America's Cup

Sir Bens Briten patzen, Pleite und Prestige-Sieg für Artemis

Die Briten haben den 2. Qualifikationstag vergeigt, die Schweden dem souveränen Titelverteidiger die erste Niederlage beschert. Sieger des Tages waren die Kiwis

Tatjana Pokorny am 29.05.2017
35. America's Cup, Qualifikationsrunde, Tag 2
ACEA 2017/Ricardo Pinto

Das Team des zweiten Qualifikationstages waren unzweifelhaft die Kiwis. Sie haben ihre beiden Rennen gegen das japanische SoftBank Team Japan und Sir Ben Ainslies Land Rover BAR gewinnen können und die Arena des Great Sound vor Hamilton am Sonntag ungeschlagen verlassen. Und das, obwohl sie in den Starts eher schwach und auch im Verlauf der Rennen nicht zu jeder Zeit Herren der Lage waren. In ihrem ersten Duell des Tages konnten sich die Kiwis am Start knapp gegen ihren Ex-Skipper Dean Barker und das SoftBank Team Japan durchsetzen, doch im weiteren Verlauf wechselte die Führung mehrfach. Erst technische Fehler von Barker und seinem Team öffneten auf Abschnitt fünf von sieben die Tür zum endgültigen Durchbruch. In dieser Phase wurde auch deutlich sichtbar, wieviel Kraft die Radler an Bord der neuseeländischen "Aotearoa" generieren und wieviel Dynamik sie dem Boot damit ermöglichen. Das Duell entwickelte sich immer mehr zur Gala-Vorstellung von 49er-Olympiasieger Peter Burling und seiner Mannschaft, die schließlich mit 33 Sekunden Vorsprung vor den abgeschlagenen Japanern das Ziel erreichen. 

Tag 2 ist Cup-Geschichte. Was die Steuermänner der Teams dazu sagten und wie sie die Ergebnisse bewerten

In ihrem zweiten Duell des Tages fügten die Kiwis den zuvor bereits vom Oracle Team USA geschlagenen Briten eine weitere schmerzhafte Niederlage zu. In diesem Fall war Sir Ben Ainslie und seinem Team Land Rover BAR in einem plötzlichen Winddreher kurz vor dem Start seglerisch zwar der eindeutig bessere, sogar richtig gute Auftakt gelungen, während die Kiwis noch einmal neu Anlauf nehmen mussten und zu spät über die Linie gingen. Zusätzlich hatten die Neuseeländer sogar einen Penalty kassiert, weil sie – ein so unnöter wie peinlicher Fehler – zu früh in die Startbox eingetaucht waren. "Wir werden diesen Fehler genau analysieren und prüfen, wie er geschehen konnte", sagte Steuermann Peter Burling nach dem Rennen und räumte ein: "So etwas darf wirklich nicht passieren."

35. America's Cup, Qualifikation, Tag 2

Die Briten jagen die Kiwis, müssen sich aber nach eigenen Fehlern am Ende beugen

Doch nicht einmal diese Serie an Anfangsfehlern der Neuseeländer reichte für die Briten, die im Verlauf der Auseinandersetzung mit den Kiwis mehrfach fehlerhaft agierten. Eine völlig missratene Halse der Briten sorgte zur Halbzeit der Begegnung mit dem Emirates Team New Zealand dann für die Vorentscheidung. Die Kiwis zogen auf und davon, machten aus dem mit Spannung erwarteten Macht eine Machtdemonstration, während Ritter Ainslie und seine Mannen im Ziel an fast eineinhalb Minuten Rückstand schwer zu schlucken hatten. "Der Schaden von gestern hat heute keine Rolle gespielt", stellte Skipper und Steuermann Ainslie nach überschwenglichem Lob für seine Bootsbauer ehrlich fest, "wir hätten sie dafür heute gerne mit Punkten belohnt, haben aber eine ganze Reihe Handling-Fehler gemacht. Und ein paar taktische dazu. Das werden wir analysieren und uns steigern müssen."

35. America's Cup, Qualifikation, Tag 2

In diesem Bild steckt zwar ein Fehler der TV-Produzenten in Bermuda, denn rechts wird nicht etwa Frankreich, sonder Land Rover BAR im Duell mit dem Emirates Team New Zealand (links) gezeigt. Der Vergleich ist dennoch interessant, denn am Sonntag zeigte sich mehrfach, wie kraftvoll und effektiv die Radler die Hydrauliksysteme des neuseeländischen Katamarans antreiben

