America's Cup
Quo vadis, America's Cup?

In London wurden die Herausforderer zur 35. Austragung noch einmal offiziell vorgestellt. Weiterhin unbekannt: der Ort des Geschehens

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 09.09.2014

ACEA/Gilles Martin-Raget Das erste gemeinsame Skipper-Foto zum 35. America's Cup (v.l.n.r.: Jimmy Spithill, Ben Ainslie – vorn –, Max Sirena, Franck Cammas, Dean Barker – vorn – und Nathan Outteridge

Viel Neues hat die mit Spannung erwartete Pressekonferenz der America's-Cup-Verteidiger im Londoner Hotel "St. Pancras Renaissance" nicht ergeben. Die bereits vorab bekannten fünf Herausforderer für Larry Ellisons Oracle Team USA und ihre Skipper wurden zwar erstmals offiziell vorgestellt, doch weitere wichtige Informationen gab es nicht.

ACEA/Gilles Martin-Raget Will den Cup der Begierde nach Neuseeland zurückholen: Dean Barker

Auf dem Podium nahmen Nathan Outteridge in Vertretung von Skipper Iain Percy (Artemis Racing/Schweden), Sir Ben Ainslie (Ben Ainslie Racing/Großbritannien), Dean Barker (Emirates Team New Zealand/Neuseeland), Max Sirena (Luna Rossa Challenge/Italien), Franck Cammas (Team France/Frankreich) und Jimmy Spithill für die US-Verteidiger Stellung zu den Fragen von mehr als hundert internationalen Journalisten. Doch die beiden aktuell wichtigsten Geheimnisse blieben gut gehütet.

Noch immer ist kein Nachfolger für den zurückgetretenen australischen "Challenger of Record" (Red.: historisch und laut Cup-Stiftungsurkunde der erste Herausforderer, der die Verhandlungen mit dem Verteidiger im Namen aller Herausforderer-Teams führt) vom australischen Hamilton Island Yacht Club in Sicht. Im Gegenteil: Die Herausforderer, allen voran der Italiener Max Sirena, ließen durchblicken, dass sie hinter den Kulissen an einer Gruppenlösung interessiert sind und die Möglichkeiten dafür ausloten. Ähnliche Konstellationen hatte es in den 1990er-Jahren schon einmal gegeben. Sirena sagte auf die Frage nach einem neuen Challenger of Record, die zuvor Jimmy Spithill ohne Antwort an den Italiener weitergegeben hatte: "Wir haben eine Herausforderer-Kommission gebildet und müssen als Gruppe zusammenarbeiten. Die Entscheidungen müssen in Zukunft schneller und klarer getroffen werden können. Ich weiß, dass es manchmal mühsam ist, so lange auf Nachrichten zu warten, aber es dauert eben manchmal auch etwas länger, wenn man eine gute Lösung für so ein wichtiges Thema finden will." Für eine Neulösung des Themas "Challenger of Record" würden die Herausforderer voraussichtlich einstimmigen Zuspruch aller Parteien benötigen, da sich sonst in Abgleich mit der Cup-Stiftungsurkunde Rechtsprobleme ergeben könnten.

ACEA/Gilles Martin-Raget Erstmals wurden bei der Pressekonferenz am 9. September in London alle Teams gemeinsam vorgestellt

Was die Cup-Aktivitäten am meisten lähmt, ist die weiter offene Frage nach dem Revier für das Cup-Duell 2017. Nach wie vor ringen laut Veranstalter ACEA (Cup-Management im Auftrag der Verteidiger) Bermuda und San Diego um die Austragungsrechte. Die endgültige Entscheidung soll bis Dezember dieses Jahres fallen. Den Herausforderern käme eine deutlich frühere Bekanntgabe bei ihren Verhandlungen mit Partnern und Sponsoren allerdings mehr als gelegen. Hinter vorgehaltener Hand erzählt der eine oder andere, wie mühsam solche Gespräche sind, wenn man potenziellen Unterstützern nicht sagen kann, wo die Veranstaltung überhaupt stattfindet.

Noch einmal bekräftigten die Herausforderer in London ihre sportlichen Absichten. Sir Ben Ainslie sagte: "Wir sind glücklich darüber, dass unsere Herausforderung im Namen von Royal Yacht Squadron Racing akzeptiert wurde. Der America's Cup stammt aus der Royal Yacht Squadron. Es ist unser Ziel, ihn dorthin zurückzubringen." Max Sirena sagte: "Das hier ist Luna Rossas fünfte Herausforderung – ein historischer Rekord. Er zeigt unsere Entschlossenheit, den Cup nach Italien zu bringen."

ACEA/Gilles Martin-Raget Sir Ben Ainslie beim Heimspiel in London: Der Brite wirkte entschlossen und bester Laune

Die Herausforderer haben bereits ihr erstes Meldegeld in Höhe von einer Million US-Dollar bezahlt. Eine weitere Million US-Dollar ist bis zum 1. Dezember zu entrichten. Darüber hinaus werden 75.000 US-Dollar an Rechtgebühren fällig.

ACEA/Gilles Martin-Raget Jimmy Spithill schaut, als wolle er sagen: "Will mir hier irgendjemand den Cup wegnehmen?"

Allen fehlenden Informationen zum Trotz versicherte Jimmy Spithill einmal mehr: "Wir wollen die bestmögliche Regatta für alle Beteiligten organisieren." Dafür wurde Top-Manager Dr. Harvey Schiller als "Commercial Commissioner" verpflichtet. Diese Position haben die Verteidiger neu geschaffen. Schiller soll die kommerziellen Interessen des America's Cup wahrnehmen, managen und schützen. Der ehemalige Direktor des Olympischen Komitees der USA war zuvor unter anderem als Präsident von Turner Sports und als Präsident der Internationalen Baseball-Vereinigung im Einsatz und gilt als Hochkaräter mit besten Verbindungen im internationalen Sportgeschäft. Es werden voraussichtlich aber auch in Zukunft vor allem amerikanische Interessen sein, die in der America's-Cup-Ära des Larry Ellison die wichtigste Rolle spielen.


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Themen: America's CupArtemis RacingDean BarkerEmirates Team New ZealandFranck CammasJimmy SpithillLarry EllisonLondonLuna Rossa ChallengeMax SirenaNathan OutteridgeOracle Team USASir Ben AinslieTeam France

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