America’s Cup

Neues Canting-System: alles nur geklaut?

Der kommende America’s Cup soll mit vermeintlich neuartigen Foils gesegelt werden. Gerade testen die Neuseeländer die Mechanik. Aber die Idee ist nicht neu

Lars Bolle am 17.09.2018
Foiler US-Navy
youtube

Das Projekt Boing Pegasus Class war der schnellste Foiler der Navy

Der kommende America’s Cup verspricht spektakulär zu werden. Erstmals werden sich bei dieser Veranstaltung Einrumpfer auf Foils heben und über den Parcours fliegen. Die Video-Animationen und erste Tests mit einem verkleinerten Prototypen des britischen Herausforderers Ineos zeigen ein scheinbar revolutionäres Foil-System. Auf drei Tragflächen, jeweils einem schwenkbaren Arm auf jeder Rumpfseite sowie einem T-Foil am Ruder soll geflogen werden.

Präsentation des neuen Cup-Foilers

Der britische Prototyp bei Testfahrten

Den Mechanismus dafür entwickeln gerade die Neuseeländer zusammen mit dem italienischen Herausforderer Luna Rossa; er soll allen Teams als Design-Paket zur Verfügung gestellt werden. Dies soll der Kostenreduktion dienen, zugleich aber wohl auch Überraschungen und damit Wettbewerbsvorteile für ein Team ausschließen, auf der Gegenseite Nachteile verhindern zugunsten spannender Rennen. Die Entwicklung der Foils selbst liegt jedoch bei den einzelnen Teams.

Testanordnung für das neue Neigesystem

Die neuseeländischen Verteidiger haben jetzt ein Video veröffentlicht, in dem die Versuchsanordnung des Neigemechanismus gezeigt und erklärt wird. An einem entsprechend langen Hebelarm sind 900 Kilogramm Gewicht befestigt, um die austretenden Kräfte zu simulieren.

Tests der US-Navy

US Navy Foiler Boing Pegasus Class

Ganz so neu, wie die PR-Maschinerie des Cup-Zirkus suggeriert, ist die Idee des Foilens auf drei Beinen und selbst des Neigens der seitlichen Foils indes nicht. Bereits in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts experimentierte die US-Navy mit Foil-Kriegsschiffen. Darunter war auch ein Modell, das im Prinzip den nun geplanten Cuppern stark ähnelt. In einem Video ist dieses Boot, die Boing Pegasus-Class, zu sehen.

Deutsche Idee

Und es gab bereits für den America’s Cup einen ähnlichen Ansatz, diesmal sogar aus Deutschland. Nach dem sogenannten Mismatch Cat gegen Mega-Mono und dem anschließenden Regelvakuum, aus dem die IACC-Klasse hervorging, startete ein deutsches Syndikat, dem auch der Silber- und Bronzemedaillengewinner Ullrich Libor angehörte, eine Herausforderung, die jedoch scheiterte. Schon der damalige Präsentationsentwurf zeigt verblüffende Ähnlichkeit mit den Cuppern der kommenden Auflage.

Deutscher Cup-Foiler

Das Präsentationsmodell der deutschen Cup-Kampagne 1988

Ganz neu ist diese Idee also nicht – auf die Umsetzung darf man aber gespannt sein.

Lars Bolle am 17.09.2018

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