America's Cup
Im Westen gibt es nichts Neues

Bald ist es überstanden. Team New Zealand hat im LVC-Finale den Pflichtpunkt zum 5:1 geholt und könnte heute alles klar machen

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 24.08.2013

Gilles Martin-Raget/ACEA Der Klassenunterschied von Team New Zealand (r. u.) und Luna Rossa wird durch den Abstand deutlich

Das Beste, das man über diesen verunglückten Louis Vuitton Cup sagen kann, ist, dass dem Spuk heute, toi, toi, toi, ein Ende bereitet werden sollte. Wenn die Kiwis Luna Rossa wie zu erwarten noch zwei Mal besiegen, wird ihnen die Trophäe der Herausforderer zum Umtrunk gereicht, bevor sie in den gut bestückten Pokalschrank der Royal New Zealand Yacht Squadron gestellt werden darf.

Die gestrige sechste Wettfahrt des LVC-Finales war kaum der Rede wert, weil sie dem üblichen Skript folgte: Es sah aus, als segelte da der Vater gegen den Sohn. Während die Neuseeländer souverän agierten – man konnte ihre Selbstsicherheit am Live-Ton vom Boot gut nachvollziehen –, waren die Italiener schon am Start bedient, weil sie bei Flut am benachteiligten Ende losfuhren und sofort in die Abwinde der Kiwis gerieten, die die Tide nutzten. "Wir können endlos über unsere Starts diskutieren, aber die harte Realität ist, dass sie (Team New Zealand) uns davonfahren, egal ob sie in Luv oder in Lee sind”, mokierte sich ein frustrierter und desillusionierter Chris Draper, dem die Aufgabe des Steuerns auf dem schicken, aber unterlegenen Boot von Luna Rossa zufällt.

Gilles Martin-Raget/ACEA Nach dem Manöver ist vor dem Manöver, und zwischendurch heißt es sprinten

Wenn keine unvorhergesehen Pannen und Brüche auftreten, werden die Kiwis morgen den Sack endgültig zumachen, um ab 7. September Cupverteidiger Oracle zu fordern. Dabei geht es dann nicht nur um die viktorianische Silberkanne des America’s Cup, sondern um viel Wichtigeres: eine Investitionsspritze für die lahmende neuseeländische Wirtschaft, auf die jeder Schafzüchter, Wein- und Bootsbauer scharf ist und besonders die Regierung. Denn käme der Cup zurück nach Auckland ins Viaduct Basin, folgen ihm Menschen, Boote und Business.

Zweitens geht es um die Art der Fortführung des Traditionswettbewerbs, der unter der Ägide von Oracle-Boss Larry Ellison und seinem Leutnant Russell Coutts vor lauter guter Ideen Schiffbruch erlitten hat. Lässt man die ungeschickten Manöver bei der Organisation dieser Ausgabe beiseite, gäbe es etliche Positiva: Ohne Frage sind die Regattakurse in Ufernähe, die kurzen Rennen und die exquisite TV-Technologie ein großer Schritt vorwärts. Auch mit technisch hochstehenden, foilenden Multihulls ließe es sich gut leben. Doch die Boote müssten robuster werden und wohl auch etwas kleiner, damit die Kosten sinken. Denn nur dann werden mehr Teams am Start sein, die sich spannende und ausgeglichene Wettfahrten liefern, die das Publikum vor Ort und an den Bildschirmen begeistern. Wie das gehen kann, hat die America’s Cup World Serie mit den AC45 gezeigt.

Solchen Änderungen ginge allerdings eine Grundsatzentscheidung voraus: Soll der Cup wirklich eine spannende Regatta mit einem Dutzend Teams sein, der ein großes Laienpublikum anlockt, oder muss er ein exklusives Stelldichein bleiben, bei dem die großen Milliardäre mit den kleinen ihren Spaß haben.

Das weitere Programm: 

Sa. 24.8. Race 7 (13:10/22:10), Race 8 (14:10/23:10)

So. 25.8. Race 9* (13:10/22:10) Race 10* (14:10/23:10)

(* wenn nötig)


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Chris DraperDean BarkerEmirates Team New ZealandLouis Vuitton CupLuna RossaSan Francisco

Anzeige