America's Cup
Prada Cup: Italiener führen 5:1, Ainslie lässt Briten hoffen

Sir Ben Ainslies britisches America's-Cup-Team hat nach langer Durststrecke den ersten Erfolg erkämpft. Doch Italiens Cup-Jäger fehlen nur noch zwei Siege

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 20.02.2021
Finale Prada Cup, Tag 3, Rennen 5 & 6 Finale Prada Cup, Tag 3, Rennen 5 & 6 Finale Prada Cup, Tag 3, Rennen 5 & 6

COR 36 | Studio Borlenghi Finale Prada Cup, Tag 3, Rennen 5 & 6

Beim Stand von 4:0 hatte der britische Skipper Ben Ainslie vor den Samstagrennen gesagt: "Unsere Starts waren nicht gut genug. Das müssen wir besser machen. Wir müssen das Blatt wenden." Das Vorhaben ist zumindest teilweise gelungen. Mit dem ersten Siegpunkt nach einer weiteren Niederlage gegen das italienische Luna Rossa Prada Pirelli Team hat das Ineos Team UK zumindest seine schwarze Serie beenden können. Im Herausforderer-Finale um den Prada Cup steht es nun 5:1 für die Italiener. Zwei Punkte fehlen dem Rennstall von Cup-Jäger Patrizio Bertelli bei seinem sechsten Anlauf noch zum Einzug in das 36. Match um den America's Cup. Sechsmal müssten die Briten siegen, wollen sie die Italiener doch noch bezwingen und die Kiwis fordern.

COR 36 | Studio Borlenghi Ein bislang in diesem Finale ungewohntes Bild: "Britannia" vor "Luna Rossa"

Was am Samstag auf dem Wasser geschah: Die Prada-Cup-Finalrennen fünf und sechs in der Zusammenfassung

"Bei Ben fließt Eis durch die Adern, wenn es darauf ankommt", hatte vor den Rennen die zweimalige Olympiasiegerin und TV-Kommentatorin Shirley Robertson ihrem langjährigen Teamkameraden in der britischen Olympiamannschaft bescheinigt. Ein wenig davon blitzte im Start von Rennen fünf schon auf, auch wenn die Italiener es besser machten. Beide Boote starteten mehrere Sekunden zu früh. Der damit verbundene Penalty wurde neutralisiert. Weil die Briten auf diesem ersten Kursabschnitt der Kursbegrenzung zu nah kamen, erhielten sie den nächsten Penalty. Um den zu bereinigen, mussten sie 50 Meter hinter die Italiener zurückfallen – was sich auf der rechten Seite des Kurses mit zunächst teilweise mehr Druck als gar nicht so leicht erwies. Prompt protestierten die Italiener bei der ersten Wiederbegegnung mit den Briten erneut. Der Vorwurf: Die Briten hätte einen Vorteil aus ihrer Regelverletzung und der daraus resultierenden Position gezogen. Die Jury stimmte zu, und Ainslies Männer kassierten einen weiteren Penalty. Mit 15 Sekunden Rückstand auf die Italiener schlossen sie diesen ersten Kursabschnitt im Penalty-Hagel schließlich ab. In der Folge diktierten die Italiener die Begegnung und kreuzten die Ziellinie am Ende von Rennen fünf in Winden um acht bis zehn Knoten mit einer Minute und 20 Sekunden Vorsprung.

COR 36 | Studio Borlenghi Aus europäischer Sicht ein Traum: Nur ein kleiner Ausschnitt aus der riesigen Zuschauer-Flotte an diesem Bilderbuch-Sommertag im Cup-Revier vor Auckland

Screenshot | Prada Cup Der Frühstart beider Boote ist auf diesem Bild aus der Live-Übertragung des fünftens Rennens klar zu erkennen

Screenshot | Prada Cup Die Statistik für Rennen fünf im Prada-Cup-Finale

Francesco Bruni sagte danach beim Stand von 5:0: "Das war ein fantastisches Rennen. Offensichtlich hat Jimmy den größten Teil des Jobs mit gutem Timing am Start erledigt. Das war wie aus dem Lehrbuch." Und ein Schuss vor Ainslies Bug. Dessen Antwort zwischen den Rennen fünf und sechs: "Es ist hart. So eine Entscheidung wie eben am Start liegt in den Händen der Schiedsrichter. Wir wollten die rechte Seite unbedingt. Das war das Risiko wert. Ich würde es vermutlich wieder tun." Was aber beim Auftakt zu Rennen sechs nicht nötig war, das mit einem sauberen Parallelstart beider Boote bei leichten Vorteilen für die Briten begann. Als sich der Kurs der beiden Boote auf dem Weg zur ersten Wendemarke kreuzte, lagen die Azzurri erstmals in diesem Prada-Cup-Finale hinten. "Gute Arbeit", sagte Ben Ainslie seiner Crew an Bord und war dabei über die Anbord-Mikros auch für die Fans gut zu hören. "Britannia" war mit dem größten Vorsegel J1 unterwegs, die Italiener mit einer etwas kleineren Version.

