America's Cup

Protestflagge bei Kiwis und Prada

Zehn Tage vor der ersten Wettfahrt kündigen Team New Zealand und Luna Rossa ihren Protest gegen die Änderungen in den Klassenregeln an

Dieter Loibner am 28.06.2013
America's Cup

Verflixt: Wenn das Ruder mit den horizontalen Trimmklappen über Wasser ist, nützt es doppelt nichts

Eigentlich nichts Neues im Westen: Die Gretchenfrage beim Cup dreht sich nach wie vor um die Ruder der AC72-Kats, die laut Klassenbestimmungen keine Trimmklappen haben dürfen, die während der Fahrt verstellbar sein können. Es geht auch um die Vergrößerung derselben, angeblich, um die Sicherheit der Boote beim Foilen zu erhöhen. Oracle, so wird gesagt, habe diese größeren und beweglichen "Elevators” schon seit März getestet, also bereits zwei Monate vor der fatalen Kenterung von Artemis, womit das Sicherheitsargument kaum haltbar scheint. Und ganz nebenbei geht es in der Rangelei auch um die Platzierung von Zusatzballast, der die Boote ebenfalls stabiler machen soll. 

Nach den Italienern (”Was hier passiert, ist fast ein Skandal”, so Sprecher Francesco Longanesi-Cattani) meldete sich nun Team New Zealand mit einer Stellungnahme, in der es heißt, man beabsichtige, bei der internationalen Jury zu protestieren, weil Regattadirektor Iain Murray seine Kompetenzen überschritten habe. Über die 37 Sicherheitsbestimmungen, die er der Coast Guard für die Regattagenehmigung vorgelegt hat, wolle er eine Änderung der Klassenregeln für das neue Design der Ruder durchdrücken, die laut Protokoll die Zustimmung aller Teilnehmer verlangt, die aber nicht vorliegt.

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Verklemmt: Das Schwert, aber auch die Frage der Ruder sind Gegenstand eines Protests

Die Neuseeländer und die Italiener, die im Vorfeld gemeinsam trainierten und auch die Foiling-Technik auf ihren AC72 erarbeiteten, stimmen allen anderen Maßnahmen zu, die die Sicherheit der Segler erhöhen. Nur die Abänderung der Klassenregel (für die Einführung der beweglichen Trimmklappen) sei auf Segelperformance ausgerichtet und zur Gewährleistung der Sicherheit unnötig. Sie haben ihre Boote auf die kleineren, fixen Winglets ausgelegt und kommen damit auch glänzend zurecht. "Wir sind zuversichtlich, dass die Jury in der Angelegenheit Klarheit schaffen wird, damit wir, egal wie die Entscheidung ausfällt, mit den Rennen des Louis Vuitton Cup am 7. Juli beginnen können”, schlägt Grant "Old Grumpy” Dalton, der Teamchef der Neuseeländer, fast schon versöhnliche Töne an. Vielleicht auch deshalb, weil selbst Wettfahrleiter John Craig zugibt, dass Luna Rossa und Team New Zealand die Geisterrennen in Abwesenheit von Artemis im Juli zu einem "Training unter Freunden” nutzen werden. 

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Verschleiert: Oracle testet mit zwei Booten, während die Konkurrenz sich gegen Regeländerungen stemmt

Hohn gibt es aus der Verteidiger-Ecke: "LOL, das ist mein 11. Cup in Folge und … irgendwer bricht um fünf vor zwölf immer einen Streit vom Zaun”, meldete sich Tom Ehman als Vizekommodore des Golden Gate Yacht Club auf Facebook zu Wort. Das ist der Verein, den Ellison vor dem Bankrott rettete und für den Oracle Team USA offiziell den Cup verteidigt. "Aber nach dem Bluff, dem Gepolter und den Drohgebärden gibt es doch immer eine Lösung. Dieser Sturm im Wasserglas wird sich ebenso legen wie die vorangegangenen: der Flügelkiel (1983), das Plastikschiff (1987) …, das Semifinale mit drei Booten (1995), Young America’s Lügengeschichten (2000), Team NZLs "Hula” (2003) … und Alinghis rumpfverformendes Rigg (2007).” Und Oracle-CEO Russell Coutts, der das Zweiboot-Trainingsprogramm seines Teams lobte, das sich niemand sonst leisten kann, erklärte dem "San Francisco Chronicle" gegenüber eher süffisant, dass Kiwis und Italiener die Jury nur deshalb bemühen,”um uns eine Woche lang in die Werkstatt zu zwingen, um die Ruder umzubauen. Das ist der einzige Grund.” 

Hick und Hack: Im Westen also wirklich nichts Neues.

Dieter Loibner am 28.06.2013

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