America's Cup

Veruntreuungsvorwürfe vom Tisch: Kiwis wieder auf Kurs

Eine staatliche Untersuchung der Finanzen der America's-Cup-Veranstalter und des Emirates Team New Zealand hat ergeben: Es gab "keine Unangemessenheit"

Tatjana Pokorny am 26.08.2020
"Te Aihe" im Training
Emirates Team New Zealand

Die erste neuseeländische AC75-Yacht "Te Aihe" im Training

Die neuseeländischen America's-Cup-Veranstalter (ACE) und das Emirates Team New Zealand (ETNZ) können sich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren: die Ausrichtung des 36. America's Cup und die Verteidigung der ältesten Sporttrophäe der Segelwelt – was in Zeiten der Corona-Pandemie genügend Herausforderungen mit sich bringt. Von Vorwürfen der möglichen Veruntreuung von Staatsgeldern oder gar persönlichen Bereicherungen sind die heimischen Cup-Dominatoren nach einer umfangreichen Untersuchung der Finanz-Ermittler der von der Regierung beauftragten Agentur Beattie Varley freigesprochen.

America's Cup

Kann nach vielen Wochen der Anspannung an der Finanzfront wieder aufatmen: Grant Dalton, CEO des Emirates Team New Zealand

Das neuseeländische Ministerium für Wirtschaft, Innovation und Arbeit (MBIE) hat die Prüfung von Vorwürfen gegen das Emirates Team New Zealand Limited und die Organisation America's Cup Limited in Konsultation mit der Stadtverwaltung von Auckland als gastgebendem Partner abgeschlossen. Das Ergebnis wurde heute mit einem gemeinsamen Statement aller Parteien veröffentlicht. Der Beattie-Varley-Report hat demnach ergeben, dass "keine Beweise für finanzielle Unangemessenheiten oder die Veruntreuung von staatlichen Mitteln" gefunden wurden. Weiter ergab die Untersuchung, dass es "kein Darlehen von ACE an ETNZ und keine betrügerischen Machenschaften seitens ACE oder ETNZ" gegeben hat. Es wurde kein "Geld der Krone" für persönliche Ausgaben von Teamchef Grant Dalton verwendet. Insgesamt habe es "keinerlei finanzielle Unangemessenheit irgendeiner Natur" gegeben.

America's Cup

In Neuseeland eine Angelegenheit von nationalem Interesse: der America's Cup. Weshalb die staatlichen Stellen allerdings auch an der korrekten Verwendung ihrer Fördergelder interessiert sind. Hier eines der vielen Triumphbilder der Kiwis nach dem letzten Cup-Sieg mit Teamchef Grant Dalton, Skipper Glenn Ashby (M.) und Steuermann Peter Burling

Einen Rüffel gab es von der Geschäftsführerin des Ministeriums aber auch. Caroly Tremain blieb bei ihrer Kritik jedoch vage: "Während es ausgezeichnete Neuigkeiten sind, dass es keine finanziellen Unangemessenheiten gab und der Eskalationsprozess nun ein Ende gefunden hat, enthält der Beattie-Varley-Bericht aber auch einige Bedenken hinsichtlich der Aufzeichnungen in Bezug auf verschiedene historische Angelegenheiten." Die Untersuchung von staatlicher Seite hatte begonnen, als Vorwürfe gegen die Organisatoren des 36. America's Cup öffentlich wurden. Vorangegangen waren der Auseinandersetzung interne Streitigkeiten und Schuldzuweisungen. In der Folge war Beattie Varley mit einer intensiven Untersuchung beauftragt worden, weil sich die staatlichen Stellen um den rechtmäßigen Einsatz ihrer Gelder sorgten.

Einblicke in das Design für die neuen fliegenden AC75-Yachten. Bei den Finanzierungs-Auseinandersetzungen in Neuseeland geht es auch darum, ob und wie staatliche Mittel für die Design-Entwicklung der neuen Klasse eingesetzt werden dürfen

Der America's Cup hat in Neuseeland nicht nur den Stellenwert eines führenden Nationalsports, sondern gilt auch als wichtiger Wirtschaftsfaktor und wird deshalb mit Staatsmitteln in Millionenhöhe gefördert. Dazu sagte Caroly Tremain: "Der America's Cup ist ein wichtiger Event für Auckland und für Neuseeland. Umso mehr, während wir uns durch die Folgen von Covid-19 kämpfen und uns davon erholen. Ich freue mich darauf, eng mit ACE zusammenzuarbeiten und einen Weltklasse-Event zu liefern, auf den wir alle stolz sein können." Gleichzeitig kündigte Carolyn Tremain die baldige Fortzahlung der vereinbarten staatlichen Fördersummen an.

Eine Uneinigkeit aber besteht weiterhin und soll nun schnellstmöglich am grünen Tisch geklärt werden. Dabei geht es um Mittel für die "AC36 Event- und Design-Kosten der Klasse" und darum, ob diese Kosten – von verschiedenen Medien mit rund 1,7 Millionen Euro beziffert – von den Veranstaltern und damit schlussendlich von staatlichen Mitteln mitgetragen werden sollten oder nicht. Die Parteien haben sich bereits auf ein Schlichtungsverfahren geeinigt.

36. America's Cup

Die Wiege des America's Cup: Im August 1851 begann seine Geschichte mit dem "The R.Y.S. £100 Cup". Nach 169 Jahren ist er immer noch die Königsdisziplin des Hochleistungssegelns

Für ETNZ-CEO Grant Dalton war es bei der Aufarbeitung auch um die nun erfolgreiche Verteidigung gegen Vorwürfe gegangen, er habe persönlichen Nutzen aus Teammitteln gezogen. Der Teamchef sagte darüber hinaus: "Mit dem Abschied von den früheren Event-Managern haben wir unser Personal einer gründlichen Überprüfung unterzogen. Wir haben jetzt das Team, das die Veranstaltung liefern kann. Wir haben erfahrene und respektierte Event-Profis eingestellt, die die Vorbereitungen auf die Veranstaltung nun führen."

Abseits von den internen neuseeländischen Auseinandersetzungen mit möglichen externen Auswirkungen haben in den vergangenen Wochen erstmals zwei Teams im ehemaligen und künftigen Cup-Revier trainiert: Neben dem Emirates Team New Zealand mit Steuermann Peter Burling war auch US-Herausforderer American Magic Teil der imposanten Muskelschau. Als Nächste werden die Briten und Italiener in Auckland erwartet. Leicht ist die Umsiedlung der Teams mit jeweils mehr als hundert Mitarbeitern und teilweise Familienanhang in der Corona-Pandemie nicht.

Zum detaillierten Beattie-Varley-Report geht es hier.

36. America's Cup

Zwei Cup-Teams trainieren schon vor Auckland: das Emirates Team New Zealand und American Magic

Diesen Clip veröffentlichten die Neuseeländer nach dem ersten Aufeinandertreffen mit den amerikanischen Herausforderern von American Magic im Hauraki-Golf

Tatjana Pokorny am 26.08.2020

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