet wurde, sagte: „Wir haben das Unmögliche möglich gemacht. Darin liegt die Magie dieses Erfolgs.“ 

Die Reaktionen der Menschen in Neuseeland

Die ausführliche Story des neuseeländischen Cup-Triumphs von 1995

America's Cup

Eine der Rote-Socken-Kampagnen von Team New Zealand

Zum Glücksbringersymbol für den Aufstieg Neuseelands zur neuen Segelsupermacht wurden Peter Blakes rote Socken. Die von seiner Ehefrau Pippa geschenkten Strümpfe trug der charismatische und humorvolle Blake, der vor seinem America’s-Cup-Einsatz als Weltumsegler zu Weltruhm gelangt war, beim Segeln stets. Weil er aber bei einer der wenigen Niederlagen in der Cup-Vorrunde einmal nicht an Bord war, ließ das Team in der Folge weder Blake noch die Socken während des 29. America’s-Cup-Matches 1995 jemals wieder an Land. Seitdem tragen Neuseeländer in Cup-Zeiten als Zeichen der Solidarität im ganzen Land rote Socken. „Wenn ihr fragt, ob wir abergläubisch seien, dann ist die Antwort ja“, sagte Blake dazu einmal mit Spitzbubenlächeln in einem Fernsehinterview.

Sir Peter Blake

Sir Peter Blake mit Ehefrau Pippa und den Kindern als "Steinlager 2"-Skipper im Whitbread Round the World Race

Elf Tage nach ihrem historischen Sieg von 1995 landete das Team mit der Chartermaschine NZ1032 in Auckland. Der Amerika entrissene America’s Cup hatte die Reise um die halbe Welt auf einem eigenen Erste-Klasse-Sitz absolviert – das ist seitdem eine Tradition. Noch auf dem Rollfeld sorgten Feuerwehrwagen mit Wasserfontänen für ein Regenbogen-Festival, während die Morgennachrichten die Ankunft der Cup-Helden landesweit übertrugen. Es folgte die bis heute größte Siegerparty in der Geschichte Neuseelands. „Nichts auf der Welt hätte uns auf diesen Empfang vorbereiten können“, sagte Peter Blake. 350.000 jubelnde Menschen – mehr als ein Drittel der Einwohner Aucklands – feierten die Cup-Helden allein in den Straßen der Stadt, bevor die Triumphreise durchs ganze Land begann. 

Damals konnten die Kiwis nicht ahnen, durch welche Höhen und Tiefen sie in den kommenden 25 Jahren würden gehen müssen. Es folgte die erfolgreiche Cup-Verteidigung zur Jahrtausendwende in Auckland. Dann der Bruch: Neuseelands beste Segler um Gallionsfigur Russell Coutts wurden in unsicheren finanziellen Zeiten von Milliardär Ernesto Bertarelli abgeworben, sahen sich deswegen im Rahmen der „Loyal-Kampagne“ brutalen Anfeindungen im eigenen Land ausgesetzt. Doch sie gewannen den America’s Cup 2003 für die Schweiz und entführten die „bodenlose Kanne“ aus dem heimischen Auckland nach Europa. Es folgen für die Kiwis die Niederlage 2007 gegen Alinghi in Valencia 2007 und die „Schmach von San Francisco“ im 34. America's Cup 2013, als das Emirates Team New Zealand im Cup-Duell mit Larry Ellisons Oracle Team USA schon 8:1 führte und dann 8:9 verlor. Den Willen der Neuseeländer und ihres Teamchefs Grant Dalton aber konnte auch dieses Fiasko nicht brechen. 2017 holten sie sich vor Bermuda die verschnörkelte Silberkanne mit Supersegler und 49er-Olympiasieger Peter Burling am Steuer und bahnbrechender Technologie auf dem Katamaran „Aotearoa“ (dt.: Land der langen weißen Wolke) zurück.

America's Cup

Hinter Panzerglas gesichert und aktuell von Besuchern der Royal New Zealand Yacht Squadron in Auckland zu bestaunen: der America's Cup als "Neuseelands Cup"

Während die Trophäe aktuell in ihrem Ausstellungsraum in der Royal New Zealand Yacht Squadron bewundert werden kann, läuft längst nächste Cup-Zyklus. Im Prada Cup wollen die drei Herausforderer American Magic mit Skipper Terry Hutchinson, Sir Ben Ainslies Ineos Team UK und Patrizio Bertellis Luna Rosaa Prada Pirelli vom 15. Januar bis 22. Februar 2021 im Hauraki Golf vor Auckland um das Recht kämpfen, Neuseeland im 36. Duell um den America’s Cup (6. bis maximal 21. März) herausfordern zu dürfen. Ob der Zeitplan in der Corona-Pandemie , der schon die europäischen Vorregatten in Sardinien und Portsmouth zum Opfer fielen, zu halten ist, bleibt vorerst ungewiss. Neuseelands Teamchef Grant Dalton sagte gegenüber YACHT online: „Wir sind in Neuseeland in der glücklichen Lage, dass wir die Pandemie als Land bislang ziemlich effektiv gemanagt haben. Aus Veranstaltungssicht ist klar, dass alle Interessensgruppen motiviert und engagiert sind, den America’s Cup im kommenden Sommer (Red.: Winter/Frühjahr in Europa) auszutragen.“ Die roten Socken werden in jedem Fall mit von der Partie sein. „Sie sind ein Geschenk“, so Dalton, „das immer wieder neu gemacht wird. Sie sind damals raketenartig zu einem beinahe ikonischen Kiwi-Symbol aufgestiegen und zählen zu den Dingen, die immer da sein werden, so lange es ein neuseeländisches Team im America’s Cup gibt.“

America's Cup

Das Hauptquartier der Verteidiger im 36. America's Cup im Hafen von Auckland

Tatjana Pokorny am 13.05.2020

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