35. America's Cup, Qualifikation, Tag 2

Die Ergebnisse des zweiten Qualifikationstages im Überblick

Neben den Kiwis gab es einen weiteren Tagessieger: Das französische Groupama Team France hatte entsprechend des Programms nur ein Rennen gegen die Schweden zu absolvieren. In dieser Eröffnungsbegegnung am Sonntag legten die Franzosen ihre bisherige Rolle als leichte Beute für die Gegner ab und gewannen das spannende Duell nach mehreren Führungswechseln mit drei Sekunden Vorsprung. Entsprechend groß war der Jubel der krassen Außenseiter im Ziel. Sky-Experte und TV-Co-Kommentator Jochen Schümann sagte: "Es ist fantastisch, dass sie nun nicht mehr der permanente Punktelieferant sind." Skipper Franck Cammas kommentierte den ersten Sieg seiner Equipe überglücklich: "Das war heute ein sehr nasser Job, aber eine schöne Überraschung für uns. Es ist für die Zukunft einfach großartig. Und ja, Artemis ist ein super Team und ich glaube daran, dass wir auch andere Teams schlagen können." Titelverteidiger Jimmy Spithill kommentierte den Überraschungssieg der Franzosen sachlich: "Es soll kein mangelnder Respekt gegenüber Franck sein, aber die Buchmacher hatten in dem Duell sicher Artemis vorne. Doch dann haben Franck und seine Jungs einfach besser gesegelt. Heute war also ein Tag, an dem es darum ging gut zu segeln und ein paar gemeine Felder da draußen zu meiden. Ich glaube nicht, dass Bootsgeschwindigkeit heute eine Rolle gespielt hat."

35. America's Cup, Qualifikationsrunde, Tag 2

Das französische Groupama Team France setzte sich überraschend gegen das schwedische Team Artemis Racing durch

Wo Sieger sind, muss es auch Verlierer geben: Die hießen am Sonntag Land Rover BAR (2 Niederlagen), SoftBank Team Japan (2 Niederlagen) und anteilig auch Artemis. Die Schweden konnten zwar den amerikanischen Titelverteidigern die erste Niederlage beibringen, hatten aber zuvor ihr Duell gegen die französischen Außenseiter verloren und sich darüber entsprechend geärgert. Warum es für Artemis gegen die aktuell stärkste Mannschaft so gut lief, erklärte Steuerman Nathan Outteridge: "Wir haben Iain Percy (Red.: Teamchef und Taktiker) die Möglichkeit gegeben, sich etwas öfter vom Grinden zu befreien, so dass er sich einen beseren Überblick verschaffen konnte.Unsere drei Front-Jungs haben sich heute mächtig ins Zeug gelegt, um ihm das zu ermöglichen. Ich denke, das hat einen großen Unterschied gemacht."

35. America's Cup, Qualifikation, Tag 2

Zwischenstand nach Tag 2 der Qualifikation: Die Titelverteidiger und Top-Favoriten führen

Wie souverän trotz der Niederlage gegen Artemis die Verteidiger agieren, zeigte erneut der Blick auf die Crew-Listen für die insgesamt drei Rennen, die die Amerikaner zu bestreiten hatten. Vom ersten zum zweiten Rennen tauschten sie gleich drei Leute aus. So kam auch Taktiker Tom Slingsby erst für die Runden zwei und drei an Bord. Zum dritten Rennen wurde erneut ein Grinder ausgetauscht. Kein anderes Team hat am Sonntag Crew-Wechsel vorgenommen, während die Amerikaner munter experimentieren und gleichzeitig ihre Kräfte schonen.

Dass die Briten – punktglich mit den Kiwis – nach diesem schwarzen Tag mit drei Zählern immer noch auf Platz zwei hinter den Titelverteidigern (5 Punkte) liegen, haben sie ihren zwei Bonuspunkten aus der Weltserie zu verdanken. Dieser angenehme Vorsprung ist nun allerdings aufgebraucht. Wollen Ainslie und Land Rover BAR um den Qualifikationssieg mitsegeln, müssen sie ab Montag mehr als eine Schippe drauflegen. Und gegebenenfalls ein paar Kisten Bier ins gegnerische Lager des SoftBank Team Japan bringen. Dessen Skipper Dean Barker forderte die Geste in der Pressekonferenz ganz offiziell ein, als er lächelnd sagte: "Unsere Shore-Crew freut sich schon darauf, dass Ben heute Nacht ein paar Kisten Bier vorbeibringt. Das ist gestern nicht geschehen... Davon abgesehen, werden wir morgen wieder gut vorbereitet starten."

35. America's Cup, Qualifikation, Tag 2

Die Begegnungen für Montag, an dem sich die Titelverteidiger – wie praktisch – ausruhen dürfen, während die Herausforderer um die letzten Punkte in der ersten von zwei Round-Robin-Runden (jeder gegen jeden) der Qualifikationsrunde kämpfen

Tatjana Pokorny am 29.05.2017

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