America's Cup
Nach 20 Jahren Einsatz brutal gefeuert

Team New Zealand segelt ohne Skipper und Segel-Direktor Dean Barker in die Zukunft. Der Geschasste ist erschüttert, bleibt aber loyal

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 26.02.2015

TNZ/Chris Cameron Dean Barkers Zukunft im Team New Zealand ist zerstört: Peter Burling und Glenn Ashby übernehmen

Dean Barker galt immer als einer der fairsten Segler im America's Cup. Und so zeigt er sich auch in seiner schwersten Stunde. Nach 20 Jahren Einsatz für die zweimaligen Cup-Gewinner aus Neuseeland, mit denen er zuletzt so schmerzlich knapp am Sieg vorbeischrammte, hatte Barker bereits in der vergangenen Woche – ob nun durch ein absichtliches oder unabsichtliches Informationsleck im Team – aus den Medien schon von seiner bevorstehenden Ablösung durch den jungen Motten- und 49er-Weltmeister Peter Burling erfahren. Doch da ruderte das Team zunächst noch zurück und dementierte. Nun aber ist es amtlich: "Deano" ist seinen Job als Skipper, Steuermann und Segel-Direktor los, den man ihm im vergangenen Jahr noch vertraglich zugesichert hatte. Das Angebot, in veränderter Rolle als "Performance Coach" zu arbeiten, bezeichnete Barker als nicht angemessen mit Blick auf den Ursprungsvertrag von 2014. Außerdem haben keine weiterführenden Gespräche mit ihm stattgefunden.

Ch. Cameron; G. Grenier/Oracle Team USA; Montage: YACHT Aus nach 20 Jahren mit Team New Zealand: Dean Barker

In einem TV-Interview mit dem neuseeländischen Sender 3News sagte Barker in einer bewegenden Stellungnahme: "Ich habe 20 Jahre meines Lebens alles für dieses Team gegeben. Das ist ja etwa mein halbes Leben. Ich bin zutiefst traurig darüber, wie Team New Zealand und das Management diesen ganzen Prozess gehandhabt haben. Für mich und meine ganze Familie war es immer am wichtigsten, den America's Cup zurück nach Hause zu holen. Dahin, wo er hingehört."

Für Team New Zealand kommt die brutale Aufkündigung der bisherigen Zusammenarbeit mit dem in Neuseeland beliebten Dean Barker einem PR-Desaster gleich. Halb Neuseeland fragt sich, wie es möglich ist, dass einer der Volkshelden öffentlich auf so dramatische Weise demontiert wird. Umgehend flammte die Debatte darüber wieder auf, ob es noch Sinn mache, dieses Team mit einer erheblichen Summe Steuergelder zu unterstützen. Als Nachfolger Barkers ist neben Steuermann Burling auch Segel-Direktor Glenn Ashby vorgesehen.

Wie fair Barker ist, zeigte sich gegen Ende des Interviews, das er eine Stunde nach Bekanntwerden des Rausschmisses gab: "Egal, was mit mir nun passiert: Ich wünsche mir immer noch, dass Team New Zealand den Cup nach Hause bringt." Zu seiner eigenen Zukunft konnte und mochte Barker so kurz nach der Entscheidung noch nichts sagen. Der Mann aus Auckland bestätigte zwar, in der Vergangenheit viele Angebote anderer Teams wie Alinghi und Luna Rossa erhalten zu haben. Gleichzeitig sagte er jedoch, er habe alle Angebote immer ausgeschlagen: "Ein Wechsel kam für mich nie in Frage, ich war immer loyal. Es ging mir ja nie ums Geld. Für mich bedeutet der America's Cup meine Leidenschaft."

Ob Barker infolge der Ereignisse nun doch noch ein anderes Angebot annehmen wird, blieb zunächst offen. Im Land der langen weißen Wolke verdüstern nun vorerst Schatten den neuseeländischen Cup-Himmel. Die Auswirkungen der forschen und wenig geschickten Personalpolitik auf Sponsoren und Förderer bleiben abzuwarten.

Hier geht es zum 3News-Interview mit Dean Barker


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Themen: America's CupDean BarkerTeam New Zealand

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