COR 36 | Studio Borlenghi Ein gutes Symbolbild für einen spannenden Tag auf dem Wasser

Screenshot | Prada Cup Weniger eng umkämpft als im vorherigen Rennen: der Start zu Rennens sechs

Die Crews und vor allem die Grinder hatten in diesem zweiten Rennen des Tages bei 124 Wenden der Briten und 138 Wenden der Italiener brutal viel zu leisten. Für die Italiener auf "Luna Rossa" im Einsatz: Francesco Bruni, Jimmy Spithill, Pietro Sibello, Emanuele Liuzzi, Enrico Voltolini, Gilberto Nobile, Matteo Celon, Nicholas Brezzi, Pierluigi de Felice, Romano Battisti, Umberto Molineris. Unter dem britischen Union Jack an Bord von "Britannia": Sir Ben Ainslie, Giles Scott, Leigh McMillan, Ben Cornish, Bleddyn Môn, Chris Brittle, Graeme Spence, Joey Newton, Luke Parkinson, Neil Hunter, Nick Hutton. Beide Crews agierten in Rennen sechs ebenbürtiger und lieferten sich ein beinahe klassisches Matchrace-Duell.

COR 36 | Studio Borlenghi So sieht Erleichterung aus: In Rennen sechs konnten sich erstmals in diesem Finale um den Prada Cup die Briten durchsetzen

Spannend wurde es noch einmal auf dem letzten Kursabschnitt. Zuvor hatten die Italiener aus 42 Sekunden Rückstand neun Sekunden an der letzten Wendemarke gemacht und entsprechenden Druck aufgebaut. Doch die Briten hielten stand, zeigten Nervenstärke unter hohem mentalen Druck und brachten ihren Vorsprung mit 14 Sekunden ins Ziel. Mit ihrem ersten Siegpunkt in diesem Prada-Cup-Finale beendete die elfköpfige britische Crew ihre schwarze Serie und ließ ihre Fans von der möglichen Wende träumen.

Screenshot | Prada Cup Im Vergleich zur Statistik für Rennen fünf zeigen die Daten für Rennen sechs, wie spannend und actiongeladen es in dieser Begegnung zuging. Alleine der Blick auf die Anzahl der Wenden verrät nicht nur die Matchrace-Intensität des Duells, sondern auch, dass die Briten mit 124:138 deutlich weniger der zeitintensiven Manöver brauchten als die Italiener

COR 36 | Studio Borlenghi Stark in den Starts, nachdenklich in der Pressekonferenz: "Luna Rossas" Co-Steuermann Jimmy Spithill

COR 36 | Studio Borlenghi Mit Defiziten in Winden unter 13 Knoten: "Britannia" konnte am dritten Finaltag immerhin einen Sieg einfahren

Was die Skipper und Taktiker zu den Rennen fünf und sechs im Prada-Cup-Finale zu sagen hatten

Sichtlich glücklich über dieses Comeback, erinnerte Skipper Ainslie aber auch daran, dass sein Team in Winden unter 13 Knoten weiter Defizite habe. "Das ist so. Wir wissen das. Und sie wissen das. Aber ich kann mein Team nicht genug loben. Sie geben nie auf, und wir werden bis zum Ende kämpfen. Wir hatten heute ein nicht so gutes Rennen. Und ein gutes Rennen. Die Luna-Rossa-Jungs hatten insbesondere am Wind die bessere Geschwindigkeit. Das sehen wir schon seit einigen Monaten. Wir müssen das Beste aus dem Boot machen, das wir haben." "Luna Rossa"-Co-Steuermann Jimmy Spithill sagte: "Es ist so, dass wir in  leichteren Winden einen Vorteil haben. Aber es bleibt auch dabei, dass wir uns weiter extrem konzentrieren müssen."

Den Italienern fehlen nur noch zwei Siege zum Einzug in das 36. Match um den America's Cup gegen das dort lauernde Emirates Team New Zealand. Schon am Sonntag könnte das Prada-Cup-Duell mit den Rennen sieben und acht zu Ende gehen, denn Finalsieger ist das Team, das sich zuerst sieben Siege sichern kann. Die Windvorhersage für Sonntag verheißt eine leichte nordöstliche Seebrise um zwölf Knoten. Auf dem Papier sind das erneut gute Nachrichten für das Luna Rossa Prada Pirelli Team. Wie es auf dem Wasser ausgeht, ist ab dem frühen Sonntagmorgen ab 4 Uhr  live hier zu sehen .

Ergebnisse, Zwischenstände und die Live-Berichterstattung  gibt es auch hier (bitte anklicken!) .

COR 36 | Studio Borlenghi Fairplay und Masken an Land: Sir Ben Ainslie und Pietro Sibello


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Themen: America's CupFrancesco BruniIneos Team UKJimmy SpithillLuna Rossa Prada Pirelli TeamPrada CupSir Ben Ainslie

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