America's Cup
Oracles zweiter AC72 schwimmt

Die Taufe des neuen Kats von Oracle Team USA wurde groß inszeniert. Der Testschlag danach wurde allerdings wegen Windes abgebrochen

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 24.04.2013

Guilain Grenier/Oracle Team USA Neues Boot, neue Farben, bessere Aerodynamik

Obwohl der Big Boss, Larry Ellison, persönlich nicht anwesend war, stand die Show in seinem Zeichen. Judy Sim, Marketingleiter bei Oracle und eine Art Vertraute, durfte den Schampus am kohlefasernen Bugspriet des neuen Kats zertrümmern. Das klappte auch auf Anhieb, ein gutes Omen also für die Verteidigung des Cups, für die das Boot explizit gebaut wurde. Auffällig sind zunächst die neue Farbgebung und die neuen aerodynamischen Verkleidungen, die den Luftwiderstand weiter verringern sollen.

Guilain Grenier/Oracle Team USA Ellisons Vertreter: Judy Sim, Oracles Marketing-Chef beim Champagner-Ritual

Es ist Version 2.0 jenes AC72, der im Herbst bei Fort Mason bei Starkwind und auslaufender Tide so spektakulär kenterte und dabei schwer beschädigt wurde. Die Reparatur dauerte etliche Wochen und endete mit einer gründlichen Überarbeitung des ursprünglichen Bootes. Es war „Version 1.5", die einen Zwischenschritt zum neuen Fahrzeug darstellte, das in vielen Bereichen optimiert wurde. "Wir fahren schneller als die Autos auf der Golden-Gate-Brücke", sagt Taktiker John Kostecki. "Auf der Kreuz sind es etwa 20 Knoten, raumschots dann mehr als 40. Es wird auch interessant, die Strömung und die sehr wechselhaften Windverhältnisse der Bay mit einzubeziehen."

Guilain Grenier/Oracle Team USA Schwimmtest bestanden. Aussagen über das Leistungspotenzial werden wohl noch eine Weile auf sich warten lassen

Damit spielt Kostecki auf die Tatsache an, dass diese Boote größtenteils über Wasser im Foiling-Modus segeln werden. Dafür werden beim Louis Vuitton Cup der Herausforderer, der in den Starkwindmonaten Juli und August ausgetragen wird, andere Einstellungen notwendig sein als beim America's Cup, der vom 7. bis 21. September über die Bühne geht. Weil der Wind auf der Bay dann schon etwas leichter sein wird, wird der siegreiche Herausforderer sein Boot für das Cup-Match modifizieren müssen, während Oracle sein Fahrzeug nur auf die zu erwartenden Verhältnisse im September optimiert.

www.Pressure-Drops.us Der Pod in Schiffsmitte unter dem Trampolin wurde aerodynamisch verkleidet

Interessant dabei, dass die Tide auf der Bay in den ersten Tagen der Regatta aufläuft. Weil die Strömung dabei exakt aus der Windrichtung kommt, wird das Wasser eher flach sein. Je länger aber die auf maximal 17 (!) Wettfahrten angesetzte Cup-Regatta dauert, desto rauer wird es, weil der ablaufende Strom dann gegen den Wind steht und damit das gefürchtete Kabbelwasser produziert, das letzten Herbst bei der Kenterung des Oracle-Kats geherrscht hatte.

AC72-Kenterung

Wie der neue AC72 segelt, war noch nicht recht zu sehen, denn der angesetzte Testschlag wurde sehr kurz gehalten, da es mit mehr als 20 Knoten blies. Der Plan sieht Trainingsfahrten in dieser Woche vor, und auch der erste Kat soll noch ein paarmal gesegelt werden, ehe er eingemottet wird. Die Herausforderer Luna Rossa und Team New Zealand verlegen derzeit ihre Basen und Boote nach San Francisco und werden nach Mitte Mai den Trainingsbetrieb aufnehmen. Das zweite Boot von Artemis ist noch im Bau und soll Ende Mai gewassert werden.

Guilain Grenier/Oracle Team USA Gruppenbild mit Kat: Oracles Gehaltsempfänger vor dem neuen Boot


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Themen: AC72America's CupJohn KosteckiSan Francisco

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