America's Cup
Köpferollen und Kurskorrektur

Larry Ellison hat viel Geld, aber wenig Geduld. Wer’s nicht bringt, fliegt oder wird anders eingeteilt – ob im Business oder beim Segeln

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 22.03.2012

Gilles Martin-Raget/ACEA Meister Ellison und der Cup

Manchmal steckt hinter dem Hype nüchterne Realität, vor allem, wenn's nicht nach Wunsch des Bosses läuft. Und beim Cup ist das momentan Ellison, der angeblich zwischen 300 bis 400 Millionen US-Dollar für die erfolgreiche Verteidigung ausgibt. Doch davon will er auch wieder etwas einspielen. „Die Nacht der langen Messer”, nannte Kollege Stuart Alexander vom Independent das jüngste, wohl aber nicht letzte Köpferollen bei der America’s Cup Event  Authority (ACEA). Nach dem Ausscheiden von ACEA-Direktor Craig Thompson wurde nun auch dem Vorsitzenden Richard Worth eine andere Aufgabe zugeteilt. Der große Schlanke wurde 2010 eingestellt, weil er einer der erfolgreichsten Sportmarketing-Experten ist. An die 20 Jahre war er beim Sender ITV, und die Fußball Champions League hat er auch fürs Fernsehen mit aufgebaut. Doch nun soll er sich um die Entwicklung der America’s Cup World Series kümmern. Sein bisheriger Posten wird bis auf Weiteres von Stephen Barclay bekleidet, einem Vorstandsmitglied der ACEA.

Gilles Martin-Raget/ACEA Good times: Worth (r.) und Jon Miller, der Programmleiter bei NBC Sports Group, geben das TV-Abkommen für den US-Markt bekannt

Gilles Martin-Raget/ACEA Muss auch gehen: Gary Lovejoy, der bisher die Medienproduktion leitete

Worth muss sich also bei der ACWS beweisen, die eine Aufbauliga zum echten Cup ist, aber auch das Versuchslabor, in dem Neues ausprobiert wird, sowohl regattatechnisch als auch organisatorisch. Die ACWS kommt bei den Seglern gut an, ist aber kommerziell nicht der Erfolg, den Ellison erwartet. Worth solle neue Märkte erschließen und so den Cup einem größeren Publikum zugänglich machen. Trotz guter Anfangserfolge wie z. B. in Plymouth, wird die von ihm angestrebte „Transformierung des Segelsports zum Medienprodukt für eine breite Konsumentenschicht, weg von der elitären Basis”, nicht leicht. „Segeln ist nicht eines der Top-5-Events, das Leute kaufen, um es im TV zu sehen”, sagte Worth in einem Video-Interview.  „Es ist sehr schwierig, die Sender davon zu überzeugen, das auf ihren Kanälen zu zeigen.”

Ebenfalls ausgemustert wird Gary Lovejoy, der früher bei Eurosport war und bisher die Rolle als Direktor der Medienproduktion innehatte. Er wird die ACEA im September verlassen und bis dahin noch als Berater tätig sein. Der Neuseeländer Denis Harvey wird seine Aufgabe in der erweiterten Rolle als Exekutivproduzent des America’s Cup Television übernehmen. In der Tat hat das TV-Produkt mit seinen Innovationen im grafischen Bereich und mit den verschiedenen Kameraeinstellungen einen neuen Standard für Fernsehübertragungen vom Segeln gesetzt, doch zu exorbitant hohen Kosten. Stan Honey, der hierbei federführend war, auf die Frage von YACHT online: „Klar weiß ich, was es kostet. Ich könnte es Ihnen auch verraten, doch dann müsste ich Sie erschießen.” Zwar wurden unlängst Abkommen mit dem britischen Sender SkySport und dem US-Netzwerk NBC bekanntgegeben, doch aktuelle Mediendaten und eine Aufstellung der bisher aufgelaufenen Produktionskosten wurden von der ACEA auch auf wiederholte Anfrage nicht mitgeteilt.

Gilles Martin-Raget/ACEA Kamera am Wasser: Die ACWS ordnet dem Medium Fernsehen alles unter. Um die Kosten zu decken, müssten aber mehr Leute zusehen als bisher

Schon beim ACWS-Event in San Diego wurde ruchbar, dass sich nur wenige Städte außerhalb Europas und der USA als Austragungsorte melden, und dass diejenigen, die an Bord sind, nicht die von der ACEA ursprünglich geforderten Gebühren in Millionenhöhe bezahlen. Dazu kommen die Probleme mit San Francisco, dem Austragungsort des nächsten Cups, wo es weiter ein Tauziehen um die Einrichtungen gibt. Neuesten Meldungen zufolge will die Stadt nun selbst Pier 30–32 für die Teambasen instand setzen, allerdings zu einem Zehntel der ursprünglich veranschlagten Summen.

Gilles Martin-Raget/ACEA Nächste Station: Der Golf von Neapel

Auch die wenigen Teams, die aufgrund der exorbitanten Kosten der AC72-Katamarane zu erwarten ist, dämpfen die Erwartungen. Neben Team New Zealand, dessen Chef Grant Dalton schon eine Abkehr von den AC72-Kats angekündigt hat, sollten die Kiwis den Cup gewinnen, sind bisher nur Artemis und Luna Rossa fix dabei. Ob noch jemand dazukommt, wird von etlichen Experten bezweifelt, weil die Beitragsgelder und die Entwicklungskosten eines völlig neuen Bootstyps die Möglichkeiten der kleinen ACWS-Teams übersteigen.

Die werden sich wie alle anderen bei der nächsten ACWS-Veranstaltung mit den AC45-Kats vom 7. bis 15. April in Neapel präsentieren.

Mehr dazu auf der Event-Seite


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