America's Cup
Nur noch ein kleines Action-Spektakel?

Die ersten Reaktionen auf den überraschenden Vorstoß der Verteidiger, die im laufenden 35. Cup-Zyklus auf kleinere Boote umsteigen wollen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 26.03.2015

Der Vorstoß der amerikanischen Cup-Verteidiger, die im laufenden 35. America's-Cup-Zyklus auf kleinere Boote in einer Länge zwischen 45 und 50 Fuß auch für das Cup-Duell selbst umsteigen wollen (YACHT online berichtete), fallen teilweise drastisch aus. Der Vorschlag ist in der Segelwelt heftig umstritten. Während die Verteidiger in ihrem Ringen um Kostenreduzierung und möglicherweise auch die Rettung finanziell schwach aufgestellter Teams von einigen Herausforderern aus verschiedenen Gründen voll oder teilweise unterstützt werden, hüllen sich andere noch in Schweigen. Nicht so die Segelwelt.

tati Seinerzeit noch in Diensten Alinghis: Jochen Schümann

Jochen Schümann beobachtet das Tun und Treiben der amerikanischen Cup-Verteidiger seit seinem zweiten und letzten Sieg mit Alinghi 2007 intensiv. Schümann hat die Cup-Manöver des Teams, das Alinghi nach langer Gerichtsschlacht in einem ungleichen Exklusiv-Duell 2010 besiegte und seitdem an den Hebeln der Macht sitzt, schon oft kritisiert. Im jüngsten "Downsizing"-Manöver der Verteidiger sieht der dreimalige Olympiasieger nichts als die Fortsetzung eines unguten Cup-Kurses. "Man muss einfach die Geschichte des America's Cup im Blick haben", so Schümann. "Die Faszination America's Cup rührt von den einst großen und imposanten Yachten her. Oracle hat dann die neuen Katamarane erst auf 72 Fuß reduziert, dann auf 62 Fuß. Nun sollen die Boote noch kleiner werden. Da bleibt irgendwann nur noch ein kleines Action-Spektakel übrig."

Dass der Vorstoß der Amerikaner erst im laufenden Wettbewerb kommt, kritisiert Schümann scharf: "Segeln ist schon an sich eine komplexe und komplizierte Sportart. Da ist Kontinuität das A und O im Ringen um die Gunst der Fans. Das jüngste Manöver zeigt einfach wieder, dass der jetzige Verteidiger nicht gut ist für den Cup. Sie haben es in vier Jahren nicht geschafft, den Cup so zu organisieren, dass er gesund wächst. Die tun dem Cup weh."

Mit Wehmut mag nicht nur Schümann an den America's Cup 2007 zurückdenken, an dem zwölf Teams aus neun Nationen teilnahmen. Dem darauffolgenden Zwangsduell zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing 2010 folgte mit dem 34. America's Cup die erste Auflage mit der neuen Katamaran-Generation. Zehn bis zwölf Teams hatten die US-Verteidiger für ihren Weg "raus aus dem Flintstone-Zeitalter mitten hinein in die Facebook-Generation" begeistern wollen. Am Ende folgten dem Lockruf nur drei. Die vom tragischen Tod des britischen Olympiasiegers Andrew Simpson überschattete Qualifikation verlief einseitig – zu dominant segelte das Emirates Team New Zealand durch die Herausfordererrunde. Erst im Finalduell wurde aufgrund stark auftrumpfender Kiwis und des folgenden Jahrhundert-Comebacks der Verteidiger spannender und spektakulärer Segelsport serviert. Doch der Preis dafür war hoch, denn die Sieger hatten mit einem Budget von weit mehr als 100 Millionen Euro gearbeitet – unerreichbar für die meisten Kampagnen, unbezahlbar für potenzielle Sponsoren.

ACAE/ Abner Kingman Die Beinahe-Kenterung des ETNZ in der Bucht von San Francisco: Erst das Cup-Finale servierte 2013 spektakulären und spannenden Sport

Der aktuelle Versuch, die explodierende Kostenspirale zu stoppen und auch kleineren Teams eine Mitmach-Chance zu geben, wirkt hektisch und kommt zur Unzeit, denn die meisten Teams haben bereits Millionen in die Entwicklung der bislang ins Visier genommenden Cup-Katamarane vom Typ AC62 gesteckt. Warum sollten die nun zugunsten schwacher Teams zurückrudern? Der Kommentar von Team New Zealand lautete heute entsprechend: "Die Idee der Größenreduzierung für die Boote ist nicht neu. Das Emirates Team New Zealand hat das letztes Jahr schon vorgeschlagen. Seitdem aber ist einige Zeit vergangen, und die Teams sind in ihrem Design-Prozess (Red.: mit Blick auf die geplanten AC62-Katamarane) weit vorangeschritten. Alle Ideen rund um diese Änderung müssten intensiv besprochen werden und bedürfen der Zustimmung aller Teams." Die aber gibt es bislang nur vom finanzschwachen Team France, von Ben Ainslie Racing und in abgeschwächter Form von Artemis Racing. Soll der Umstieg auf die kleinen Katamarane tatsächlich erfolgen, brauchen die Verteidiger dafür die Zustimmung aller Herausforderer.

Artemis Racing So oder in ähnlicher Größe wie diesen AC45 von Artemis Racing stellen sich die Cup-Verteidiger ihre künftigen Katamarane vor


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Themen: AC45AC62AlinghiAmerica's CupBMW Oracle RacingJochen SchümannOracle Team USA

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